SIE UND WIR


SIE UND WIR
I.- Die (Nicht-) Argumente von oben

Die von oben sprechen:

"Wir sind diejenigen, die befehlen. Wir haben mehr Macht, auch wenn wir weniger sind. Uns ist es egal, was du sagst-hörst-denkst-tust, solange du stumm, taub, reglos bist.

Als Regierung könnten wir Leute einsetzen, die mittelmäßig intelligent sind (auch wenn das schon schwer in der politischen Klasse zu finden ist), aber wir haben einen ausgesucht, der nicht einmal so tun kann, als habe er eine Ahnung von der Sache.

Warum? Weil wir das können.

Uns stehen der Polizei- und der Militärapparat zur Verfügung, mit dem wir wahre Verbrecher verfolgen und einsperren könnten, aber diese Kriminellen sind ein unentbehrlicher Teil von uns. Stattdessen haben wir uns dafür entschieden, dich zu verfolgen, zu schlagen, festzunehmen, zu foltern, einzusperren, umzubringen.

Warum? Weil wir das können.

Unschuldig oder schuldig? Wen interessiert es schon, ob du das eine oder das andere bist? Die Gerechtigkeit ist nur eine Hure von vielen in unserem Adressbuch, und glaub uns, es ist nicht einmal die teuerste.

Und selbst wenn du dich an die Form, die wir vorgeben, ganz genau anpasst, auch wenn du nichts unternimmst, auch wenn du unschuldig bist – wir werden dich zermalmen.

Und wenn du darauf bestehst, zu fragen, warum wir das tun, antworten wir dir: weil wir das können.

Das bedeutet es, an der Macht zu sein. Oft ist die Rede von Geld, Reichtum und diesen Dingen. Aber glaub uns, das Aufregende ist dieses Gefühl der Macht, über das Leben, die Freiheit und das Gut eines jeden entscheiden zu können. Nein, Macht ist nicht Geld, es ist das, was du damit bekommen kannst. Macht bedeutet nicht nur, sie ungestraft ausüben zu können, sondern und vor allem, es unvernünftig zu tun. Denn die Macht zu haben bedeutet, etwas zu tun und zu lassen, ohne einen anderen Grund dafür zu haben als den, die Macht dazu zu haben.

Und es ist ganz egal, wer das Gesicht zeigt und uns hinter sich versteckt. Rechts und links – das sind nur Bezugspunkte, damit der Fahrer das Auto an der richtigen Stelle parkt. Die Maschine funktioniert für sich allein. Wir müssen nicht einmal anordnen, dass die Unverschämtheit, uns herauszufordern, bestraft wird. Große, mittlere und kleine Regierungen aus dem ganzen politischen Spektrum streiten sich um das Privileg, uns zu gefallen, ganz abgesehen von den Intellektuellen, Künstlern, Journalisten, Politikern und religiösen Würdenträgern.

Also verpiss dich, fick dich, verrecke, stirb, vergiss deine Träume, gib auf!

Für den Rest der Welt existierst du nicht, du bist niemand.

Ja, wir haben Hass, Zynismus, Groll, Verzweiflung, die theoretische und praktische Scheißegal-Haltung (1), die Anpassung an das "kleinere Übel", die Angst als Resignation gesät.

Und trotzdem fürchten wir, dass das in organisierte, rebellische, preislose Wut umschlägt.

Denn das Chaos, das wir euch aufzwingen, kontrollieren wir, verwalten wir, dosieren wir, nähren wir. Unsere "Sicherheitskräfte" sind unsere Kräfte, die unser Chaos verhängen.

Aber das Kaos, das von unten kommt …

Ach, das… wir verstehen nicht einmal, was sie sagen, wer sie sind, was sie kosten.

Und dann sind sie auch noch so frech und betteln, erhoffen, erbitten, erflehen nicht mehr ihre Freiheit, sondern sie fordern sie ein. Hat man eine solche Obszönität denn schon erlebt!

Das ist die wahre Gefahr. Leute, die auf die andere Seite schauen, die aus der Form herausfallen, sie zerstören oder ignorieren.

Weißt du, womit wir sehr gute Erfolge erzielt haben? Mit diesem Mythos der Einheit um jeden Preis. Sich nur mit dem Chef, Dirigenten, Leiter, Oberhaupt – oder wie auch immer er sich nennt – zu verstehen. Es ist einfacher, einen einzelnen Menschen zu kontrollieren, zu verwalten, zurückzuhalten als viele. Ja, und es ist billiger. Das und die individuellen Rebellionen. Sie sind so herzzerreißend unnütz.

Was aber wiederum wirklich eine Gefahr darstellt, ein wahres Chaos, ist, wenn sich alle zu Kollektiven, Gruppen, Cliquen, Freundeskreisen, Organisationen zusammentun und ihrerseits lernen, "nein" und "ja" zu sagen, und wenn sie sich untereinander einig werden. Denn das "nein" ist an uns Befehlende gerichtet. Und das "ja" … uff … das ist eine wahre Katastrophe, stell dir doch nur mal vor, wie es wäre, wenn jeder sein eigenes Schicksal bestimmt und entscheidet, was er sein und tun will. Das würde ja für uns ein Zeichen sein, dass wir die Entbehrlichen wären, die Überflüssigen, die Störenden, die Unnötigen, diejenigen, die eigentlich eingesperrt sein müssten, diejenigen, die verschwinden müssen.

Ja, ein Alptraum. Ja, natürlich, nur jetzt für uns. Kannst du dir vorstellen, wie geschmacklos dann diese Welt wäre? Voll von Indios, Schwarzen, Braunen, Gelben, Roten, Rastas, Tätowierten, Gepiercten, Nietenverzierten, Punks, Grufties, Chol@s (2), Skater_innen, Leuten mit dieser Fahne mit dem "A", die so wenig eine Nation vertritt, dass sie nicht käuflich ist, Jugendlichen, Frauen, Hur_innen, Kindern, alten Menschen, Pachucos (3), Fahrern, Campesinos, Arbeitern, Armseligen, Proleten, Armen, Anonymen, … Anderen. Es gäbe keinen privilegierten Raum für uns, "the beautiful people" … die "Besseren", damit du verstehst, was wir meinen … denn man sieht schon von weitem, dass du nicht in Harvard studiert hast.

Ja, dieser Tag würde für uns die Nacht bedeuten … Ja, alles würde kaputtgehen. Was sollten wir dann tun?

Mmh… das hatten wir nicht bedacht. Wir haben uns unsere Handlungen überlegt, sie so geplant und ausgeführt, um zu verhindern, dass das geschieht, aber … nein, das war uns nicht in den Sinn gekommen.

Nun, gesetzt den Fall, dass … mmh … ich weiß nicht … könnte sein, dass wir Schuldige suchen würden und dann, ich weiß nicht, vielleicht einen Plan "B" suchen würden. Natürlich wäre das dann alles unnütz. Ich denke, wir würden uns dann an den Satz von diesem verdammten linken Juden erinnern … nein, nicht Marx … Einstein, Albert Einstein. Ich glaube, er war es, der gesagt hat: "Theorie ist, wenn alles bekannt ist und nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert und keiner weiß, warum. In diesem Fall haben wir Theorie und Praxis miteinander kombiniert: Nichts funktioniert … und keiner weiß, warum."

Nein, du hast Recht, wir könnten nicht einmal lächeln. Der Sinn für Humor war schon immer ein Besitz, der sich nicht enteignen ließ. Ist das nicht schade?

Ja, es besteht kein Zweifel: Es herrschen Krisenzeiten.

Hör mal, willst du denn nicht fotografieren? Ich meine, damit wir uns ein bisschen zurechtmachen und uns etwas besser in Position bringen. Nein, dieses kleine Modell haben wir schon in der "Hola" verwendet … aber was erzählen wir dir da, man sieht ganz deutlich, dass du über das "Libro Vaquero" (4) nicht hinausgekommen bist.

Ah, wir können es kaum erwarten, unseren Freund_innen zu erzählen, dass uns so ein … ein … so ein ganz anderer interviewt hat. Sie werden begeistert sein. Naja, und wir werden so kosmopolitisch wirken …

Nein, natürlich haben wir keine Angst vor dir. Was diese Prophezeiung angeht … ach, das ist doch nur Aberglauben, so was von … von … von … autochthon … Ja, so von Region 4 … hahahaha … was für ein guter Witz, warte mal, den schreiben wir für später auf, wenn wir die Jungs und Mädels treffen …

Was? … Das ist keine Prophezeiung?

Oh, es ist also ein Versprechen.

(…) (Es erklingt das titutata-tatatatá des Smartphones)

Hallo, Polizei? Ja, hier ist jemand bei uns gewesen. Ja, wir dachten, es wäre ein Journalist oder so. Er sah so … so … so anders aus, ja. Nein, er hat uns nichts getan. Nein, er hat auch nichts mitgenommen. Nur, als wir jetzt gerade zum Club wollten, um unsere Freund_innen zu treffen, sehen wir, dass etwas an das Gartentor geschrieben wurde. Nein, die Wachleute haben nicht gesehen, wer es war. Natürlich nicht! Gespenster gibt es nicht. Nun, es sind sehr viele Farben … nein, wir haben keinen Farbtopf hier in der Nähe gesehen … Nun, wie wir gesagt haben, es ist in vielen Farben gemalt, so, sehr bunt, sehr einfach, sehr anders, nicht zu vergleichen mit den Galerien, wo … was? Nein, wir wollen nicht, dass Sie einen Einsatzwagen herschicken. Ja, das wissen wir schon. Aber wir haben Sie angerufen, um zu fragen, ob Sie vielleicht herausfinden können, was das heißen soll, was da gemalt ist. Wir wissen nicht, ob es ein Code ist oder eine dieser komischen Sprachen, die die Proleten sprechen. Ja, es ist nur ein einziges Wort, aber wir haben keine Ahnung, warum wir davon eine Gänsehaut bekommen. Da steht:

¡MARICHIWEU! (5)

(Fortsetzung folgt…)

Aus irgendeinem Winkel irgendeiner der Welten,

SupMarcos

Dazu drei Videoempfehlungen:
Pachuco, mit Maldita Vencidad
Más por tu dinero, Yordi Capó
Trickfilm "Von Mäusen und Katzen"

Fußnoten:
(1) valemadrismo
(2) bestimmte Bewegung von Mexikaner_innen v. a. in den USA
(3) Anm. d. Übers.: mexikanische Jugendbewegung der 1930er/40er
(4) mexikanisches Comic über den Wilden Westen von 1978
(5) Anm. d. Übers.: Zehnmal werden wir siegen! Kampfruf der Mapuche in Chile

 

SIE UND WIR
II.- Die Maschine auf knapp zwei Seiten

Der Verkäufer spricht:

Das ist etwas ganz Tolles, sehr "cool", damit Sie verstehen. Es nennt sich "neoliberale Globalisierung Version 6.6.6.", aber wir nennen sie lieber "die Wilde" oder "die Bestie". Ja, eine aggressive Bezeichnung, voller Antrieb eben, ziemlich grrr. Ja, das habe ich im persönlichen Selbstüberwindungskurs "Wie man einen Alptraum verkauft" gelernt … aber zurück zur Maschine. Ihre Funktionsweise ist sehr einfach. Sie braucht nur sich selbst (oder ist "nachhaltig", wie es jetzt heißt). Was sie produziert, sind wahrhaft exorbitante Gewinne … Was? Diese Gewinne in die Linderung des Hungers, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die fehlende Bildung investieren? Aber es sind doch gerade diese Mangelzustände, die dieses Schmuckstück zum Laufen bringen! Wie finden Sie das? Eine Maschine, die gleichzeitig den Brennstoff produziert, den sie zum Funktionieren braucht: Elend und Arbeitslosigkeit.

Natürlich stellt sie auch Güter her, aber nicht nur. Schauen Sie: Nehmen wir an, es wird etwas völlig Unnützes hergestellt, etwas, das keiner braucht, wofür es also keinen Markt gibt. Nun, dieses Wunderwerk hier produziert nicht nur das Unnütze, sondern schafft auch den Markt, der diese Nutzlosigkeit in einen lebenswichtigen Artikel verwandelt.

Die Krise? Natürlich, drücken Sie nur diesen Knopf hier … nein, nicht den, das ist der zum "Auswerfen" … den anderen … ja. Gut, drücken Sie diesen Knopf, und – tatah!, hier haben Sie die Krise, die sie brauchen, komplett, mit Ihren Millionen von Arbeitslosen, Ihren Panzern zur Aufstandsbekämpfung, Ihren Finanzspekulationen, Ihren Dürren, Ihren Hungersnöten, Ihrer Entwaldung, Ihren Kriegen, Ihren apokalyptischen Religionen, Ihren hohen Rettern, Ihren Gefängnissen und Friedhöfen (für die, die den hohen Rettern nicht folgen), Ihren Steuerparadiesen, Ihren Hilfsprogrammen inklusive musikalischer Untermalung und Choreografie … natürlich, ein bisschen Wohltätigkeit wird immer gern gesehen.

Aber das ist nicht alles, gestatten Sie mir, Ihnen dieses Demo zu zeigen. Wenn Sie den Modus "Zerstörung/Entvölkerung-Rekonstruktion/Neuordnung" einschalten, vollbringt sie wahre Wunder. Schauen Sie sich nur dieses Beispiel an: Sehen Sie diese Wälder da? Ach, machen Sie sich um diese Indígenas keine Sorgen … ja, sie gehören zum Volk der Mapuche; aber es könnten auch Yaquis, Mayos, Nahuas, Purépechas, Mayas, Guaranís, Aymarás oder Quechuas sein. Gut, drücken Sie jetzt auf "Play" und schauen Sie, wie die Wälder verschwinden (die Indígenas auch, aber die sind nie wichtig), und nun schauen Sie, wie alles zur Einöde wird, warten Sie … da kommen schon die Maschinen, und violá!: Hier haben Sie den Golfplatz, von dem Sie schon immer geträumt haben, mit exklusiver Wohnanlage und allen Dienstleistungen. Herrlich, nicht wahr?

Es ist auch eine Software dabei, die ist das Neuste vom Neusten. Sie können hier Klick machen, wo "Filter" steht, und in ihrem Fernseher, Radio, in ihrer Zeitung, in ihrem Feisbuk, Twuiter, Jutjub, überall erscheinen nur Psalmen und Loblieder auf Sie und die Ihren. Ja, jegliche Kommentare, Texte, Bilder, sämtlicher Lärm, all die schlechten Schwingungen, die diese anonymen, schmutzigen, hässlichen und bösen Prolls verbreiten, werden gelöscht … ja, und sämtliche Frechheiten.

Es gibt einen Fußhebel (aber mit nur einem Klick können Sie auch auf Autopilot schalten); Heliport; kein Flugticket, denn da gibt es dann keinen Ort, an den man fliehen könnte, aber es gibt einen Platz im nächsten Raumschiff; dann haben Sie auch Ihre exklusive Super-Hyper-Mega-Mall; Golfplatz; Minibar; Jachtclub; ein bereits gerahmtes Harvard-Diplom; Sommerresidenz; Eisbahn … ja, ich weiß schon, was täten wir nur ohne die moderne Linke und ihre Einfälle? Ah, und mit diesem Wunderwerk können Sie in "Echtzeit" und gleichzeitig überall auf der Welt sein, als hätten Sie Ihren eigenen und exklusiven globalen Bankautomaten.

Mmh … ja, es ist auch eine päpstliche Bulle dabei, damit Sie ganz sicher einen VIP-Platz im Himmel bekommen. Ja, ich weiß schon, aber an der Sache mit der Unsterblichkeit arbeiten wir bereits. In der Zwischenzeit können wir Ihnen als Accessoire (für einen Aufpreis selbstverständlich, aber ich bin sicher, dass das für jemanden wie Sie kein Problem darstellt) einen Panikraum installieren! Ja, Sie wissen ja, dass es diesen Vandalen immer mal in den Sinn kommt, das einzufordern, was ihnen gehört, von wegen "das Land gehört denen, die es bearbeiten". Oh, aber Sie müssen sich keine Sorgen machen. Dafür haben wir Regierende, politische Parteien, neue Religionen, "Reality Shows". Aber natürlich, es ist nur eine Annahme, aber was geschieht, wenn sie eines Tages versagen? Selbstverständlich ist uns in Sicherheitsfragen keine Ausgabe zu hoch. Natürlich, notieren Sie: "inklusive Panikraum".

Es gibt auch ein TV-Studio, ein Rundfunkstudio und eine Redaktion. Nein, verstehen Sie mich nicht falsch. Sie sind nicht zum Fernsehen oder Radiohören oder zum Lesen von Zeitungen und Zeitschriften gedacht, das ist für den Pöbel. Ist das nicht genial?

Was? Oh … gut … ja … ich fürchte, dieses kleine Problem konnten unsere Spezialisten nicht lösen. Ja, wenn das Rohmaterial, ich wollte sagen, wenn die ungebildete Masse rebelliert, dann kann man nichts machen. Ja, kann sein, dass der "Panikraum" in dieser Situation auch nichts hilft. Aber man muss deswegen nicht pessimistisch werden, denken Sie einfach, dass dieser Tag … oder diese Nacht … noch in sehr ferner Zukunft liegt. Ja, das mit dem "New-Age"-Optimismus habe ich auch in meinem persönlichen Selbstüberwindungskurs gelernt. Häh? Was? Ich bin entlassen?

(Fortsetzung folgt…)

Aus irgendeinem Winkel irgendeiner der Welten,

SupMarcos

Begleitvideos:
Fuck Tha Posse – El Fin De Los Días (Dr. Loncho, Oscar A Secas y Hazhe) – 20 Minutos Mixtape Vol. 1
Über den Kampf der Mapuche

 

SIE UND WIR
III.- Die Vorarbeiter

Irgendwo in Mexiko…

Ein Mann schlägt wütend auf den Tisch: "Vernichtet sie!"

"Mein Herr, bei allem Respekt, das versuchen wir schon seit 500 Jahren. Die jeweils herrschenden Imperien haben das nacheinander mit all der militärischen Macht, die ihnen der Zeit entsprechend zur Verfügung stand, versucht."

"Und warum sind sie dann immer noch da?"

"Ähm … das versuchen wir noch zu verstehen". Der Lakai blickt den Uniformierten abweisend an.

Der erhebt sich, nimmt Haltung an, streckt den rechten Arm mit flacher Hand nach vorn und ruft enthusiastisch:

"Heil…! Entschuldigung, ich wollte sagen, ich grüße Sie, mein Herr", und nach einem drohenden Blick, der das Kichern der anderen Tischgäste zum Schweigen bringt, fährt er fort:

"Das Problem, mein Herr, ist, dass uns diese Ketzer nicht an der Stelle angreifen, wo wir stark sind, sondern dort, wo unsere Schwächen liegen. Wenn es nur eine Sache von Blei und Feuer wäre, dann wären diese Gebiete mit ihren Wäldern, ihrem Wasser, ihren Mineralien und Menschen schon längst erobert und Sie hätten sie dem großen Gebieter anbieten können, Herr. Diese Feiglinge – statt sich uns allein mit ihren heldenhaften nackten Oberkörpern entgegenzustellen oder mit Pfeil, Bogen und Lanze und als Helden dazustehen (besiegt, aber als Helden), bereiten sie sich vor, organisieren sich, schließen Vereinbarungen, umgehen uns, verstecken sich, wenn sie die Maske abnehmen. Aber wir wären nicht in dieser Situation, wenn Sie auf mich gehört hätten, als alles begann", und missbilligend blickt er den Tischgast an, auf dessen Platzschild zu lesen ist: "Chupacabras Version 8.8.1.3" (1).

Der Angesprochene entgegnet lächelnd: "General, bei allem Respekt, wir hatten keine Atombombe. Und selbst wenn wir eine von unsere Alliierten hätten bekommen können (der Tischgast, auf dessen Schild ‚Botschafter‘ steht, ist für die Erwähnung dankbar), hätten wir damit zwar all die Ureinwohner ausrotten können, hätten aber gleichzeitig auch die Wälder und das Wasser zerstört, und auch Erkundungsarbeiten oder der Abbau von Mineralen wären – sagen wir, einige Jahrhunderte lang – nicht möglich gewesen.

Ein anderer Lakai unterbricht: "Wir haben ihnen angeboten, dass es zu ihrem Tod Lieder und Gedichte geben würde, in denen ihr Opfer gepriesen wird, Corridos, Filme, runde Tische, Essays, Bücher, Theateraufführungen, Statuen, ihren Namen in goldenen Buchstaben. Wir haben ihnen gesagt, dass wir, wenn sie darauf bestünden, Widerstand zu leisten und am Leben zu bleiben, Gerüchte und Zweifel darüber streuen würden, warum sie nicht verschwunden sind, warum sie nicht gestorben sind, und dass wir sagen würden, sie seien unsere eigene Schöpfung, dass wir eine Verleumdungskampagne starten würden, die selbst mit der Unterstützung einiger fortschrittlicher Intellektueller, Künstler und Journalisten rechnen könnte." Die angesprochenen Gäste machen zustimmende Gesten, mehr als einem jedoch missfällt die Nennung der Letzteren.

Ungeduldig fährt der Herr dazwischen: "Und?

"Ihre Antwort war ein Zeichen, das so aussah." (Der Lakai ballt die Hand zur Faust, lässt aber den Mittelfinger oben).

Empörung macht sich unter den Tischgästen breit, und sie schreien: "Prolls! Elende! Ungehobelte! Plebejer! Pöbel!"

Der Lakai zeigt noch immer das Zeichen mit der Hand und schaut auf den Herrn. Dieser weist ihn zurecht: "Ich habe schon verstanden. Die Hand können Sie wieder runternehmen."

Langsam lässt der Lakai die Hand sinken und zwinkert den anderen Tischgästen dabei zu. Dann fährt er fort: "Das Problem, Herr, besteht darin, dass diese Menschen nicht den Tod verehren, sondern das Leben. Wir haben versucht, ihre sichtbaren Anführer auszuschalten, zu kaufen, zu verführen."

"Und?"

"Es ist uns nicht nur nicht gelungen, sondern wir haben außerdem festgestellt, dass die nicht sichtbaren Anführer das viel größere Problem darstellen."

"Gut, dann finden Sie sie."

"Wir haben sie schon gefunden, Herr."

"Und?"

"Es sind alle, Herr."

"Wie alle?"

"Na, alle eben. Das war eine der Botschaften dessen, was sie am Tag des Weltuntergangs getan haben. Es ist uns gelungen, das von den Medien fernzuhalten, aber ich glaube, in diesem Kreis können wir es offen sagen, ohne dass noch jemand anders davon erfährt. Sie haben einen Code benutzt, damit wir verstehen: Der, der oben auf der Bühne ist, ist der Chef."

"Was?! 40.000 Chefs und Chefinnen?"

"Ähm… Herr, entschuldigen Sie, das sind nur die, die wir gesehen haben, dazu kämen dann noch viel mehr, die wir nicht gesehen haben."

"Dann kaufen Sie sie! Wir haben doch sicher genug Geld", fügt er hinzu und wendet sich mit diesen Worten an den Tischgast mit dem Schild "Geld-Nicht-Automat".

Der so genannte "Automat" beginnt zu stottern: "Nun, Herr, dafür müssten wir etwas vom Staat verkaufen und es ist fast nichts mehr da."

Der Lakai unterbricht: "Herr, wir haben es versucht."

"Und?"

"Sie haben keinen Preis."

"Dann überzeugen Sie sie."

"Sie verstehen nicht, was wir ihnen sagen. Und um ehrlich zu sein, wir verstehen auch nicht, was sie sagen. Sie sprechen von Würde, von Freiheit, von Demokratie …"

"Nun, dann tun wir eben so, als gäbe es sie nicht. Auf diese Weise werden sie an Hunger und heilbaren Krankheiten sterben, die Presse wird nichts mitbekommen, keiner wird es merken, und dann wird es schon zu spät sein. Das ist es – töten wir sie durch Vergessen."

Der Tischgast, der erstaunlich einem Chupacabras ähnelt, macht eine zustimmende Geste. Der Herr dankt ihm dafür.

"Schon, Herr, aber es gibt ein Problem."

"Welches denn?"

"Sie beharren stur darauf, weiter zu existieren, auch wenn wir sie nicht beachten. Ohne unsere Almosen – Entschuldigung, unsere Hilfe, wollte ich sagen – haben sie Schulen gebaut, das Land fruchtbar gemacht, Kliniken und Krankenhäuser errichtet, ihre Wohnsituation und ihre Ernährung verbessert, die Kriminalitätsrate gesenkt und den Alkoholismus besiegt. Außerdem haben sie den Drogenhandel und -konsum verboten, ihre Lebenserwartung gesteigert und schon fast der in den großen Städten angenähert."

"Ah, also wird man in den Städten immer noch älter", freut sich der Herr lachend.

"Nein, Herr, als ich ‚fast’ sagte, meinte ich, dass die ihre höher liegt. Die Lebenserwartung in den Städten ist dank der Strategie Ihres Vorgängers zurückgegangen, Herr."

Alle blicken spöttisch und tadelnd auf den Gast mit der blauen Krawatte.

"Willst du damit sagen, dass diese Rebellen besser leben als die, die sich an uns verkaufen?"

"Ganz und gar, Herr. Aber Sie müssen sich darum keine Sorgen machen, wir haben eine Ad-Hoc-Medienkampagne in die Wege geleitet, damit das nicht bekannt wird."

"Und?"

"Das Problem ist, dass weder sie noch die unseren fernsehen oder unsere Presse lesen, dass sie kein Tuiter und kein Feisbuk haben und nicht einmal Handy-Empfang. Sie wissen, dass es ihnen besser geht, und die unseren wissen, dass es ihnen schlechter geht."

Die Frau mit dem Schild "Moderne Linke" steht auf: "Herr, wenn Sie mir gestatten: Mit dem neuen Programm ‚Solid’ … Entschuldigung, mit dem Nationalen Kreuzzug, wollte ich sagen …" (2)

Der Lakai unterbricht sie ungeduldig: "Ach Chayo, jetzt fang doch nicht mit dem Diskurs für die Medien an. Wir alle sind uns darin einig, dass diese verdammten Indios der Hauptfeind sind und nicht der andere, der nicht genannt werden kann (3). Der ist von uns gut infiltriert und umgeben von den Vertretern des hier anwesenden Herrn."

Der mit dem Schild "Chupacabras" nickt zufrieden und nimmt dankbar den Applaus der Tischgäste um ihn herum entgegen.

Der Lakai fährt fort: "Aber du und ich und alle anderen hier Anwesenden wissen, dass all das mit den Sozialprogrammen eine Lüge ist, dass es völlig gleich ist, wie viel Geld investiert wird – am Ende des Trichters bleibt nichts übrig, weil sich jeder seine Scheibe abschneidet. Bei allem Respekt: Nach dem Herrn nimmst du dir ein großes Stück und alle anderen hier Anwesenden auch, dann die Herren Gouverneure, die Befehlshaber der militärischen Zonen und der Marine, die lokalen Parlamente, die Präsidenten der Gemeindebezirke, die Bevollmächtigten, die Anführer, die Beauftragten, die Kassierer, so dass schließlich für unten sehr wenig oder gar nichts bleibt."

Der Herr unterbricht: "Da muss endlich etwas unternommen werden, denn andernfalls wird sich der Gebieter andere Vorarbeiter suchen, und Sie, meine Damen und Herren, wissen sehr gut, was das bedeutet: Wir verlieren unseren Job, werden verspottet, kommen vielleicht ins Gefängnis oder müssen ins Exil."

Der Mann mit dem Schild "Chupacabras" erschaudert und macht eine zustimmende Geste.

"Und es eilt, denn wenn diese schwielenfüßigen Indios …" (die Tochter des Herrn zeigt sich angeekelt, und seine Frau muss sich plötzlich setzen, weil ihr übel ist, und sie nimmt eine so grüne Farbe an, dass die grüne Laterne nichts dagegen ist. Dann zieht sie sich zurück und murmelt etwas von einer Schwangerschaft.

Der Herr fährt fort: "Wenn sich diese vermaledeiten Indios zusammentun, werden wir große Probleme bekommen, denn …"

"Ahäm, ahäm, Herr", unterbricht der Lakai.

"Ja?"

"Ich fürchte, es gibt noch ein viel größeres Problem, das heißt, schlimmer, Herr."

"Größer? Schlimmer? Was kann schlimmer sein als die ganze Indianerschaft im Aufstand?"

"Nun, dass sie sich auch noch mit den anderen einigen, Herr."

"Mit den anderen? Wer sind die?"

"Mmh… also… nun, da wären die Campesinos, die Arbeiter, die Arbeitslosen, die Jugendlichen, die Studierenden, die Lehrer, die Angestellten, die Frauen, die Männer, die alten Leute, die Akademiker, die Schwulen und Lesben, die Punks, Rastafaris, Skater, Hip-Hopper, Pocker, Metalheads, die Fahrer, die Menschen aus den Vierteln, NGOs, Straßenhändler, Bands, Gangs, das Pack …"

"Es reicht! Ich habe verstanden… glaube ich."

Die Lakaien lächeln sich untereinander verschwörerisch zu.

"Wo sind denn die Anführer, die wir gekauft haben? Wo sind die, die wir davon überzeugt haben, dass die Lösung ist, so zu werden wie wir?"

"Man glaubt ihnen immer weniger, Herr. Sie haben ihre Leute immer weniger unter Kontrolle."

"Dann sucht Leute, die sich kaufen lassen! Bietet ihnen Geld, Reisen, Fernsehprogramme, Ämter, Positionen als Abgeordnete, Senatoren, Regierende! Aber vor allem Geld, viel Geld!"

"Das tun wir, Herr, aber …", zweifelt der Lakai.

"Und?", drängt ihn der Herr.

"Wir finden immer mehr…"

"Wunderbar! Braucht ihr also mehr Geld?"

"Herr, ich wollte sagen, wir finden immer mehr, dass sie sich nicht verkaufen."

"Und was ist mit dem Terror?"

"Herr, es gibt immer mehr Menschen, die keine Angst vor uns haben, oder wenn sie Angst haben, dann haben sie sie unter Kontrolle ."

"Und Täuschung?"

"Herrn, es gibt immer mehr Menschen, die für sich selbst denken."

"Dann müssen wir eben alle ausmerzen!"

"Herr, wenn wir alle ausmerzen, dann werden auch wir verschwinden. Wer soll das Land bestellen, wer die Maschinen bedienen, wer in den großen Medien arbeiten, wer uns bedienen, wer unsere Kriege austragen, wer soll uns lobpreisen?"

"Dann müssen wir sie davon überzeugen, dass wir ebenso notwendig sind wie sie."

"Herr, es ist nicht nur, dass immer mehr Menschen merken, dass wir unnötig sind, es scheint sogar, dass selbst der Gebieter an unserem Nutzen zweifelt, und mit ‚unserem‘ meine ich uns alle hier."

Die Gäste am Tisch des Herrn rutschen unruhig auf ihren Stühlen hin und her.

"Also?"

"Herr, bis wir eine andere Lösung gefunden haben – denn der ‚Pakt’ (4) nützt uns gar nichts mehr – und um uns die Schande zu ersparen, dass er wieder in einer Toilette Zuflucht nimmt (5), haben wir etwas Besseres erworben: einen ‚Panikraum‘!"

Die Tischgäste erheben sich und applaudieren. Alle drängen sich um die Maschine. Der Herr tritt ein und stellt sich vor die Bedienelemente.

Nervös warnt der Lakai: "Herr, seien Sie bloß vorsichtig und drücken Sie nicht den ‚Auswerfen‘-Knopf."

"Den hier?"

"Neiiiiiiiiiiin!"

Die Maskenbildner und Marionettenspieler kommen angerannt, um erste Hilfe zu leisten.

Der Lakai wendet sich an einen der Kameraleute, die alles gefilmt haben: "Den Teil musst du rausschneiden … Und sag dem Gebieter, dass er eine Ersatz-Marionette vorbereiten muss. Bei dem hier muss man ständig ‚Reset’ drücken."

Die Tischgäste rücken sich die Krawatten und Röcke zurecht, kämmen sich und husten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das Klicken der Kameras und das Blitzlichtgewitter dominieren alles …

(Fortsetzung folgt…)

Aus irgendeinem Winkel irgendeiner der Welten,

SupMarcos

Die Daten stammen aus dem Bericht #69 des Autonomen Geheimdienstes (SIA in der spanischen Abkürzung) über das Gehörte und Gesehene bei der super-duper-hyper-megageheimen Versammlung in Mexiko-Stadt, Hinterhof der USA, Breitengrad 19° 24' N, Längengrad 99° 9' W. Datum: vor wenigen Stunden. Klassifizierung: nur für Ihre Augen. Empfehlung: diese Informationen nicht öffentlich machen, weil sie uns nicht aus den Augen lassen werden. Anmerkung: Bitte schickt uns mehr Pozol, denn der Elías (6) hat ihn allegemacht mit dem Ruf: "Bleibt stecken, hier ist es schlammig!", und jetzt tanzt er Ska zu "Transgresores de la Ley" von Tijuana No (7) in der Version von Nana Pancha. Ja, das Lied ist schon cool, aber es ist nicht ohne, da mitzupogen, weil der Elias Bergarbeiterboots mit Metallkappen anhat.

Dazu werden die folgenden Videos empfohlen:
"Luna Negra". Text von Arcadio Hidalgo. Musik und performance von Los Cojolites
Now for real the other son jarocho. ¡A zapatearle en el fandango raza!
"En esta tierra que me vio nacer". Mit MC LOKOTER
Grüße an die andere Zumpango. Produktion und Fotografie: Joana López. Regie und Edition: Ricardo Santillán. BLASJOY DESIGNER, Jahr 2012.
Anmerkung: Ein "MC" ist so etwas wie ein DJ mit edlen Gefühlen und guten Worten, aber als HipHop gereimt. Lasst uns rappppppppen!!!
"Transgresores de la ley" von Tijuana No, in der Version der Guppe Nana Pancha, von ihrer Platte "Flores para los muertos".

Fußnoten:
(1) Anm. d. Übers.: lateinamerikanisches Fabelwesen, das einem Vampir gleich Ziegen aussaugt.
(2) Anm. d. Übers.: Solid… bezieht sich auf das "Solidaridad"-Hilfsprogramm der ehemaligen Regierung von Carlos Salinas de Gortari, was "Chayo" (Rosario Robles, ehemals Mitglied der PRD, jetzt der PRI angehörig) aber eigentlich sagen will, ist "Nationaler Kreuzzug gegen den Hunger", ein Programm des jetzigen Präsidenten Peña Nieto.
(3) Anm. d. Übers.: bezieht sich auf Andrés Manuel López Obrador.
(4) Anm. d. Übers.: Pakt für Mexiko – eine politische Vereinbarung über die wichtigsten innenpolitischen Ziele, die unmittelbar nach Peña Nietos Amtsantritt zwischen den drei wichtigsten Parteien (PAN, PRI UND PRD) getroffen wurde.
(5) Anm. d. Übers.: Während des Wahlkampfes versteckte sich Peña Nieto während eines Vortrages an der Universidad Iberoamericana vor den protestierenden Studierenden in der Herrentoilette.
(6) Anm. d. Übers.: Elías Contreras – Hauptperson aus "Unbequeme Tote".
(7) Immer wenn "Tijuana No" dieses Lied gespielt haben, haben sie es der EZetElEn gewidmet, auch wenn die gerade nicht in der Mode war. Grüße und eine dicke Umarmung an alle, die uns nie vergessen haben. ¡Skaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

 

SIE UND WIR
IV.- Die Schmerzen von unten

Wie oft ist es uns nicht passiert, dass uns die Polizei auf der Straße angehalten hat wegen der Straftat, ein verdächtiges "Gesicht zu tragen" oder einen Iro und nach ein paar Schlägen und Erpressungen lassen sie uns gehen?

"Represión y Criminalización" // "Repression und Kriminalisierung",
Cruz Negra Anarquista. Mexiko, Januar 2013

- Und den jungen Leuten, die jetzt in dir einen Helden sehen und das Beispiel für einen Menschen, der von einem repressiven System ungerechtfertigt bestraft wurde?
- Was denn für einen Helden, nein. Jeder dieser Jugendlichen, die tagtäglich auf die Straße gehen, um sich zu organisieren und diese ungerechte Gesellschaft und dieses ökonomische und politische System zu ändern, ist ein Held. Und sie organisieren sich, verteidigen sich … Sie sollen keine Furcht haben, die Angst wird die Seiten wechseln.

Alfonso Fernández, festgehalten im Gefängnis,
interviewt von Shangay Lily in Kaos en la Red. Januar 2013

"Es ist ein Feind notwendig, um der Bevölkerung eine Hoffnung zu geben. (…) Nun, das Gefühl der Identität begründet sich auf den Hass gegenüber jenen, die nicht identisch sind. Der Hass muss als zivile Leidenschaft kultiviert werden. Der Feind ist der Freund der Völker. Es muss jemanden geben, der gehasst werden kann, um sich im eigenen Elend gerechtfertigt zu fühlen. Immer. Der Hass ist die wahre Leidenschaft, die Vorrang hat."

Umberto Eco. Der Friedhof von Prag


Wo und wann beginnt die Gewalt?

Schauen wir mal.

Vor einem Spiegel, in irgendeinem Kalender und in irgendeiner Geografie …

Stellen Sie sich vor, Sie sind anders als die meisten Menschen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie etwas sehr anderes sind.

Stellen Sie sich vor, dass Sie eine bestimmte Haut- oder Haarfarbe haben.

Stellen Sie sich vor, dass Sie verachtet und gedemütigt werden, dass man Sie deshalb verfolgt, einsperrt, tötet – weil Sie anders sind.

Stellen Sie sich vor, dass Ihnen das ganze System von Geburt an immer wieder sagt und wiederholt, dass Sie etwas sehr Eigenartiges sind, unnormal, krank, dass Sie bereuen müssen, was Sie sind, und dass Sie, nachdem Sie das auf Ihr Pech und/oder die göttliche Gerechtigkeit zurückgeführt haben, alles tun müssen, was möglich ist, um diesen "Fabrikationsfehler" zu ändern.


Und, natürlich, schauen Sie nur, wir haben da ein Produkt, dass bei angeborenen Fehlern einfach W-u-n-d-e-r wirkt. Dieses Denken befreit Sie von ihrem rebellischen Geist und diesem unbequemen Zustand, sich immer über alles zu beschweren. Mit dieser Creme ändert sich Ihre Hautfarbe. Diese Haartönung gibt Ihrem Haar die Farbe, die gerade in Mode ist. Dieser Kurs im "Gewinnen von Freunden und Beliebtsein im Netz" vermittelt Ihnen alles, was Sie brauchen, um ein moderner Mensch zu sein. Diese Behandlung gibt Ihnen Ihre Jugend zurück. Diese DVD zeigt Ihnen, wie Sie sich bei Tisch, auf der Straße, auf der Arbeit, im Bett, bei illegalen Überfällen (Diebe), bei legalen Überfällen (Banken, Regierende, Wahlen, legal etablierte Unternehmen), bei sozialen Zusammenkünften verhalten müssen … was? Oh, Sie werden nicht zu sozialen Zusammenkünften eingeladen? Nun, sie zeigt Ihnen auch, was Sie tun müssen, um eingeladen zu werden. Kurz gesagt: Hier erfahren Sie das Geheimnis, wie man im Leben triumphiert. Sie werden mehr Followers auf Twitter haben als Lady Gaga und Justin Bieber! Auch eine Maske nach Ihrer Wahl ist inbegriffen. Wir haben alle! Auch die von Carlos Salinas de Gortari … ok, ok, ok, das war ein schlechtes Beispiel, aber wir haben wirklich für jede Gelegenheit eine. Damit man Sie nicht mehr mit Abscheu anschaut! Damit man nicht mehr Pöbel, Indi@, Proll, Neger_in, Region 4
(1), Zombie, Zapatistenfreak zu Ihnen sagt!


Stellen Sie sich vor, dass es Ihnen trotz all Ihrer Mühen und guten Taten nicht gelingt, Ihre Haut- oder Haarfarbe geheimzuhalten.

Und jetzt stellen Sie sich vor, man startet eine Kampagne, um alle auszulöschen, die wie Sie sind.

Es ist nicht so, dass das mit einem bestimmten Ereignis beginnt oder durch ein Gesetz festgeschrieben wird, aber Sie bemerken, dass das ganze System anfängt, gegen Sie zu agieren und gegen die, die wie Sie sind. Die ganze Gesellschaft wird zu einer Maschine, deren Hauptziel es ist, Sie zu beseitigen.

Es beginnt mit missbilligenden Blicken, Abscheu, Verachtung. Es folgen Beleidigungen, Aggressionen. Dann gibt es Festnahmen, Deportationen, Haft. Dann hier und da Tote, auf legale oder illegale Weise. Und schließlich eine richtige Kampagne, die Maschine mit all ihrer Kraft, um Sie und alle, die Ihnen ähneln, zum Verschwinden zu bringen. Die Identität jener, die die Gesellschaft bilden, bestätigt sich aus dem Hass gegenüber Ihnen. Ihre Schuld? Anders zu sein.

-*-

Sehen Sie es immer noch nicht?

Gut, dann stellen Sie sich vor, dass Sie folgendes sind … (setzen Sie hier die männliche, die weibliche oder die andere Form ein, wie es auf Sie zutrifft.)

Ein Indígena in einem Land, das von Ausländern bestimmt wird. Ein Hubschrauberschwarm nähert sich Ihrem Boden. In der Presse wird es heißen, dass die Besetzung des Windparks die Verringerung der Verschmutzung verhinderte oder dass der Regenwald zerstört wurde. "Die Räumung war notwendig, um die globale Erwärmung des Planeten zu verringern", Regierungssekretär.

Ein Schwarzer in einem Land, das von Weißen dominiert wird. Ein WASP [White Anglo-Saxon Protestant]-Richter wird das Urteil über Sie sprechen. Die Jury hat Sie für schuldig befunden. Eines der Beweismittel, das die Staatsanwaltschaft vorgelegt hat, ist eine Analyse Ihrer Hautpigmentierung.

Ein Jude im Nazi-Deutschland. Der Gestapo-Offizier fixiert Sie. Am nächsten Tag wird im Bericht stehen, dass die menschliche Rasse nun reiner ist.

Ein Palästinenser im heutigen Palästina. Die Rakete der israelischen Armee zielt auf die Schule, das Krankenhaus, das Wohnviertel, das Haus. Morgen wird die Presse sagen, dass militärische Ziele bombardiert wurden.

Ein Migrant auf der anderen Seite irgendeiner Grenze. Eine Patrouille der Migrationsbehörde kommt näher. In den Nachrichten wird am nächsten Tag nichts davon zu hören sein.

Ein Priester, Mönch oder Laie, der sich für die Armen entschieden hat inmitten der Opulenz des Vatikans. Die Rede des Kardinals richtet sich gegen jene, die sich in irdische Angelegenheiten einmischen.

Ein Straßenhändler in einem exklusiven Einkaufszentrum in einer exklusiven Wohngegend. Der Lastwagen der Sondereinheit hält an. "Wir verteidigen den freien Handel", wird der Regierungsvertreter erklären.

Eine Frau allein, am Tag oder in der Nacht, in einem öffentlichen Verkehrsmittel voller Männer. Ein kleiner Anstieg im Prozentsatz der "geschlechtsspezifischen Gewalt". Der Polizeibeamte wird sagen: "Sie fordern das doch förmlich heraus".

Ein Schwuler, am Tag oder in der Nacht, in einem öffentlichen Transportmittel voller Machos. Ein kleiner Anstieg im Prozentsatz der "homophoben Gewalt".

Eine Sexarbeiterin in einer fremden Straße an einer anderen Ecke … eine Streife nähert sich. "Die Regierung bekämpft den Sexhandel effektiv", wird die Presse sagen.

Ein Punk, Rastafari, eine Skaterin, ein Cholo, eine Metalerin, auf der Straße, in der Nacht … eine andere Streife nähert sich. "Wir verhindern antisoziale Verhaltensweisen und den Vandalismus", Regierungschef.

Ein Graffiti-Künstler, der am World Trade Center sprüht … eine andere Streife nähert sich. "Wir werden alles tun, um eine schöne und für den Tourismus attraktive Stadt zu haben", irgendein Beamter.

Ein Kommunist auf einer Versammlung der rechten faschistischen Partei. "Wir sind gegen die Totalitarismen, die auf der Welt so viel Schaden angerichtet haben", der Präsident der Partei.

Ein Anarchist auf einer Versammlung der kommunistischen Partei. "Wir sind gegen die kleinbürgerlichen Abweichungen, die der Weltrevolution so viel Schaden zugefügt haben", der Generalsekretär der Partei.

Ein Programm der Nachrichtensendung "31 Minuten" auf der Informationsleiste von CNN. Tulio Triviño und Juan Carlos Bodoque schauen sich verblüfft an, sie sagen nichts. (2)

Eine alternative Band, die versucht, ihre CD auf einem Konzert von Lady Gaga, Madonna, Justin Bieber oder denen, die auf sie folgen werden, zu verkaufen. Die Polizei kommt näher. Die weiblichen Fans kreischen wie verrückt.

Eine Künstlerin, die vor einem großen kulturellen Zentrum tanzt, wo das Ballett (ja-reinste-Gala-nur-mit-Einladung-tut-uns-leid-Fräulein-aber-sie-stören) Bolshoi aufgeführt wird. Die Sicherheitskräfte stellen Ruhe und Ordnung wieder her.

Ein alter Mensch auf einer Versammlung unter dem Vorsitz des japanischen Finanzministers Taró Asó (der in Stanford studiert hat und vor kurzem die alten Menschen dazu aufforderte, "sich mit dem Sterben zu beeilen", denn es ist ziemlich teuer, dass sie am Leben bleiben). Die sozialen Ausgaben werden noch weiter eingeschränkt.

Ein Anonymus, der auf einer Aktionärsversammlung von Microsoft-Apple das Copyright kritisiert. "Ein gefährlicher Hacker hinter Gittern", werden die Medien verkünden.

Ein junger Mapuche, der in Chile das Land seiner Vorfahren einfordert. Sie sehen, wie die Panzer und das aufdringliche Grün der Militärpolizisten anrücken. Die Kugel, die Sie in den Rücken trifft und Ihren Tod verursacht, wird ungesühnt bleiben.

Ein Jugendlicher und/oder Student oder Arbeitsloser an einem Kontrollpunkt der Armee-Polizei-Guardia Civil-Militärpolizei. Das letzte, was Sie hören? "Schießen!"

Ein Nahua aus einer Gemeinde in den Büros eines transnationalen Minenunternehmens. Die Uniformierten entführen Sie. "Wir stellen Nachforschungen an", die jeweiligen Regierungen.

Ein Dissident vor den grauen Metallwänden, während auf der anderen Seite die mexikanische politische Klasse die bittere Pille einer weiteren aufgezwungenen Amtseinsetzung schluckt. Sie werden von einem Gummigeschoss getroffen, verlieren ein Auge, und Ihr Schädel bricht. "Zum Wohl des Landes fordern wir zur Einheit auf. Es ist an der Zeit, dass wir die Streitpunkte hinter uns lassen", Schlagzeilen in den Nachrichten.

Ein Campesino vor einer Armee von Anwälten und Polizisten, der hört, dass das Land, das er bearbeitet, wo seine Eltern geboren wurden und aufwuchsen, seine Großeltern, seine Urgroßeltern und so weiter, bis die Zeit verschwimmt, nun einer Immobilienfirma gehört und dass Sie den armen Unternehmern das Land wegnehmen, das ihnen von Rechts wegen gehört. Gefängnis.

Ein Gegner des Wahlbetrugs, der zuschaut, wie die 40 Räuber (3) und ihre Stiefellecker ihres Amtes enthoben werden. Der Hohn: "Man muss einfach auf die nächste Seite blättern und nach vorn schauen".

Ein Mann oder eine Frau, die näher herangeht, um zu schauen, was da los ist, und plötzlich von den Sicherheitskräften "eingekesselt" wird. Während er oder sie gestoßen, geschlagen und getreten wird, um zum Einsatzwagen gebracht zu werden, sehen Sie, wie sich die Kameras eines bekannten Fernsehkanals abwenden.

Ein indigener Zapatist, der seit mehreren Jahren im Gefängnis der schlechten Regierung (PRI-PAN-PRD-PT-MC) sitzt. In der Zeitung lesen Sie: "Warum taucht die EZLN erst jetzt wieder auf, als die PRI an die Macht zurückkehrt? Sehr verdächtig."

-*-

Folgen Sie uns?

Nun …

Haben Sie das sichere Gefühl, am falschen Ort zu sein?

Fühlen Sie die Angst, ignoriert, beschimpft, geschlagen, verspottet, erniedrigt, vergewaltigt, eingesperrt, getötet zu werden, nur weil Sie sind, wer Sie sind?

Spüren Sie die Ohnmacht, dass Sie nichts tun können, um das abzuwenden, sich zu verteidigen, gehört zu werden?

Verfluchen Sie den Moment, in dem Sie herkamen, den Tag, an dem Sie geboren wurden, den Moment, als Sie diesen Text zu lesen begannen?

-*-

Einige der oben genannten Beispiele haben einen Namen, einen Kalender und eine Geografie:

Juan Francisco Kuykendall Leal. Der Compa Kuy von der Sexta, Lehrer, Dramaturg, Theaterregisseur. Schädel zertrümmert am 1. Dezember 2012 durch einen Schuss der "Sicherheitskräfte". Er hatte vor, ein Theaterstück über Enrique Peña Nieto zu machen.

José Uriel Sandoval Díaz. Junger Student der Universidad Autónoma von Mexiko-Stadt und Mitglied des Consejo Estudiantil de Lucha // Kampf-Studierendenrat. Bei der Repression am 1. Dezember 2012 verlor er beim Angriff der "Sicherheitskräfte" ein Auge. Er hatte vor, gegen die aufgezwungene Einsetzung von Enrique Peña Nieto Widerstand zu leisten.

Celedonio Prudencio Monroy. Nahua-Indígena. Entführt am 23. Oktober 2012 von den "Sicherheitskräften". Er hatte vor, gegen die Enteignung von Nahua-Land durch Minen- und Holzfällerbetriebe Widerstand zu leisten.

Adrián Javier González Villarreal. Jugendlicher Student der Fakultät für Mechanische und Elektrische Ingenieurwissenschaften an der Universidad Autónoma von Nuevo León, Mexiko, getötet im Januar 2013 von den "Sicherheitskräften". Er hatte vor, seinen Abschluss zu machen und ein erfolgreicher Spezialist zu werden.

Cruz Morales Calderón und Juvencio Lascurain. Campesinos, die 2010/2011 in Veracruz von den "Sicherheitskräften" gefangen genommen wurden. Sie hatten vor, gegen die Enteignung ihres Landes durch Immobilienfirmen Widerstand zu leisten.

Matías Valentín Catrileo Quezada. Junger Mapuche-Indigena, getötet am 3. Januar 2008 in Chile, Lateinamerika, von den "Sicherheitskräften". Er hatte vor, gegen die Enteignung des Landes der Mapuche durch die Regierung, Großgrundbesitzer und transnationale Unternehmen Widerstand zu leisten.

Francisco Sántiz López, indigener Zapatist, ungerecht inhaftiert von den "Sicherheitskräften". Er hatte vor, gegen die Aufstandsbekämpfung seitens der Regierung von Juan Sabines Guerrero und Felipe Calderón Hinojosa Widerstand zu leisten.

-*-

Jetzt … werden Sie nicht ungeduldig, gleich ist es geschafft …

Jetzt stellen Sie sich vor, dass Sie keine Angst haben, oder wenn Sie Angst haben, dann haben Sie diese unter Kontrolle.

Stellen Sie sich vor, dass Sie sich vor den Spiegel stellen und der Ihr Anderssein nicht versteckt oder übertüncht, sondern sogar hervorhebt.

Stellen Sie sich vor, dass Sie aus Ihrem Anderssein einen Schild und eine Waffe machen, sich verteidigen, andere treffen wie Sie, sich organisieren, Widerstand leisten, kämpfen und, ohne es auch nur zu merken, von dem "ich bin anders" zum "wir sind anders" übergehen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie sich nicht hinter der "Reife" oder der "Vernunft" verstecken, hinter "ich habe keine Zeit", "das sind nicht die Bedingungen", "wir müssen noch warten", "es bringt nichts", "es hilft nichts".

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen sich nicht, Sie geben nicht auf, Sie ergeben sich nicht.

Konnten Sie sich das vorstellen?

Nun, auch wenn weder wir noch Sie es schon wissen, sind wir Teil eines viel größeren "Wir", das noch erschaffen werden muss.

(Fortsetzung folgt…)

Aus irgendeinem Winkel irgendeiner der Welten,

SupMarcos,
Planet Erde
Januar 2013


Der Text wird von den folgenden Videos begleitet:
"Born Free" von M.I.A. (Mathangi "Maya" Arulpragasam). Video. Regisseur: Romain Gavras (Sohn von Costa Gavras). Fotografie: André Chemetoff. Produktion: Mourad Belkeddar. Ausführung: Gaetan Rousseau / Paradoxal. Dieses Video wurde von YouTube aufgrund seines Inhalts zensiert.
"Burnin' an Lootin'" von Bob Marley. Eingangsvideo von "La Haine" ("Hass"), Drehbuch und Regie Mathieu Kassovitz, 1995. spanische UT. (Link funktioniert in D nicht, aber das hier dürfte es sein, wenn auch auf Italienisch … die Übersetzerin.)

Fußnoten:
(1) Anm. d. Übers.: DVD-Code für Lateinamerika.
(2) Anm. d. Übers.: "31 Minuten" ist eine Nachrichtenparodie im chilenischen Fernsehen, Julio Triviño und Juan Carlos Bodoque sind Puppen, die Charaktere aus dem wahren Leben parodieren.
(3) Anm. d. Übers.: Die 40 Räuber (wie in Ali Baba und die 40 Räuber) beziehen sich auf die 30 Gouverneure und Kabinettmitglieder, die in Las Margaritas, Chiapas, dabei waren, als der "Nationale Kreuzzug gegen den Hunger" von Enrique Peña Nietos initiiert wurde, und auf die mexikanische politische Schicht im Allgemeinen.



SIE UND WIR
V.- PS zur "Sechsten", das - wie der Name schon sagt - der fünfte Teil von "Sie und wir" war


PS mit einigen Ratschlägen, um Ihre Verdächtigungen zu bestätigen:

1.- Wenn irgendeine Person …

… alle, einige oder einen einzigen der folgenden Anklagepunkte aufweisen kann, zum Beispiel: Frau sein, Mann sein, Kind sein, Jugendlicher sein, Student sein, Angestellter sein, rebellisch sein, lesbisch sein, schwul sein, indigen sein, Arbeiter sein, Stadtteilbewohner sein, Campesino sein, arbeitslos sein, gläubig sein, Sexarbeiter sein, Künstler sein, Domestike aber nicht domestiziert sein, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… anders ist, und sich dessen nicht nur nicht schämt und es nicht zu verbergen sucht, sondern im Gegenteil, unverblümt gewissenhafte Leute herausfordert, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… Teil einer Organisation, oder eines freien/libertären Kollektiv oder einer Gruppe ist, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… jemand ist, der/die in keine andere Liste außer die der "Entbehrlichen" passt, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… jemand ist, der/die sich von niemanden etwas sagen lässt, außer vom eigenen Gewissen, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… jemand ist, der/die nicht auf allmächtige Retter wartet oder hofft, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… jemand ist, der/die Samen pflanzt, wohl wissend, dass sie deren Frucht niemals sehen werden, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.

… jemand ist, der/die, wenn man ihnen geduldig und gutmütig (das heißt, beinahe hysterisch), darlegt, dass die Maschinerie allmächtig und unbesiegbar ist, lächeln – nicht so als ob sie es nicht verstanden hätten, sondern so als ob es sie nicht kümmert, wird zur Vorsicht geraten, diese Person könnte der Sechsten angehören.


Multiple Choice PS

Stellen Sie sich vor, Sie unterhalten sich mit einem anderen Compa, über was auch immer, das geht nur Sie beide etwas an. In dem gleichen Augenblick, wo Sie zum Compa sagen: "Schön, also wir sehen uns dann noch", taucht irgendein Herr auf, mit einem Gesichtsausdruck der besagt "ich bin sehr respektabel und äußerst kenntnisreich", faltet vor Ihren Augen eine ganze Packung revolutionärer Beglaubigungsscheine auseinander, die ihn als revolutionären Analysten für alle vergangenen und zukünftigen Revolutionen ausweisen, und fängt an, Ihnen mit schriller Stimmte zu erklären, dass Sie ihm gehorchen und tun sollen, was er anweist/empfiehlt/anordnet. Und als Sie gerade zu Ihrem Compa sagen wollen "was ist denn mit diesem Idioten?", wird der Mann lautstark und skandiert, unter Zurschaustellung seines hohen Intellekts und mit zugehaltenen Ohren "Ich kann nichts hören, Ich kann nichts hören! Ich bin aus Holz und habe Fischohren" [*1] und zieht erbost ab. Daraufhin, Sie:

a) Sie laufen ihm nach und flehen ihn an, Sie nicht der Finsternis der Unwissenheit (Ihrer eigenen, versteht sich) preiszugeben, sondern Sie weiterhin mit Brillanz (seiner eigenen, versteht sich) zu illuminieren.

b) Sie sagen schluchzend "Es stimmt. Ich bin verrückt und undankbar gewesen, aber ab jetzt werde ich immer brav sein".

c) Sie beenden den Satz "was ist denn mit diesem Idioten?", den Sie vorhin begonnen hatten.

d) Sie sagen zu Ihrem Compa "Junge, ein Augenblick lang dachte ich schon, die Tira taucht hier auf, das heißt, die andere Tira [*2]

e) Sie murmeln zu sich selbst "meine Fresse, mit dieser Stadt geht es auch langsam abwärts"

f) Sie nehmen nichts davon zur Kenntnis, sondern starren gebannt auf diese Wand, die so nackt, so einsam, so rein ist, und Sie denken darüber nach wo sie die Knete für ein Paar Spraydosen herkriegen sollen, weil, so denken Sie bei sich, einer Wand wie dieser kann man ein Gekritzel oder eine Graffiti nicht völlig verweigern, Sie müssten sich nur mit Ihrer "Crew" verabreden und sich auf eine Zeit und einen Ort einigen, oder wie man sagt, auf einen Kalender und eine Geografie. Außerdem wissen Sie schon genau, was Sie schreiben würden, zum Beispiel, dieses Zitat von Mario Benedetti, das besagt: "Vor zwei Gefahren muss sich der neue Mensch vorsehen: der Rechten, wenn sie schlau ist [* spanisch diestra = "schlau, geschickt; rechts"], und der Linken wenn sie links ist." [* spanisch siniestra = "unheilvoll, verhängnisvoll; links"]

g) Sie gehen nach Hause, in ihre Bude, Hütte oder wie sie es auch immer nennen, und sagen zu Ihrem Partner/ihrer Partnerin: "ich glaube ich esse nie wieder so ein Sandwich/Taco/Pastete. Heute habe ich mitten auf der Straße halluziniert ich wäre in der Laura Bozzo Show [*3], und als das Geschrei "Bringt das arme Schwein herein" losging, schubste mich jemand an und sagte "jetzt geh schon, du bist dran."

h) Sie denken, "Hmm, es ist also wahr, Drogen und Alkohol sind schändlich fürs Gehirn."

i) Sie fragen sich "wen kann er damit nur gemeint haben?"

Wenn Sie die Antworten a) und/oder b) angekreuzt haben, haben Sie Zukunftschancen, aber ihnen fehlt der Schliff. Zum Beispiel hätten Sie dem Mann anbieten können, seine Bücher zu tragen. Wenn Sie das aus Boshaftigkeit tun und nicht aus Unterwürfigkeit, könnten Sie ja auf dem Buchhaufen noch das Buch von Pascal Quingard draufwerfen können, mit dem Titel "Butes" oder "Boutes" (wie ich sehe ist Französisch in Mode), vom Verlag Sextopiso (ich liebe diesen Namen). Vielleicht liest er es ja, und lernt dann wie man die Allegorie von den Sirenen kreativer einsetzen kann. Ah, aber er wird Sie auf jeden Fall anweisen weiter zu rudern, um den Helden nach Hause zu bringen.

Wenn Sie c), d), e), f), g) oder h) angekreuzt haben, gibt es für Sie keine Hoffnung, Compa, und natürlich auch keinen Tribünenplatz in der unvermeidlichen-Weltrevolution-die-den-geknechteten-Massen-das-Licht-bringen-wird-unter- Anleitung-der-Weisen-Analysten-und-deren-tiefgründiger-und-konkreter-Analyse-der-Realität. Nun, das haben Sie davon, wenn Sie mit diesen unanständigen Ideen von Rebellion, Freiheit und Autonomie herumhängen.

Wenn sie i) angekreuzt haben, machen Sie sich keinen Kopf, das lohnt sich überhaupt nicht.


PS, das zu Ihrer Orientierung dient und Ihnen sagt:

Sie vergeuden Zeit wenn…

1) Sie mit jemanden darüber argumentieren, ob Sheldon Cooper [*4], mit den Worten "Angst vor der Höhe ist unlogisch. Angst vorm Herunterfallen andererseits ist umsichtig und evolutionär", seine eigene Version von "unten" bekundete und sich für die Ratsamkeit dortselbst zu bleiben aussprach. Ihr Gesprächspartner, geht im Kopf die Namen aller klassischen revolutionären Autoren und aller Generalsekretäre aller Parteien durch und fragt dann "Wer zum Teufel ist Sheldon Cooper, noch so'n Gauner von der Sexta?"

2) Sie sagen laut vor sich hin: "Es gibt immer eine kleine Chance. Alles dreht sich jetzt um kleine Chancen. Wir haben eine lange und harte Reise vor uns, vielleicht härter als ich es mir vorstellen kann. Aber sie kann nicht härter sein als es unsere Reise bisher gewesen ist. Wir sind jetzt weniger als zuvor. Deshalb müssen wir zusammenhalten, füreinander kämpfen, bereit sein, wenn nötig, füreinander zu sterben." [*5]

Und jemand unterbricht Sie und sagt: "Oh, hör doch endlich auf, diesen Wischlappen-Wollsocken-Strickkondom-Träger zu zitieren. Ich habe die Nase voll von diesen Einfaltspinseln. Und diese Erklärung über die nächste Etappe der Sexta ist nichts als billige Literatur vom Subkomödianten Marcos. Ist Dir nicht klar, dass er die Indigenas nur ausnützt, um Geld zu machen und in Europa mit Cassez [*6] herumzuhängen? Jeder weiß doch, dass die Haartolle [*7] die Freilassung dieser Französin mit diesem Clown Marcos ausgehandelt hat, um im Rückzug die PRI vom Wahlbetrug zu entlasten."

Der Sprecher geht dann wieder, zufrieden, Sie aufgeklärt zu haben, und lässt Ihnen keine Gelegenheit zu erklären, dass es sich bei diesen Zeilen eigentlich um ein Zitat des Charakters von Rick Grimes handelt (gespielt von Andrew Lincoln) aus der ersten Episode der zweiten Staffel der TV-Serie "The Walking Dead", entwickelt von Frank Darabont, auf der Basis der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman und Tony Moore und produziert von AMC.

Anmerkung von Marquitos Spoil: Ja, ich finde auch, dass weder Daryl Dixon (dargestellt von Norman Reedus) noch Michone (dargestellt von Danai Guirra) sterben dürfen, aber vielleicht befürchten die Drehbuchautoren ja, dass sie sich beide der Sexta anschließen könnte, es würde zu ihrem Wesen passen. [*8]

PS, das weitere Ratschläge erteilt:

Sie können ein wenig verlorene Zeit wieder wettmachen, wenn Sie sich nach den zwei oben genannten Episoden und einigem Nachdenken fragen "Was zum Teufel ist die Sexta?"

Also geben Sie in die Suchmaschine Ihrer Wahl die Worte ein: "Sexta" und…

... der gesamte Bildschirm wird von allen bekannten und unbekannten WARNMELDUNGEN überflutet, von "Vorsicht, diese Seite kann ihre mentale Gesundheit schwer beeinträchtigen", und "bösartige URL" (ah, großartige unfreiwillige Hommage vom Antivirus Programm, vielen Dank), bis hin zum klassischen "libertärer Virus entdeckt. Stellt keine Gefahr für die Hardware dar, wird aber Ihre Denksoftware völlig durcheinanderbringen"; und im Anschluss die Optionen: "Virus sofort eliminieren", "Virus unter 'Zu Vermeiden' in Quarantäne stellen", "Virus in die Sektion für hoffnungslose Anliegen versetzen", "Virus unter 'Einfältigkeiten' archivieren", etc.

Sie sind natürlich darüber ungehalten (wenn nicht, wieso würden Sie sonst weiterlesen?) und es kotzt Sie an (Zensur beep), soll heißen, es ärgert sie, dass man Ihnen sagt, was Sie tun können oder dürfen und was nicht. Also klicken Sie auf den Link, und bedauern es fast augenblicklich, da Ihr Bildschirm nun, um es in nicht-kybernetischen Ausdrücken zu umschreiben, ein heilloses Durcheinander ist, mit mehr Farben als es sich jeder psychedelische Bildschirmschoner einfallen lassen könnte, später auch alle Arten von Musik (aber ohne auf den Leser störend zu wirken). Sie fragen sich natürlich, was der Programmierer geraucht haben könnte, und wenn wir schon beim Thema sind, seien Sie nicht knausrig und lassen Sie das Zeug die Runde machen, aber im gleichen Augenblick, ta-daa, wirbeln Worte auf, viele Worte, die sich nach einer Weile niedersetzen und gelesen werden können:

"Die Sexta". – 1) Name, mit dem die Zapatisten der EZLN die Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald bezeichnen, und/oder die Unterstützer/innen dieser Erklärung. 2) Name, der als Selbstbezeichnung einer kleinen, sehr kleinen, winzig kleinen Gruppe von Männer, Frauen, Kindern, Alten und Anderen dient, die gegen den Kapitalismus Widerstand leisten und kämpfen, und vorschlagen eine bessere Welt zu errichten, keine perfekte Welt, aber eine bessere. 3) Name, der zur Bezeichnung einer dreckigen, hässlichen, bösartigen, rüpelhaften und rebellischen Menschengruppe dient, die beabsichtigen eine andere Art von Politik zu errichten (die also gegen den Wind pissen, weil dabei weder ein Budget, noch bezahlte Positionen, noch anerkanntes soziales Prestige vorgesehen ist). 4) Name, mit dem sich eine unbekannte aber zu vernachlässigende Anzahl von Personen identifizieren, die sich von den Zapatisten aufgerufen aber nicht ihnen untergeordnet fühlen, die sich ihre eigene Autonomie, ihren eigenen Kalender und ihre eigene Geografie bewahren (die meisten von ihnen sind nicht kreditwürdig und somit völlig entbehrlich.) Erwähnte ich schon, dass sie dreckig, hässlich, bösartig und rüpelhaft sind? Nun, das sind sie wirklich. Für Zapatisten siehe auch unter "zapatos" (span.: "Schuhe"], "zapatillas" [span.: "Hausschuhe"], "zapateros" [span.: "Schuhmacher"], "rebellisch", "ärgerlich", "störend", "überflüssig", "respektlos", "ohne Wählerausweis", "nicht-existent", "rüpelhaft, einfach nur rüpelhaft", "und auch dreckig, hässlich und bösartig".


PS über das verflixte (in etlichen Hinsichten) Passwort:

Compas der Sexta und nicht der Sexta: Ich habe eine unbestimmte Anzahl (was eine elegantere Art zu sagen "eine Scheißmenge") nicht-so-netter Beschwerden über das Passwort erhalten [*9]. Aber wenn Sie kurz vom Gaspedal treten, kann ich das erklären:

Wie Sie selbst feststellen konnten, stürzt unsere Webseite bei jedem siebten Klick ab. Und ich könnte mich da gewissen Verschwörungstheorien anschließen und das auf einen Cyberangriff des jeweiligen Bösewichts des Tages schieben, die höchste Regierung, das Pentagon, die MI6, DGSE, CIA oder KGB (gibt es den KGB eigentlich noch? Da haben Sie den Beweis, dass wir in der Steinzeit leben), aber die Wahrheit ist, dass wir einen Server haben, der auf der alternativen Welle mit Pozole [*10] betrieben wird, und wenn wir den zuständigen Compas sagen, sie sollen mal "Saft geben", trinken sie die Pozole selbst aus, und für den Server bleibt nichts übrig. Also haben wir gesehen, dass es Compas gibt, die das wissen, und die ihre eigenen freie Medien, Blogs, Webseiten und so weiter unterhalten. Und sie laden unsere Texte und manchmal auch unsere Videos dort hoch. Die Videos sind für die Texte sehr wichtig, so wichtig, dass wir uns für sie genauso viel Zeit nehmen, wie für die Texte. Deshalb veröffentlichen wir sie über die Webseite "Enlace Zapatista", weil es besser ist, wenn die bloßen Worte von Musik oder einem Video ergänzt werden, wie ein sehr postmodernes PS, das ist hier bei uns sehr angesagt. Wie auch immer, ich erzählte gerade, dass die Compas von den unabhängigen und libertären Medien, sowie Gruppen, Kollektive und Einzelpersonen, unsere Worte übernehmen, und sie so noch viel weiter und an noch mehr Orten verbreiten.

Also machen wir, wie man das so sagt, Tests. Wir wissen, dass es für diese Compas kein Passwort gibt, das sie aufhalten könnte, und dass auch wenn sie das Passwort nicht wirklich kennen, dann klicken sie mal hierhin und mal dorthin, und schon können sie alles lesen. Also dachten wir uns, was wohl passieren würde, wenn die schlechte Regierung unser Wort blockiert und die kommerziellen Medien uns mit der Peitsche ihrer Verachtung strafen und dann geht gar nichts mehr? Das haben sie schon einmal gemacht, deshalb gibt es ja das ganze Gerede von wegen wieso wir so lange geschwiegen hätten, und wieso erst jetzt und bla bla bla. Also dachten wir uns, wenn sie uns blocken, könnten diese Compas dann unser Wort aufgreifen und für andere hochladen? Weil uns die Leute, die sich über die Medien dieser Compas informieren auch als Gesprächspartner interessieren. Also dachten wir uns, einen Test zu veranstalten, um zu sehen, was diese Compas da draußen, vor allem jene, die noch gar nicht wissen, dass sie unsere Compas sind (wir wissen das auch nicht, aber das ist nicht der Punkt), in einem solchen Fall tun würden. Würden sie woanders nach uns suchen? Oder was? Und das haben wir auch getan. Und wir konnten folgendes feststellen: das Passwort hat unsere Cybercompas nicht mal ansatzweise aufgehalten, oder wie man das so schön sagt, es hat sie nicht die Bohne gekümmert, sie sind sofort auf die Webseite mit dem verborgenen Text gekommen und haben ganz schnell den gesamten Text auf ihren Webseiten veröffentlicht, und die meisten von ihnen auch die Videos. Und dann sahen wir, dass nicht nur unsere Webseite die ganze Zeit abstürzt, sondern es bei uns auch nicht-so-nette Beschwerden hagelte, und dann tauchten die anderen Medien und Blogs und so weiter auf, und sagten "hier ist der gesamte Text", und zeigten den hocherhobenen Mittelfinger, wenn Sie wissen was ich meine. Ok, ok, ok, keine Witze mehr. Also dachten wir uns, "wenn sie einen von uns beleidigen, beleidigen sie uns alle". Ok, ok, nicht wirklich, aber inzwischen wissen Sie auch selbst, Compas, dass wenn Sie unsere Seite nicht öffnen können, Sie auf den Webseiten anderer Compas suchen können. Und bei diesen freien und/oder libertären Compas mit ihren Medien, Blogs, Webseiten oder was auch immer, möchten wir uns vom ganzen Herzen bedanken. Und glauben Sie mir, wenn ich sage, dass es (nach allem, was wir durchgemacht haben) für uns als Zapatisten nicht einfach ist, diese Worte zu sagen. Denn Worte haben für uns einen hohen Wert, so sehr, dass wir um ihretwillen sogar einen Krieg geführt haben.

Jedenfalls wird es von Zeit zu Zeit einige Texte mit einem Passwort geben, aber nur in sehr konkreten Fällen, um die Leserschaft nicht mit Dingen zu langweilen, die vielleicht keinen interessieren, na ja, außer vielleicht die Leute von der Sexta, aber nicht alle, nur sehr wenige. Zum Beispiel: wenn wir annehmen würden, dass wir eine Einladung für August dieses Jahres, 2013, aussprechen, wenn die Räte der Guten Regierung 10 Jahre freier Autonomie feiern werden; und dass es zu diesem Anlass in den zapatistischen Gemeinden ein kleines Fest geben wird, und dass es in diesem Zeitraum sehr viel regnet, und dass dann hier außer Würde Schlamm das einzige ist, was imÜberfluss vorhanden sein wird, und wenn Sie herkommen, sollten sie alles Notwendige mitbringen, wenn Sie nicht die Farbe der Erde annehmen möchten. Aber solche Dinge, Compas, werden wir hinter ein Passwort setzen, weil die meisten sich für diese Information nicht interessieren, nur die Leute von der Sexta, und noch ein paar andere, die eingeladen sein werden. Also verbleiben wir so. Ich hoffe, dass die Beschwerden jetzt etwas freundlicher ausfallen werden.

Vale. Salud und ehrlich, man schickt uns alles zu, was sie uns schreiben, Positives und Negatives, von überallher, und wir lesen es. Wir wissen nämlich, dass die Welt sehr groß ist, dass sie viele Welten umfasst, und dass völlige Einstimmigkeit nur in den Köpfen der Faschisten des gesamten politischen Spektrums existiert, die versuchen, ihre Homogenität allen aufzuzwingen.

Aus irgendeiner Ecke irgendeiner Welt,

SupMarcos

Videos und Musik zum Kommunique:
"Black", mit Kari Kimmel. Soundtrack zum Trailer für die dritte Staffel von "The Walking Dead". Video editiert und untertitelt von MultiMarisa1.
"Rap Zapatista Hope". Curva Sud Tunisi. Tunesische Republik, mediterranes Afrika.
"Being Different", mit dem Superhelden Calcetín und Rombos Man in den Hauptrollen. Clip aus Kapitel 1 der ersten Staffel der Serie "31 Minuten", einer Kinderserie produziert von APLAPLAC (kreiert von Álvaro Díaz und Pedro Peirano) 2003 and übertragen vom Chilenischen Nationalfernsehen.

Anmerkungen der Übersetzung:
[1] Mexikanischer Kinderreim, mit dem Kinder sich mit zugehaltenen Ohren weigern etwas zu hören, was sie nicht hören wollen (orig.: "no oigo, no oigo, soy de palo, tengo orejas de pescado"). Andererseits ist "Sumpffisch" ("El Peje") auch ein eingebürgerter Spitzname für Andres Manuel Lopez Obrador.
[2] Laut den Compas von El Kilombo möglicherweise ein Wortspiel: "tira", umgs. "Polizei, Bullen", und "Tira", Titel einer Stand-Up Comedy Show des spanischen Fernsehsenders "La Sexta".
[3] Laura Bozzo: Moderatorin reißerischer Talk Shows, in denen Gäste traditionell mit dem Aufruf "Bringt das arme Schwein heraus" auf die Bühne geführt werden.
[4] Sheldon Cooper: Charakter der TV-Serie "The Big Bang Theory" (CBS) mittlerweile zur Ikone der Geek-Community aufgestiegen.
[5] Rick Grimes, "The Walking Dead", zweite Episode der zweiten Staffel. Deutsche Untertitel waren unauffindbar, meine Übersetzung könnte sich daher von der offiziellen unterscheiden.
[6] Florence Cassez: Französische Staatsbürgerin, unter Anklage der Entführung 7 Jahre lang in Mexiko inhaftiert, am 23. Januar 2013 freigelassen.
[7] El Copetes – die Haartolle: Geläufiger Spitzname für Enrique Peña Nieto, inspiriert durch seine glamouröse Haarfrisur.
[8] Die Übersetzerin wagt es an dieser Stelle stark zu bezweifeln, ob Daryl Dixon sich tatsächlich der Sexta anschließen würde. Er neigt dazu Menschenansammlung zu meiden, da diese zwangsläufig Zombies anziehen, und er außerdem seine selbstgerösteten Eichhörnchen mit anderen teilen müsste.
[9] Auf der Webseite Enlace Zapatista war der Fünfte Teil der Kommunique-Reihe "Sie und Wir" einige Zeit nach der Veröffentlichung nur teilweise zu lesen. Um den gesamten Text einzusehen wurde man aufgefordert ein Passwort einzugeben.
[10] Pozole

 

SIE UND WIR
VI.- Die Blicke
1.- Schauen um aufzuzwängen oder schauen um zuzuhören

"Einmal werde ich sagen können, ohne dass mir jemand widersprechen könne. Es sind nicht gleich, der, der etwas wünscht und der, der etwas begehrt. Ebenso sind die Worte nicht gleich, die gesagt werden, damit sie gehört werden, wie jene, die gesagt werden, damit sie befolgt werden. Auch ist es nicht das Gleiche, wenn man mit mir spricht um mir etwas zu sagen, als wenn man mit mir spricht, damit ich den Mund halte."

Tomás Segovia. "Vierte Verfolgung" aus "Verfolgung und andere Gedichte", erschienen im Verlag mit dem geschmackvollen Namen "Ohne Namen". Danke und eine herzliche Umarmung an Maria Luisa Capella, Inés und Francisco (Ehre dem würdigen Blut, welches in euren Herzen klopft) für die Bücher und die erklärenden Worte.

Schauen ist eine Art zu fragen, so sagen wir, die Zapatistinnen und Zapatisten.

Oder zu suchen....

Wenn man den Kalender anschaut und die Geographie, so weit sie auch entfernt sein mögen, der eine von der anderen, dann fragt man, und befragt.

Und es ist im Schauen, wo der Andere, die Andere, das Andere erscheint. Und es ist im Blick, wo dieses Andere existiert, wo sich sein Profil wie fremd abzeichnet, wie ein Rätsel, wie ein Opfer, wie ein Richter und Henker, wie ein Feind ..... oder wie ein Compañer@.

Im Blick ist es, wo die Angst sich einnistet, aber auch, wo der Respekt entstehen kann.

Wenn wir nicht lernen zu sehen, wie sich der andere sieht, welche Bedeutung haben dann unser Blick, unsere Fragen?

Wer bist Du?

Was ist Deine Geschichte?

Wo sind Deine Schmerzen?

Was ist Deine Hoffnung?

Aber es ist nicht nur wichtig, was und wen wir anschauen. Auch und vor allem ist wichtig, von woher wir schauen.

Und zu wählen, wohin wir schauen ist zugleich auch die Wahl, von woher.

Oder ist es dasselbe, von oben den Schmerz jener anzusehen, die ihre Lieben verlieren, die sie brauchen, durch einen absurden, unerklärlichen, definitiven Tod, wie das von unten anzuschauen?

Wenn jemand von oben die von unten anschaut und sagt: "Wieviele sind es?", meint er in Wirklichkeit: "Wie viel sind sie wert?".

Und wenn sie nichts wert sind, dann ist es auch unwichtig, wie viele sie sind. Um diese unwillkommene Zahl zu beseitigen, sind die großen, bezahlten Massenmedien da, das Heer, die Polizei, die Richter, die Gefängnisse, die Friedhöfe.

Und für unseren Blick sind die Antworten nie einfach.

Wenn wir uns ansehen, sehen wir, was wir ansehen, da geben wir uns eine Wesensgleichheit, die mit Schmerzen und Kämpfen zu tun hat, mit unseren Kalendern und unserer Geographie.

Unsere Kraft – falls wir überhaupt eine haben – steckt in der Anerkennung: Wir sind, wer wir sind, und es gibt andere, die sind, wer sie sind. Dann gibt es wieder einen anderen, für den wir noch kein Wort gefunden haben, um ihn zu benennen, aber trotzdem, er ist, wer er ist. Wenn wir "wir" sagen, dann saugen wir niemand auf, um seine Identität unterzuordnen, sondern um die Brücken, die zwischen den unterschiedlichen Schmerzen und verschiedenen Rebellionen bestehen, herauszustreichen. Wir sind gleich, weil wir anders sind.

Wir, die Zapatistinnen und Zapatisten, streichen in der Sechsten unsere Ablehnung gegen jeden Versuch der Hegemonie hervor, das heißt, gegen jedes Vorkämpfergetue, egal ob wir in der Vorhut sind, oder ob sie uns in der Nachhut aufstellen, wie das so im Lauf der Geschichte immer geschehen ist.

Wenn wir in der Sechsten die suchen, die uns im Schmerz und im Kampf ähnlich sind, ohne dass uns die Kalender und die Geographien, die uns trennen, wichtig sind, dann ist das deshalb, weil wir sehr gut wissen, dass wir den Herrscher nicht mit einem Gedanken, einer einzigen Kraft, einer einzigen Führung (wie revolutionär, konsequent, radikal, einfallsreich, zahlreich, mächtig oder was auch noch immer diese Führung sein mag) besiegen können.

Unsere Toten haben uns gelehrt, dass die Verschiedenheit und Unterschiede keine Schwächen für den von unten sind, sondern seine Stärke, aus der Asche des Alten eine neue Welt zu gebären, eine neue Welt, die wir wollen, die wir brauchen, die wir verdienen.

Wir wissen gut, dass diese Welt nicht nur von uns erträumt wird. Aber in unserem Traum ist diese Welt nicht eine, sondern viele unterschiedliche und mannigfaltige. Und in dieser Vielfalt liegt ihr Reichtum.

Die wiederholten Bemühungen, Einstimmigkeit aufzuzwingen sind dafür verantwortlich, dass die Maschine verrückt geworden ist und jede Minute der letzten Minute der Zivilisation näher rückt, so wie das bisher zu sehen war.

In der jetzigen Etappe der Globalisierung des Neoliberalismus ist die Homogenität nichts anderes als die aufgezwungene Mittelmäßigkeit, die die allgemein gültige Norm ist. Und wenn sie sich in irgendetwas von Hitlers Wahnsinn unterscheidet, dann ist das nicht im Ziel, sondern in der Modernität der Mittel, die zum Ziel führen.

***

Ja, nicht nur wir suchen das Wie, das Wann, das Wo und das Warum.

Sie sind zum Beispiel nicht sie. Gut, obwohl es nicht so scheint, als hätten Sie ein Problem, sich mit ihnen zu verbünden, um ... sie zu täuschen und sie von innen heraus zu zerstören? Um so zu sein wie sie, aber nicht ganz so sehr wie sie? Um die Geschwindigkeit der Maschine zu verringern, die Reißzähne der Bestie abzuschleifen, das Wilde zu vermenschlichen?

Ja, wir wissen es. Es gibt einen Riesenhaufen von Argumenten, um diese These zu untermauern. Sie könnten sogar einige Beispiele erzwingen.

Aber....

Sie sagen uns, dass wir gleich sind, dass wir im gleichen Boot sitzen, dass es der gleiche Kampf ist, dass wir den gleichen Feind haben...Mhm, nein, Sie sagen nicht Feind, Sie sagen Gegner. Ok, hängt davon ab, welcher Ausdruck gerade modern ist.

Sie sagen uns, dass wir uns alle zusammenschließen müssen, denn es gibt keinen anderen Weg: entweder Wahlen oder Waffen. Und Sie, die auf dieses trügerische Argument Ihr Projekt aufbauen, dass alles, was sich nicht dem Spektakel der Politik von oben unterordnet, nichtig sei, Sie sagen uns: sterbt oder ergebt euch. Sie geben uns sogar das Alibi, indem Sie folgendermaßen argumentieren: nachdem es sich um die Machtübernahme handelt, gibt es nur diese zwei Wege.

Ach! Und wir, die wir so unfolgsam sind, weder sterben wir, noch ergeben wir uns. Und wie sich das am Weltuntergangstag bestätigt hat: weder Wahlkampf noch bewaffneter Kampf.

Und wenn es sich nicht um die Machtübernahme handelt? Noch besser... Und wenn die Macht nicht mehr in dieser Staat-Nation beheimatet ist, diesem Zombi-Staat, der von einer parasitären Politikerklasse, die den Raub der Reste der Nation praktiziert, bewohnt wird?

Und wenn die Wähler, von denen Sie so besessen sind (daher kommt Ihr Entzücken mit den Massen) nichts anderes tun als jemand wählen, der bereits von anderen ausgesucht wurde, wie sie das ein ums andere Mal vorgeführt haben, während ihnen jeder neue Trick, den sie anwenden, unbändigen Spass bereitet?

Ja klar, Sie verstecken sich hinter Ihren Vorurteilen: jene, die nicht wählen? "Die sind apathisch, denen fehlt das Interesse, die haben keine Bildung, die werden von den Rechten ausgenützt...". Ihre Alliierten in so vielen Geographien, in nicht wenigen Kalendern. Sie wählen aber nicht euch? "Ja das ist, weil sie Rechte sind, weil sie dumm sind, weil sie sich verkauft haben, weil sie Verräter sind, weil sie Hungerleider sind, weil sie Zombies sind!"

Anmerkung von Marquitos Spoil: Ja, wir sympathisieren mit den Zombies. Nicht nur wegen unserer äußeren Ähnlichkeit (sogar ohne Schminke würden wir beim Casting zu "The Walking Dead" alle anderen ausstechen). Auch und vor allem deshalb weil wir, wie Georg A. Romero der Meinung sind, dass in einer Zombi-Apokalypse die grausamste Brutalität von der überlebenden Zivilisation käme und nicht von den Toten, die herumstreifen. Und wenn eine Spur von Menschlichkeit übrig bleiben sollte, würde diese in den ewigen Parias aufscheinen, die lebenden Toten, für die die Apokalypse bei ihrer Geburt beginnt und nie endet. Wie das in diesem Moment in allen Ecken aller existierenden Welten der Fall ist. Und es gibt weder einen Film, noch ein Comic, noch eine TV-Serie, die darüber berichten würde.

Ihr Blick ist voller Geringschätzung, wenn er nach unten gerichtet ist (selbst wenn es im Spiegel ist) und voller Seufzer des Neides, wenn er nach oben gerichtet ist.

Sie können sich nicht einmal vorstellen, dass jemand kein anderes Interesse hat, dieses "Oben" zu beobachten, als zwecks der Erforschung einer Möglichkeit, wie man sich dieses "Oben"entledigen kann.

***

Schauen. Wohin und von woher. Das ist das, was uns erwartet.

Sie glauben, dass Sie die einzigen sind, wir wissen, dass wir einer/eine mehr sind.

Sie schauen nach oben, wir nach unten.

Sie schauen, wie Sie sich anpassen, wir, wie wir nützlich sein können.

Sie schauen, wie Sie befehlen können, wir, wie wir begleiten können.

Sie schauen, wie viel man verdient, wir, wie viel man verliert.

Sie schauen das an, was ist, wir, was sein könnte.

Sie sehen Ziffern, wir sehen Menschen.

Sie rechnen Statistiken, wir Geschichten.

Sie sprechen, wir hören zu.

Sie schauen sich an, wie Sie auf andere wirken, wir schauen den Blick an.

Sie schauen uns an und fragen uns, wo wir waren, wenn Ihr Kalender Ihre "historischen" Dringlichkeiten aufwies. Wir schauen Sie an und wir fragen nicht, wo Sie in diesen mehr als 500 Jahren der Geschichte gewesen seid.

Sie schauen, wie Sie die Konjunktur ausnützen können, wir, wie wir sie schaffen können.

Sie sorgt sich um die zerbrochenen Glasscheiben, wir um die Wut, die sie zerschlägt.

Sie sehen die Vielen, wir die wenigen.

Sie sehen unüberwindliche Mauern, wir sehen Sprünge.

Sie sehen das Mögliche, wir das Unmögliche, nur bis zum Vorabend.

Sie suchen Spiegel, wir suchen Kristalle.

Sie und wir, wir sind nicht gleich.

***

Sie sehen den Kalender von oben und danach richten Sie den Frühling der Bewegungen, die Massen, die Feste, die Massen-Rebellionen, die Straßen, die von Gesängen, Farben, Leitsprüchen und Forderungen überborden, die, die schon viel mehr als 132 [1] sind, die vollen Plätze, die sehnsüchtigen Urnen, die darauf warten, von Stimmzetteln gefüllt zu werden, und Sie laufen aufgeregt herum, denn-natürlich-fehlt-Ihnen-eine-revolutionäre-parteiliche-Führung-eine Politik-der–großen-flexiblen-Allianzen-,denn-die Wahlen-das-ist-Ihr-natürliches-Schicksal-aber-sie sind-sehr jung-sehr Schicki-Mickis-Kleinbürgerliche-"Kinder-aus-gutem-Haus"-/dann-Lumpen-Vorstadtviertel-Bande-Proleten-Anzahl-der-potentiellen-Wähler-Dummköpfe-Unerfahrene-Einfaltspinsel-ungeschickte-Narren,-vor-allem-Narren. Und Sie sehen in jeder grossen Manifestation die Vollendung der Zeiten. Und nachher, wenn es keine Massen mehr gibt, die weder sehnsüchtig einen Führer suchen, noch Urnen, noch Feste, dann entscheiden Sie, dass es aus ist, dass nichts mehr geht und mal sehen, ob es beim nächsten Mal klappt. Das heißt 6 Jahre warten, sechs Jahrhunderte, das heißt wegschauen, aber immer auf den Kalender der von Oben blicken: das Verzeichnis, die Allianzen, die Posten.

Und wir, immer mit schielendem Blick, wir gehen im Kalender zurück, wir suchen den Winter, wir schwimmen gegen den Strom, wir überqueren den Bach und kommen zur Quelle. Dort sehen wir die, die anfangen, die, die wenige sind, die unwichtigsten. Wir sprechen sie nicht an, wir grüßen sie nicht, wir sagen ihnen nicht, was zu tun ist, wir sagen ihnen nicht, was nicht zu tun ist. Aber wir hören ihnen zu, wir sehen sie respektvoll und bewundernd an. Und sie bemerken vielleicht nicht einmal die kleine rote Blume, die einem Stern gleicht, so klein, dass sie nur ein Steinchen ist und unsere Hand lässt sie unten, in der Nähe ihres linken Fußes. Nicht, weil wir ihnen so sagen wollen, dass die Felsenblume unsere war, der Zapatistinnen und Zapatisten. Nicht, damit, sie dieses Steinchen nehmen und auf etwas werfen, oder auf jemanden - obwohl dazu genügend Motive vorhanden wären. Sondern, weil es vielleicht unsere Art ist, unseren Compañeras und Compañeros der Sechsten zu sagen, dass der Bau der Häuser und der Welten immer mit kleinen Geröllsteinchen beginnt und dann wachsen sie, und dann erinnert sich kaum jemand dieser Felsbrocken, die anfangen, so klein, so unwichtig, so unnütz, so allein, und dann kommt eine Zapatistin, ein Zapatist und der sieht das Steinchen, er grüßt es und er setzt sich an seiner Seite nieder. Sie sprechen nicht, denn die kleinen Felsen, ebenso wie die Zapatisten, sprechen nicht ... bis sie dann sprechen, und dann, je nachdem, schweigen sie. Aber nein, nein, sie schweigen nie, es ist nur so, dass niemand zuhört. Oder weil wir vielleicht weiter weg im Kalender gesehen haben, und weil wir schon früher wussten, dass diese Nacht kommen wird. Oder vielleicht, weil wir ihnen sagen – obwohl sie das nicht wissen, aber wir wissen es - dass sie nicht alleine sind. Denn mit den Wenigen beginnen die Dinge, und sie beginnen immer wieder von Neuem.

***

Sie haben uns früher nicht gesehen ... und Sie schauen uns weiterhin nicht an.

Und vor allem, Sie haben nicht gesehen, wie wir Sie angeschaut haben.

Sie haben uns nicht angeschaut, als wir Sie in Ihrem Hochmut sahen, als Sie blödsinnigerweise die Brücken zerstörten, die Wege unterhöhlten, sich mit unseren Verfolgern vereinten, uns verachteten. Und Sie überzeugten sich selbst, dass nicht sein kann, was in den Medien nicht existiert.

Sie sahen uns nicht, als wir Sie ansahen und Sie sprachen und sagten sich, dass Sie so auf festem Land bleiben, das Mögliche ist der feste Boden, Sie haben die Verankerung von diesem absurden Boot - absurd und unmöglich - abgeschnitten und es sind diese Verrückten (wir) gewesen, die abgedriftet sind, abgesondert, allein, ohne Ziel, mit unserer Existenz unsere Konsequenz zahlend.

Sie könnten das Wiederaufstehen als Teil Ihrer Siege sehen, und jetzt käuen Sie es wieder, wie eine weitere Ihrer Niederlagen.

Geht nur, folgt Eurem Weg.

Hört uns nicht, seht uns nicht.

Denn mit der Sechsten und mit den ZapatistInnen kann man nicht straflos schauen noch hören.

Und das ist unsere Tugend oder unser Fluch, kommt ganz darauf an, wohin man schaut und vor allem, von woher man seinen Blick aufleuchten lässt.

(Fortsetzung folgt...)

Von irgendeinem Winkel aus irgendeiner Welt,

SupMarcos

 

SIE UND WIR
VI.- Die Blicke

2.- Hinsehen und zuhören von/nach unten

Können wir noch wählen, wo wir hinsehen und von welcher Seite aus wir das machen?

Können wir zum Beispiel wählen, zwischen dem Hinsehen zu denen, die im Supermarkt arbeiten, ihnen vorwerfen, dass sie im Wahlbetrug Komplizen waren, und uns über die orange Uniform, die die Angestellten tragen müssen, lustig machen oder die Angestellte ansehen, die, nachdem sie die Kasse übergeben hat? [2]

Die Kassiererin nimmt sich die orange Schürze ab, und sie knurrt voller Zorn, weil man behauptet, dass sie die Komplizin für den Wahlbetrug war, der Dummheit und Frivolität an die Macht gebracht hat. Sie, Frau, jung oder erwachsen oder Mutter oder ledig oder geschieden oder Witwe oder alleinerziehende Mutter oder in guter Hoffnung oder ohne Kinder oder was immer, sie, die um 7 Uhr früh zu arbeiten beginnt und um 4 Uhr am Nachmittag aufhört, immer vorausgesetzt natürlich, dass es keine Überstunden zu machen gilt, und ohne die Anfahrtszeiten von und nach Hause zu rechnen und danach in die Schule oder nach Hause, um die "Arbeiten, die dem weiblichen Geschlecht eigen sind, auszuführen, die man mit einer gewissen Koketterie erledigen kann", wie sie das in einer Zeitschrift gelesen hat, die an der Kasse aufliegt und die sie durchblättern konnte, als es einmal wenige Kunden gab. Sie, die angeblich gerettet werden soll, es hängt nur von einer Wählerstimme ab und trara, die große Glückseligkeit ist da. "Binden sich etwa die Eigentümer die orange Schürze um?" murmelt sie entrüstet. Sie richtet sich ein wenig her, nachdem sie am Morgen absichtlich schlampig daher kommt, damit sie der Geschäftsführer nicht belästigt. Und dann geht sie hinaus. Draußen wartet ihr Freund auf sie. Sie umarmen sich, sie küssen sich, sie berühren sich mit den Blicken und dann gehen sie los. Sie gehen in ein Internet-Café oder Cyber-Café oder wie das immer heißen mag. 10 Pesos kostet die Stunde, 5 Pesos eine halbe Stunde.....

Sie bestellen eine halbe Stunde und kalkulieren im Kopf die Zeit für die Metro, den Bus, den Fußweg.

"Roco, schreib das bitte an", sagt er.

"Ok, aber wenn Du Deinen Lohn kriegst, dann zahlst Du gefälligst Deine Schulden, denn sonst erwischt mich der Besitzer und dann komme ich zu Dir zum Anschreiben".

"Ok, Alter, aber das wird dauern, denn ich arbeite jetzt als Autowäscher".

"Na, Alter, wasch Dich halt", antwortet Roco.

Die drei lachen über den Witz.

"Die 7", sagt Roco.

"Suchen Sie mal", sagt sie.

Er gibt eine Nummer ein.

"Nein", sagt sie, "suchen Sie, wie alles begann".

Sie navigieren. Sie kommen etwas über 131 und dann geben sie das Video ein.

"Das sind Schicki-Mickis", sagt er.

"Immer ruhig, Vorkämpfer der Revolution. Sie sind nicht richtig bei Kopf, wenn Sie die Menschen nach ihrer äußeren Erscheinung beurteilen. Nur weil ich eine helle Haut habe, nennt man mich Tussi und Schicki-Micki, und man sieht nicht, dass es bei mir nur bis zur Monatsmitte reicht. Man muss jeden einzelnen sehen, seine Geschichte und was er macht, Dummkopf", sagt sie und begleitet ihre Argumente mit einem leichten Schlag auf seinen Hinterkopf.

Sie schauen das Video weiter an.

Sie schauen, schweigen, hören.

"Die haben es dem Peña Nieto aber direkt hineingesagt ... die sind mutig, die haben Eier", sagt er.

"Und Eierstöcke, Dummkopf", sagt sie und er erhält einen weiteren Schlag auf den Hinterkopf.

"Na na meine Prinzessin, ich werde Sie wegen intrafamiliärer Gewaltanwendung anzeigen".

"Dummkopf, Anzeige müsste auf Gewalt gegen Andersgeschlechtliche lauten" und es folgt ein weiterer Schlag.

Das Video ist zu Ende.

Er: "So beginnen die Dinge. Mit einigen wenigen, die keine Angst haben."

Sie: "Oder sie haben Angst, aber sie überwinden diese".

"Halbe Stunde ist vorüber", schreit Roco.

"Ja wir gehen schon".

Sie lächelt beim Hinausgehen.

"Und worüber lächeln Sie jetzt?"

"Nichts. Nur, ich habe mich daran erinnert, dass Sie sagten" – und sie drückt sich näher an ihn heran – "intrafamiliär. Das heißt, Sie möchten, dass wir eine Familie werden?"

Er zögert nicht: "Ok ok, Prinzessin, damit es für uns nicht zu spät wird, aber ohne so viele Schläge auf den Hinterkopf, besser sind Küsschen und weiter unten und links".

"He Alter, keine schmutzigen Witze" - und ein weiterer Schlag. "Und da ist nichts mit Prinzessin, ok? Sind wir nicht gegen die verfluchte Monarchie?"

Er antwortet, bevor noch der obligatorische Schlag kommt: "Ok, meine geliebte Plebejerin".

Sie lacht, er auch. Nach einigen Schritten sagt sie: "Und glauben Sie wirklich, dass die Zapatisten uns einladen werden?"

"Na klar, der Vins ist mein Kollege, und der Vins sagte, dass er mit dem Sockengesicht dick befreundet ist, weil er ihn einmal bei einem "mortal kombat" gewinnen ließ, bei den Glücksspielautomaten, wir brauchen also nur zu sagen, dass wir zum Freundeskreis des Vins gehören und alles klappt", argumentiert er voller Euphorie.

"Und werde ich meine Mutter mitnehmen dürfen? Sie ist schon alt..."

"Natürlich, und wenn wir schon von Hexen sprechen, wenn wir Glück haben, bleibt sie im Schlamm stecken, die zukünftige Schwiegermutter", und er senkt den Kopf und wartet auf den obligatorischen Schlag, den er mit diesem Ausspruch wirklich verdient hat, der kommt aber nicht.

Sie, bereits wütend: "Und was zum Teufel werden uns die Zapatisten geben, sind sie doch so weit weg? Werden sie dafür sorgen, dass ich ein besseres Gehalt bekomme, werden sie dazu beitragen, dass ich respektiert werde, dass die verfluchten Männer auf der Straße nicht mehr auf meinen Hintern starren und dass mein verdammter Chef aufhört, mich bei jeder Gelegenheit anzugrapschen? Werden sie mir helfen, die Miete zu zahlen, Kleider und Schuhe für meine Kinder zu kaufen? Werden sie die Preise von Zucker, Bohnen, Reis und Öl senken? Werden sie mir zu essen geben? Werden sie sich den Polizeistreifen entgegenstellen, die täglich kommen, um die aus den Vorstadtvierteln, die Raub-CDs verkaufen, zu erpressen und ihnen sagen, wenn sie nicht zahlen, werden sie bei Herrn oder Frau Sony angezeigt?"

"Man sagt nicht "Raub-CD", sondern "CD aus alternativer Produktion", meine Prinze... Plebejerin. Und schimpfen Sie nicht mit mir, wir sind ja in der gleichen Situation".

Aber sie hat sich schon in Rage geredet und kann nicht mehr bremsen: "Und Sie? Werden sie Ihnen Ihre Arbeit zurück geben, in der Fabrik, wo Sie schon Facharbeiter waren oder was weiß ich? Werden sie Ihre Ausbildung anerkennen, die Fortbildungskurse, die Sie gemacht haben, und alles nur dazu, dass das Arschloch von Fabrikeigentümer die Fabrik ich weiß nicht wohin verlegt hat, und die Gewerkschaft, und der Streik, und alles was Sie gemacht haben, nur, um dann als Autowäscher zu enden?! Oder wie Ihr Freund, der Chompis, den sie entlassen haben, und der Eigentümer verschwindet, damit er sich nicht verteidigen kann, und die Regierung, wie immer die gleiche Lügengeschichte, das ist dafür da, um das Service zu verbessern, und die Weltklasse und weiß ich was für ein Scheiß noch. Und haben sie die Tarife gesenkt? Nein, wird immer teurer, und die verdammten Stromausfälle gibt es immer öfter, und der verfluchte Calderon, der wird den Gringos Unterricht in Schamlosigkeit erteilen, die ja selbst Meister in diesem Gegenstand sind. Und mein Vater, Gott hab ihn selig, der auf die andere Seite ging, nicht als Tourist, sondern um den Zaster zu verdienen, um uns durchzubringen, als wir klein waren. Und als er über die Grenze ging, hat ihn die Migrationspolizei fertig gemacht, als wäre er ein Terrorist und nicht ein ehrlicher Arbeiter, und bis heute haben wir seinen Leichnam nicht bekommen und der verfluchte Obama, der sieht aus als hätte sein Herz die Farbe der Dollars."

"Na na na, jetzt halten Sie mal an, meine liebe Plebejerin".

"Jedes Mal wenn ich daran denke, werde ich wütend, man arbeitet wie ein Irrer, nur dafür, dass am Ende die von oben alles behalten. Es fehlt nur noch, dass sie das Lachen privatisieren, obwohl, das glaube ich nicht, denn davon gibt es zu wenig, aber die Tränen, die gibt es in Hülle und Fülle und dann werden sie reich..... noch reicher. Und dann kommen Sie daher mit Ihrem die Zapatisten hin und her, und unten und links und die achte...."

"Die Sechste, nicht die achte", unterbricht er sie.

"Ja ja was immer, diese Typen sind so weit weg und dann sprechen die ein spanisch, schlechter als Sie".

"Na na, seien Sie mal nicht so ekelhaft zu mir."

Sie trocknet sich die Tränen und murmelt: "Scheiß Regen, hat mir schon mein Estee Lauder verwischt, dabei habe ich mich schön gemacht, um Ihnen zu gefallen".

"Ui, Sie gefallen mir ja noch besser ohne – Kleider."

Die beiden lachen.

Sie wird wieder ernst und fragt: "Also, sagen Sie mir jetzt ehrlich, werden uns diese Zapatisten retten?"

"Nein, meine geliebte Plebejerin, sie werden uns nicht retten. Das und anderes, das müssen wir selber machen."

"Was heißt das?"

"Sie werden uns lehren".

"Und was werden sie uns lehren?"

"Dass wir nicht allein sind".

Sie schweigt einen Augenblick. Dann sagt sie: "Nicht alleine, Frauen und Männer", und ein weiterer Schlag folgt.

Der Autobus ist zum Bersten voll. Sie warten auf den nächsten.

Es ist kalt und es regnet. Sie umarmen sich fester, nicht, um nicht nass zu werden, sondern um gemeinsam nass zu werden.

Weit weg wartet jemand, es gibt immer jemand, der wartet. Und während er wartet, mit einem alten Bleistift und einem alten Heft mit Eselsohren, zählt er das Schauen von unten zusammen, das er in einem Fenster beobachtet.

(Fortsetzung folgt....)

Von irgendeinem Winkel aus irgendeiner Welt,

SupMarcos

 

Anmerkungen d. Übers.:

[1]: Im mexikanischen Wahlkampf 2012 wurde der Vorwurf laut, die Partei PRI, die anschließend die Wahlen gewann, habe im Bundesstaat Estado de México 1,8 Millionen elektronische Einkaufsgutscheine für die Supermarktkette Soriana (deren Angestellte orangene Uniformen tragen) verteilt, um Wähler_innen-Stimmen zu kaufen.

[2]: Dies spielt auf die Bewegung #yosoy132 ("Ich bin der/die 132igste") an, eine vor allem studentisch geprägte Bewegung, die aus Protest gegen den Wahlbetrug, die Manipulationen der Medien das repressive Klima und die fehlende Demokratie in Mexiko entstanden ist.

 

SIE UND WIR
VI.- Die Blicke

3.- Einige andere Blicke

Einer: ein Traum in diesem Blick

Es ist eine Straße, ein Feld, eine Fabrik, ein Stollen, ein Wald, eine Schule, ein Warenhaus, ein Büro, ein Platz, ein Markt, eine Stadt, ein Feld, ein Land, ein Kontinent, eine Welt.

Der Herrscher ist schwer verletzt, die Maschine ist kaputt, die Bestie ist erschöpft, die Wilde gefangen.

Nutzlos waren die Namensänderungen, die neuen Fahnen, die Schläge, die Gefängnisse, die Friedhöfe, das Geld, welches durch die tausend Arterien der Korruption floss, die "reality shows", die religiösen Veranstaltungen, die bezahlten Anzeigen, die Cyber-Exorzismen.

Der Herrscher ruft seinen letzten Aufseher. Er flüstert ihm etwas ins Ohr. Der Aufseher geht hinaus und steht der Masse gegenüber.

Er sagt, fragt, verlangt, fordert: " Wir möchten zum Gespräch bitten, den......"

Er stockt, denn die meisten, die ihm gegenüberstehen sind Frauen.

Er verbessert sich: " Wir möchten zum Gespräch bitten, die...."

Er stockt wieder, die Anzahl der anderen, die ihm gegenüberstehen ist nicht klein.

Wieder verbessert er sich: " Wir möchten zum Gespräch bitten, und zwar den oder die, der die Führung inne hat".

Aus der schweigenden Masse treten eine alte Frau und ein Kind hervor, sie stellen sich vor dem Aufseher hin und mit unschuldiger und weiser Stimme sagen sie: "Hier haben alle die Führung inne".

Der Aufseher erschaudert, und die Stimme des Herrschers erschaudert bei seinem letzten Aufschrei.

Der Blick wacht auf. "Komischer Traum", sagt man. Und ohne dass Kalender und Geographie wichtig wären, geht das Leben weiter, der Kampf, der Widerstand.

Von diesem seltsamen Traum bleiben nur einige Worte in Erinnerung: "Hier haben alle die Führung inne".

 

Zwei: Ein anderer Blick, von einem anderen Kalender und von einer anderen Geographie

(Fragment eines Briefes, den wir im Hauptquartier des ezetelene erhalten haben, ohne Datum)

"Ich grüße Euch Compas. (...)

Ich glaube, dass alles ein Wahnsinn war. Aber ich verschweige nicht, dass ich meine Betrachtungen im Nachhinein anstelle. Es wäre sehr leicht zu behaupten, dass ich das Schweigen bestens verstanden hätte und dass mich nichts überrascht hätte. Falsch, auch mich hat das Schweigen ungeduldig gemacht (natürlich hat das nichts mit der Behauptung zu tun, dass die Zapatisten in letzter Zeit nichts gesagt hätten, ich habe alle Anzeigen gelesen). Die Frage ist – angesichts der vorteilhaften Tatsache, dass die Vorkommnisse bereits vorüber sind bzw. natürlich noch im Gange sind - also, natürlich, ist die Schlussfolgerung logisch: wir stecken inmitten der verwegensten Initiative, zumindest seit der Erhebung der Zapatisten. Und das hat mit allem zu tun, nicht nur mit der nationalen Lage, sondern auch der internationalen, glaube ich.

Erlauben Sie mir, dass ich schreibe, was ich – laut meiner Meinung – als das Bedeutungsvollste an der Aktion des 21 (Dezember 2012) verstand. Natürlich gibt es viele Dinge, die erwähnenswert sind: die Organisation, die kämpferische Anstrengung, die Vorführung der Stärke, die zahlreiche Präsenz von Jugendlichen und Frauen etc. Aber was mich am stärksten beeindruckt hat, war, dass sie Platten angeschleppt hatten und dass sie mit diesen, nachdem sie auf den Hauptplätzen angekommen waren, Tribünen bauten. Während berichtet wurde, was da vorfällt, spekulierten viele private Medien und einige der freien über die bevorstehende Ankunft der zapatistischen Anführer. Und sie haben nicht bemerkt, dass die zapatistischen Anführer bereits präsent waren. Dass das die Menschen waren, welche auf die Tribüne stiegen und sagten, ohne zu sprechen "hier sind wir, das sind wir und das werden wir sein".

Auf die Tribüne stiegen die, denen das gebührt. Ich glaube, niemandem ist das aufgefallen, und trotzdem, glaube ich, liegt dort der tiefe Sinn für eine andere Art, Politik zu machen. Das, was mit allem Alten bricht, das einzig wirklich Neue, das Einzige, was es wert ist, zu besitzen.

Der plebejische und libertäre Kern von dem, was in der Geschichte in konjunkturellen Momente geschehen ist, wurde hier ohne große theoretische Protzerei errichtet. Besser gesagt mit einer vergrabenen Praxis. Das Ganze dauert schon zu lang um es als Vorkommnis zu bezeichnen. Es handelt sich bereits um einen langen und soliden sozialhistorischen Prozess im Bereich der Selbstorganisation.

Zum Schluss haben sie dann ihre Tribünen wieder abgebaut, wurden wieder zu Platten und wir alle sollten uns ein wenig schämen und bescheidener und einfacher sein und wahrhaben, dass etwas Unerwartetes und Neues vor unseren Augen aufscheint und wir sollen schauen, schweigen, zuhören und lernen.

Mit herzlichen Grüßen. Ich hoffe, dass es Euch so weit wie möglich gut geht.

Der Chueco"


Drei: "Anleitungen, was zu tun ist, wenn ... Sie angeschaut werden"

Wenn Sie jemand ansieht, und Sie merken dass er/sie...

Sie nicht ansieht, als ob Sie durchsichtig wären.

Sie nicht überzeugen will zum Jasagen noch zum Neinsagen

Sie nicht kooptieren will.

Sie nicht anwerben will.

Sie nicht leiten will

Sie nicht richten, bestrafen, freisprechen will.

Sie nicht benutzen will.

Ihnen nicht sagen will, was Sie tun und was Sie lassen sollen.

Ihnen keine Ratschläge, Empfehlungen oder Befehle geben will.

Ihnen keine Vorwürfe machen will, weil er nicht weiß, bzw. weil er was weiß.

Sie nicht verachtet.

Ihnen nicht sagen will, was Sie machen müssen und was Sie nicht tun dürfen.

Weder Ihr altes Auto, Ihr Gesicht, Ihren Körper, Ihre Zukunft, Ihre Würde noch Ihren Willen kaufen möchte.

Ihnen nichts verkaufen will...

(Timesharing, einen Fernseher LCD in 4D, eine super-ultra-hypermoderne Maschine mit dem Instant-Krisenknopf (Vorsicht: nicht mit dem Knopf "eject" verwechseln, denn die Garantie inkludiert keinen Gedächtnisschwund für lächerliche Medien), eine politische Partei, die die Ideologie wechselt wie das Hemd, eine Lebensversicherung, ein Lexikon, eine VIP-Eintrittskarte für einen Event, eine Revolution oder einen Himmel, was immer gerade modern ist, ein Möbelstück auf Raten, ein Handy-Paket, eine Exklusiv-Mitgliedschaft, eine vom großzügigen Führer geschenkte Zukunft, ein Alibi um sich zu ergeben, zu verkaufen, nachzugeben, ein neues ideologisches Muster etc.)

Dann...

Erstens: Vergewissern Sie sich vorab, dass es sich nicht um eineN Perversling handelt. Sie mögen noch so schmutzig, hässlich, schlecht und unhöflich sein, aber, jedem das seine, Sie haben diese geile, sexy Austrahlung, die man bekommt, wenn man wie ein Wahnsinniger arbeiten muss und dieses "gewisse Etwas" kann die niedrigen Passionen in so manchen erwecken. Mmh...gut, ja, sich zu kämmen wäre nicht das Schlechteste. Wenn es sich also um keineN Perversling handelt, werden Sie nicht mutlos, die Welt ist rund und bewegt sich und setzen Sie weiter unten fort (in dieser Liste, selbstverständlich).

Zweitens: Sind Sie sicher, dass Sie es sind, wen er/sie anschaut? Oder ist es die Deodorant-Werbung hinter Ihnen? Oder denkt er/sie (der Sie anschaut halt): "Ich glaube, so sehe ich aus, wenn ich mich kämme? " Wenn Sie all das ausschließen können, setzen Sie bitte fort.

Drittens: Er/sie sieht nicht wie ein Polizist aus der eine Einkommensaufbesserung sucht, die er seinem Vorgesetzten abführen muss? Wenn ja, laufen Sie was Sie können, es ist noch Zeit, damit Sie nicht Ihr Busgeld los werden. Wenn nein, gehen Sie bitte zum nächsten Punkt.

Viertens: Erwidern Sie den Blick mit ernster Miene. Ein Blick, gemischt aus Zorn, Bauweh, Ärger und look eines serial killers würde passen. Nein, so nicht, so sehen Sie wie ein Bär mit Verstopfung aus. Versuchen Sie es nochmals. Ok, schon ganz gut, aber proben Sie weiter. Nun: er/sie flüchtet nicht entsetzt? Er/sie wendet den Blick nicht ab? Er/sie kommt nicht näher und ruft: "Na so was, na so was, ich habe Dich nicht erkannt, aber mit dieser Geste....." Nein? Ok, setzen Sie fort.

Fünftens: Wiederholen Sie die Schritte eins, zwei, drei und vier. Es kann Fehler in unserem System geben (wurde ja – eh klar – in China hergestellt). Wenn Sie wieder an diesem Punkt angelangt sind, gehen Sie zum nächsten weiter.

Sechstens: Es besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass Sie jemand von der Sechsten getroffen haben. Wir wissen nicht, ob wir Ihnen gratulieren oder das Beileid aussprechen sollen. Jedenfalls, es ist Ihre Entscheidung und Ihre Verantwortung, ob Sie diesem Blick folgen.

 

Viertens: Ein Blick auf einen zapatistischen Posten
(Kalender und Geographie ohne Angaben)

SupMarcos: " Beeilt Euch, die Zeit ist zu Ende."

Die Gesundheits-Insurgente: "He Sup, die Zeit geht nicht zu Ende, die Personen gehen zu Ende. Die Zeit kommt von sehr weit her und folgt ihren Weg bis weit weiiiiit doooort, wo wir nicht mehr hinsehen. Und wir sind wie Stückchen der Zeit, das heißt, die Zeit kann nicht gehen, wir aber schon. Was wir machen ist, dass die Zeit geht und wenn wir vergehen, kommt ein anderer und er schiebt die Zeit eine Zeit lang an, bis man dort hin kommt, wo man hinkommen muss. Aber wir werden nicht schauen, wo das ist, wo man hinkommt, denn andere werden das sehen, wenn es richtig ankommt, aber es kann auch sein, dass plötzlich die Kraft nicht ausreicht um anzukommen und dann muss nochmals und nochmals angeschoben werden, bis dass man halt wirklich ankommt."

(...)

Die Infanterie-Kapitänin: "Warum hast Du so lange gebraucht"?

Die Gesundheits-Insurgente: "Ich habe mit dem Sup über Politik gesprochen, das heißt, ich habe ihm geholfen, damit er erklären kann, dass man weit schauen muss, so weit, wo weder Zeit noch Blick uns erreichen".

Die Infanterie-Kapitänin: "Aha, und dann?"

Die Gesundheits-Insurgente: "Er bestrafte mich, weil ich mich bei der Arbeit nicht beeilte und er schickte mich auf den Posten."

(...)

 

Fünftens: Auszug aus "Aufzeichnungen um den Winter zu beobachten"

(...)

Ja, alle bestiegen die Tribüne, mit erhobener Faust. Aber Sie haben nicht gut geschaut. Sie haben nicht auf den Blick dieser Männer und Frauen geschaut. Sie haben nicht gesehen, dass sie bei der Überquerung oben den Blick nach unten wendeten und Tausende von Compañeros sahen. Das heißt, sie haben sich selbst angeschaut. Dort oben haben sie nicht gesehen, wie wir uns angeschaut haben. Dort oben haben sie nichts verstanden, und sie werden auch nie etwas verstehen.

 

Sechstens: Geben Sie hier Ihren Blick [span: mirada] (oder Ihre Verfluchung [span: mentada], auch wenn sie nicht aus Minze [span. menta] ist) ein:

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(Fortsetzung folgt....)

 

Von irgendeinem Winkel aus irgendeiner Welt,

SupMarcos

 

SIE UND WIR
VI.- Die Blicke

4.- Schauen und sich mitteilen

Ich werde Euch etwas sehr Geheimes erzählen, aber dass Euch nur nicht einfällt, das weiterzuerzählen....oder doch, Ihr werdet ja sehen.

Kurz nach unserer Erhebung, gleich nach dem Waffenstillstand, gab es viel Lärm über die ezetaelene. Da war natürlich der ganze Medienzirkus, den die Rechte üblicherweise aufzieht, um Schweigen und Blut aufzuzwingen. Einige Argumente, die damals verwendet wurden, sind dieselben wie heute, was zeigt, wie wenig modern die Rechte ist und wie verknöchert ihr Denken. Aber das ist nicht das Thema, worüber wir heute sprechen wollen, auch die Medien sind nicht das Thema.

Also gut, jetzt erzähle ich Euch davon, dass man damals zu behaupten begann, dass die EZLN die erste Guerrilla des 21. Jahrhunderts sei (ja, wir, die wir noch den Spaten benutzten, um unsere Felder zu bebauen, das Ochsengespann - ohne jemand beleidigen zu wollen – nur vom Hörensagen kannten und Traktore nur auf Fotos); dass der Supmarcos ein Cyber-Guerrillero sei, der vom lakandonischen Urwald aus die zapatistischen Manifeste in den Cyberspace schickte, die dann auf der ganzen Welt bekannt wurden; und außerdem verfügten sie über einen Satellitensender, um die subversiven Aktionen auf der ganzen Welt zu koordinieren.

Ja, das hat man behauptet, aber ... Compas, noch am Vorabend unserer Erhebung bestand die "zapatistische Cyber-Macht" aus einem Computer, einer von denen, die noch die großen Floppy-Disks verwendeten, er hatte ein Betriebssystem DOS, Version Minus eins, Punkt eins. Den Umgang mit dem Computer lernten wir mit einem jener alten Lernporgramme – ich weiß nicht, ob es die noch gibt – die Dir sagten, welche Taste Du drücken sollst und man hörte eine Stimme mit Madrider Akzent die sagte: "sehr gut!", aber wenn Du dich irrtest, dann sagte diese Stimme: "sehr schlecht, Dummkopf, versuche es nochmals!" Außer um damit Pacman zu spielen, haben wir ihn für "Die Erste Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald" verwendet, die wir mit einem alten Nadeldrucker vervielfältigt haben, der Drucker hat mehr Lärm gemacht als ein Maschinengewehr. Das Papier bestand aus einer Rolle und blieb alle Augenblicke hängen, aber es hatte Kohlepapier dazwischen und so konnten wir immer 2 Sätze drucken, was immer einige Stunden dauerte. Wir druckten unheimlich viel, ich glaube es waren 100. Wir verteilten sie an die 5 Kontrollgruppen, die dann einige Stunden später sieben Bezirkshauptstädte des südöstlichen mexikanischen Bundesstaates Chiapas besetzten. In San Cristobal de las Casas – ich war eingeteilt, diese Stadt zu besetzen und nachdem sie vor unserer Übermacht kapitulierte - klebten wir die 15, die uns zustanden, mit Tixoband (oder Tesafilm oder wie das Zeug heißt) an die Mauern. Ja, ich weiß schon, die Rechnung geht nicht auf, es hätten 20 sein müssen, keine Ahnung, wo die fehlenden 5 verblieben sind.

Nun, als wir den Rückzug aus San Cristobal antraten, im Morgengrauen des 2. Januar 1994, löste der feuchte Nebel, der unseren Rückzug deckte, die Proklamationen von den kalten Mauern dieser hochmütigen Kolonialstadt und einige blieben auf der Straße liegen.

Jahre später erzählte mir jemand, dass anonyme Hände einige der Proklamationen losgelöst und sie sorgfältig verwahrt hätten.

Anschließend kam es zum Dialog in der Kathedrale. Damals hatte ich einen dieser leichten, tragbaren Computer (er wog ohne Batterie 6 kg), Marke "Der Brotkrümel", mit 128 RAM, das heißt 128 KB RAM, Harddisc 10 mega, das heißt, ich konnte a l l e s speichern, außerdem ein superschneller Prozessor, der, nachdem Du ihn eingeschaltet hattest, erlaubte, dass Du Dir einen Kaffee zubereiten gingst, wenn Du zurück kamst, konntest Du diesen Kaffee noch 7 Mal 7 Mal erhitzen, bevor Du zu schreiben beginnen konntest. Wirklich ein Super-Computer. Damit er in den Bergen funktionierte, haben wir einen Transformator verwendet, den wir an eine Autobatterie angeschlossen haben. Später entwarf die zapatistische Hightech-Abteilung einen Apparat, der es ermöglichte, dass der Computer mit Batterien "D" funktionierte, aber die waren schwerer als der Computer selbst und ich fürchte, dass das auch mit ein Grund war, dass der PC in einer sehr aufsehen erregenden Lohe, begleitet von Rauchschwaden, welche die Moskitos 3 Tage lang vertrieben, verschied. Das Satellitentelefon, mit dem der Sup mit dem "internationalen Terrorismus" kommunizierte? Ein Walkie-Talkie mit einer Maximal-Reichweite von 400 Metern in der Ebene (irgendwo muss es noch Fotos vom "Cyber-Guerrillero", ja! geben). Ach so, Internet? Im Februar 1995, als uns das Heer verfolgte (und nicht gerade, um uns zu interviewen), fiel der tragbare PC in das erste Rinnsal, das wir durchwaten mussten und die Kommuniques, die wir in jener Zeit verfassten, schrieben wir auf einer mechanischen Schreibmaschine, die uns der Gemeindevorstand aus einem der Dörfer, die uns beschützten, borgte.

Das war die mächtige Hightech-Ausrüstung, die wir damals besaßen, die "Cyber-Guerrilleros des 21. Jahrunderts".

Es tut mir von Herzen leid, wenn ich außer mein bereits beschädigtes Ego auch einige Illusionen, die im Lauf der Zeit gewachsen sind, zerstöre, aber was soll ich machen, so war es, so wie ich es Euch jetzt erzähle.

Naja, einige Zeit später erfuhren wir dass....

ein junger Student aus Texas, USA, vielleicht ein "nerd" (so würdet Ihr ihn nennen, nicht wahr?) eine Webseite einrichtete, die er "EZLN" nannte. Das war die erste Webseite des ezln. Und dieser Compa begann, dort alle Kommuniques und Briefe, die in der gedruckten Presse erschienen, "hochzuladen". Menschen aus anderen Erdteilen, die von der Erhebung durch Fotos, Bilder, Video-Aufzeichnungen oder Zeitungsberichten wussten, suchten dort unser Wort.

Diesen Compa haben wir nie kennengelernt. Oder vielleicht doch.

Vielleicht kam er irgendwann einmal in zapatistisches Land, wie einer von vielen. Falls er kam, hat er jedenfalls nicht gesagt: "Ich bin der, der die EZLN-Seite gemacht hat". Auch nicht: "Durch mich hat man Euch auf der ganzen Welt kennen gelernt". Und noch viel weniger sagte er: "Ich komme, damit Ihr Euch bei mir bedankt und mich ehrt".

Er hätte das machen können, und der Dank wäre immer zu wenig gewesen, aber er hat's nicht gemacht.

Es ist so, vielleicht wisst Ihr das nicht, aber dann gibt es solche Menschen. Gute Menschen, die etwas machen ohne etwas dafür zu verlangen, ohne eine Rechnung zu legen, "ohne Lärm zu schlagen", wie wir Zapatistinnen und Zapatisten sagen.

Und die Welt drehte sich weiter. Es kamen Compas, die wirklich was von Informatik verstanden und dann wurden weitere Seiten eingerichtet und jetzt sind wir dort, wo wir eben sind. Das heißt, mit dem verfluchten Server, der nicht so will wie er sollte, obwohl wir vor ihm singen und tanzen, wir singen sogar "La del Moño Colorado" im Cumbia-Corrido-Ranchera-Norteña-Tropical-Ska-Rap-Punk-Rock-Ballade-Pop-Rhythmus.

Auch ohne Lärm zu schlagen bedanken wir uns bei diesem Compa: mögen die Götter, die allerersten und/oder der Allmächtige, halt die oder der, an die/den er glaubt, oder zweifelt oder nicht glaubt, segnen.

Wir wissen nicht, was aus diesem Compa geworden ist. Vielleicht ist er ein Anonymous. Vielleicht surft er weiterhin im Netz auf der Suche nach einer edlen Sache, die es zu unterstützen gilt. Vielleicht wird er wegen seiner äußeren Erscheinung verachtet, vielleicht ist er anders, vielleicht sehen ihn seine Nachbarn schief an, seine Arbeits- oder Schulkollegen.

Oder ist er vielleicht eine normale Person, eine unter Millionen, die auf der Welt wandeln ohne beachtet zu werden, ohne dass jemand sie anschaut.

Und vielleicht liest er das, was ich Euch erzähle und das, was jetzt folgt:

"Compa, hier gibt es jetzt Schulen, wo früher nur Unwissenheit wuchs; es gibt Nahrung, wenig aber würdig, wo an den Tischen nur der Hunger der tägliche Gast war; und es gibt Linderung, wo die einzige Medizin gegen den Schmerz der Tod war. Ich weiß nicht, ob Du das erhofft hast. Vielleicht hast Du es gewusst. Vielleicht hast Du Zukunft in diesen Worten gesehen, die Du in den Cyber-Space hinausgeworfen hast. Oder vielleicht auch nicht, vielleicht hast Du es nur gemacht, weil Du fühltest, dass es Deine Pflicht war. Und die Pflicht, wir Zapatistinnen und Zapatisten wissen das sehr gut, ist die einzige Sklaverei, die man freien Willens umarmt.

Aber wir haben gelernt. Und ich meine nicht die Wichtigkeit der Kommunikation oder die Nutzung der Informatik. Zum Beispiel war mit Ausnahme von Durito keiner von uns in der Lage, ein twit zu schreiben. Angesichts der 140 Zeichen bin ich nicht nur unnütz – verfalle immer wieder ins Schreiben von Beistrichen, (Klammern), usw. , und mein Leben geht vorbei und mir fehlen die Zeichen. Ich glaube, es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich es eines Tages schaffen werde. Durito, hat zum Beispiel ein Kommunique vorgeschlagen, welches sich an das Limit der twit hält und folgendermaßen lautet:

123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 123456789 1234567890

Das Problem liegt aber darin, dass der Code, der benötigt wird, um die Nachricht zu entziffern so viel Platz in Anspruch nimmt wie die 7 Bände der Enzyklopädie "Die Unterschiede", welche die Menschheit schreibt seit sie ihren beschwerlichen Weg auf der Erde angetreten hat und deren Veröffentlichung von den Machthabenden unterbunden wurde.

Nein. Was wir gelernt haben ist, dass es Menschen gibt, draußen, weit weg oder nahe, die wir nicht kennen, die uns vielleicht nicht kennen, die Compas sind. Und sie sind es nicht, weil sie auf einer Unterstützungsdemo teilgenommen haben, weil sie vielleicht eine zapatistische Gemeinde besucht haben, weil sie ein rotes Halstuch tragen oder weil sie eine Bittschrift unterschrieben haben, oder ein Beitrittsschreiben, eine Mitgliedskarte oder wie immer man das nennt.

Sie sind es, weil die Zapatistinnen und Zapatisten wissen, dass es, so wie es viele Welten gibt, die in der Welt Platz haben, es auch viele Formen, Arten, Zeiten und Orte gibt, um gegen die Bestie zu kämpfen, ohne zu bitten noch etwas im Gegenzug zu erwarten.

Wir schicken Dir eine Umarmung, compa, wo immer Du bist. Ich bin sicher, dass Du schon die Antwort gefunden hast auf die Frage, die man sich stellt, wenn man anfängt zu gehen: "Wird es sich lohnen?"

Vielleicht findest Du dann heraus, dass in einer Gemeinde oder in einer Kaserne ein zapatistisches Computer-Zimmer "er" heißt, einfach so, mit kleinem Anfangsbuchstaben.

Und vielleicht findest Du danach heraus, wenn eine der eingeladenen Personen auf das Zimmer gestoßen ist, die Aufschrift bemerkt hat und gefragt hat, wer dieser "er" ist, dann werden wir antworten: "Wir wissen es nicht, aber er weiß es".

Vale. Salud. Und, ja, es hat sich gelohnt, glaube ich.

Bis etc. etc.

Wir die Zapatistinnen und Zapatisten des ezetaelene Punkt com, Punkt org. Punkt net oder Punkt oder wie man so sagt."

***

Und über all das sprechen wir, weil Ihr vielleicht bemerkt habt, dass wir großes Vertrauen in die freien und/oder libertären Medien haben, oder wie die immer heißen mögen, und in die Personen, Gruppen, Kollektive, Organisationen, die ihre eigene Methode haben, zu kommunizieren. Personen, Gruppen, Kollektive, Organisationen, die ihre eigenen Webseiten haben, ihre blogs, oder wie das immer heißen mag, die unserem Wort einen Platz einräumen und jetzt auch der Musik und den Bildern, die dieses Wort begleiten. Und in Personen oder Gruppen, die vielleicht nicht mal einen Computer haben, aber auch wenn es nur durch mündliche Übertragung, oder durch einen Flugzettel oder eine Wandzeitung, oder mittels eines Graffitis oder eines Heftes oder in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder in einem Theaterstück, einem Video, einer Schularbeit, einem Musikstück, einem Tanz, einem Gedicht, einer Malerei, einem Buch, einem Brief erfolgt, sehen sie die Worte, welche unser kollektives Herz gezeichnet hat.

Wenn sie uns nicht angehören, keine organischen Mitglieder von uns sind, wir ihnen keine Befehle erteilen, wenn wir sie nicht anführen, wenn sie autonom sind, unabhängig, frei (das heißt, dass sie selbst ihre Regeln aufstellen) oder wie man das immer nennen mag: Warum machen sie es dann?

Vielleicht deshalb, weil sie glauben, dass alle ein Recht auf Information haben und dass jeder verantwortlich ist, was er mit dieser Information macht oder zerstört. Vielleicht deshalb, weil sie solidarisch sind und es sich zur Aufgabe gemacht haben, auf diese Weise jene zu unterstützen, die auch kämpfen, auch wenn es mit anderen Methoden geschieht. Vielleicht deshalb, weil sie es als ihre Pflicht ansehen, es zu tun.

Oder vielleicht wegen all des oben Erwähnten und noch etwas mehr.

Sie, die Männer und Frauen wissen es. Und sicherlich steht es in ihren Webseiten, ihren blogs, in ihren Grundsatzerklärungen, in ihren Flugzetteln, ihren Liedern, auf ihren Wänden, in ihren Heften und in ihren Herzen.

Das heißt, ich spreche von denen, die kommunizieren und mit anderen kommunizieren, was sie in unserem Herz fühlen, das heißt, was sie hören.

Von denen, die uns anschauen, und er/sie sieht sich an und er/sie denkt uns und es entsteht eine Brücke und dann entdeckt er/sie dass diese Worte, die er/sie schreibt, singt, wiederholt, umwandelt, nicht den Zapatistinnen und Zapatisten gehören, ja dass sie ihnen niemals gehört haben, sondern dass sie Euch gehören, und allen und niemand, und dass sie Teil einer Partitur sind, die sich weiß wo befindet, und dann entdeckt Ihr oder werdet in der Überzeugung bestärkt, dass, wenn Ihr uns anschaut und seht, wie wir Euch anschauen, Ihr dabei seid, über etwas Größeres zu sprechen, etwas Größeres anzurühren, etwas, wofür es noch keine Definition im Wörterbuch gibt und das keiner Gruppe, keinem Kollektiv, keiner Organisation, keiner Sekte, keiner Religion oder was auch immer gehört, sondern versteht, dass der Schritt zur Menschlichkeit jetzt "Rebellion" heißt.

Vielleicht fragt Ihr Euch, bevor Ihr Euch entscheidet, unser Wort in Eure Seite aufzunehmen "wird es sich lohnen?" Vielleicht fragt Ihr Euch, ob Ihr nicht dazu beitragt, dass der Marcos sich an einem europäischen Strand herumtummelt und das milde Klima dieser Kalender und dieser Geographien genießt. Vielleicht fragt Ihr Euch, ob Ihr nicht einem Einfall "der Bestie" aufgesessen seid, die täuschen will und Rebellion simulieren möchte. Vielleicht antwortet Ihr Euch selber, dass die Antwort auf die Frage: "wird es sich lohnen" von uns Zapatistinnen und Zapatisten gegeben werden muss und dass Euer "click" am Computer, am Spray, am Bleistift, auf der Gitarre, an der CD, am Fotoapparat uns verpflichtet, dass wir mit "ja" antworten. Und dann gebt Ihr den "click" ein, zum "upload" oder zum "hochladen" oder zum "load" oder für den ersten Ton oder zum ersten Schritt, der ersten Farbe, den ersten Vers oder wie das immer heißen mag.

Und vielleicht wisst Ihr nicht, obwohl das eh klar ist, ihr helft uns damit unheimlich. Und das sage ich nicht, weil unsere Seite hin und wieder abstürzt, wie wenn sie im Slam wäre und wenn sie ins Leere geworfen wird, gäbe es keine kameradschaftliche Hand, die den Fall abschwächt, denn wenn der Fall auf Zement geschieht, würde das sehr weh tun, kommt weder auf Kalender noch auf Geographie an. Ich sage das nur deshalb, weil am anderen Ende unseres Wortes da gibt es viele, die nicht einverstanden sind und das ausdrücken; es gibt andere, mehrere, die nicht einverstanden sind und sich nicht die Zeit nehmen, das zu sagen; dann gibt es einige Wenige, die sind einverstanden und sagen das auch noch; im Gegensatz zu diesen Einigen Wenigen gibt es andere Mehrere, die sind einverstanden, sagen das aber nicht und dann gibt es eine große, sehr große Mehrheit, die das alles gar nicht mitbekommt. Diese letzte Gruppe möchten wir ansprechen, das heißt, ansehen, das heißt, anhören.

***

Compas, danke. Wir wissen es. Aber wir sind sicher, auch wenn wir es nicht wüssten, wisst Ihr es. Und genau darum, glauben wir, die Zapatistinnen und Zapatisten, handelt es sich: Das Verändern der Welt.

(Fortsetzung folgt....)

Von irgendeinem Winkel aus irgendeiner Welt,

SupMarcos

PS: Ja, vielleicht, im Brief an ihn, da gibt es womöglich einen Hinweis auf das nächste Password.

PS: Unnötige Aufklärung: Wir haben weder Twitter oder einen Facebook-Account noch eine E-Mail-Adresse, weder Telefonnummer noch ein Postfach. Die auf der Webseite aufscheinen sind von der Webseite und diese Compas unterstützen uns und schicken uns, was sie bekommen, genau so, wie sie weiterschicken, was wir ihnen senden. Im Übrigen sind wir gegen das Copyright, das heißt jeder kann sein Twitter oder sein Facebook oder wie immer das heißen möge einrichten und unseren Namen verwenden, obwohl, natürlich, das sind wir nicht und das sind auch nicht unsere Vertreter. Aber, wie man mir erzählt hat, weisen die meisten darauf hin, dass sie nicht die sind, für die sie gehalten werden. Und um die Wahrheit zu sagen, wir vergnügen uns bei dem Gedanken, wieviele Beschimpfungen und Verfluchungen sie erhalten haben und noch erhalten werden, die ursprünglich an die ezetaelene und/oder an den Verfasser gerichtet waren.

 

SIE UND WIR
VI.- Die Blicke

5.- Die Nacht sehen, in der wir sind
(Vom Neumond zum zunehmenden Viertel)

Vor vielen Monden: Neumond, kaum gewachsen, als würde er sich hinauslehnen, dass man die Schatten unten kaum sehen konnte und dann ...

Der él-somos [er sind wir] kommt an. Er braucht keinen Zettel zum Nachschauen, oder als Gedächtnishilfe, seine Worte zeichnen die Blicke jener, die hier befehlen und denen wir gehorchen. Als er endet, sehen wir uns an.

Die Botschaft der Basisgemeinden ist klar, kurz, einfach, überzeugend. So wie Befehle sein müssen.

Wir, die Soldatinnen und Soldaten sagen nichts, wir schauen nur und denken: "Es ist sehr groß. Das gehört nicht nur uns oder den zapatistischen Gemeinden. Nicht einmal nur diesem Winkel der Erde. Es gehört vielen Winkeln in allen Welten."

- Wir müssen es hüten - sagen wir todas-somos [alle Frauen sind wir] und wir wissen, dass wir darüber sprechen, aber auch vom él somos.

- Alles wird gut gehen ... aber man muss sich vorbereiten, damit es schlecht ausgeht, wie das so unsere Art ist - sagen wir todos-somos [alle Männer sind wir].

- Dann müssen wir sie vorbereiten, - sagen wir uns todas-somos - hüten und zum Wachsen bringen.

- Ja - antworten wir uns todos-somos.

- Wir müssen mit unseren Toten sprechen. Sie werden uns Zeit und Ort angeben - sagen wir, sagen wir uns todas-somos.

Wir sehen unsere Toten an, unten, und wir hören sie. Wir bringen ihnen den kleinen Stein. Wir bringen ihn zum Fuß ihres Hauses. Sie sehen ihn an. Wir sehen ihnen zu, wie sie ihn anschauen. Sie sehen uns an und bringen unseren Blick sehr weit fort, dorthin, wo weder Kalender noch Geographie hinkommen. Wir sehen, was ihr Blick uns zeigt. Wir schweigen.

Wir kehren zurück, wir sehen uns an, wir sprechen miteinander.

- Wir müssen lange aufpassen, jeden Schritt vorbereiten, jedes Auge, jedes Ohr ... das wird dauern.

- Wir werden etwas tun müssen, dass sie uns nicht sehen und dass sie uns später dann doch sehen.

- Sie sehen uns sowieso nicht mehr an, oder sie sehen, was sie glauben, dass sie sehen.

- Aber wir müssen was tun ... Ich bin an der Reihe.

- Der él-somos soll sich um die Menschen kümmern. Wir todos-somos kümmern uns ums Aufpassen, gut, ruhig, still, so wie wir das immer tun.

***

Vor wenigen Monden regnete es....

- Schon? Wir dachten, dass ihr länger bräuchtet.

- Nun ja, aber so ist es.

- Gut, jetzt pass' gut auf, was wir dich fragen: Wollt ihr, dass sie euch wieder ansehen?

- Sie wollen, sie fühlen sich stark, sie sind stark. Sie sagen, das gehört allen Männern und Frauen und niemandem. Sie, die Männer und Frauen, sagen, dass sie bereit sind.

- Aber weißt du auch, dass nicht nur die uns anschauen werden, die wie wir sind, sondern auch die Herrscher verschiedener Seiten, die hassen und verfolgen, was wir sind, werden uns sehen?

- Ja, das wissen wir. Wir sind an der Reihe, du bist an der Reihe.

- Gut, dann fehlen nur noch Ort und Datum.

- Hier - und die Hand zeigt den Kalender und die Geographie.

- Die Blicke, die wir damit auf uns ziehen, werden keine mitleidigen Blicke mehr sein, des Mitgefühls, der Barmherzigkeit, der Almosen. Die so sind wie wir, werden sich freuen, aber die Herrscher werden voller Wut und Hass sein. Sie werden uns mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln angreifen.

- Ja, sagte ich. Sie sahen sich an, aber sie sagten folgendes: "Wir wollen sehen und uns ansehen mit jenen, die wir sind, obwohl weder wir noch sie wissen, dass sie sind, was wir sind. Dass sie uns sehen, das wollen wir. Bezüglich der Herrscher sind wir bereit, wir Männer und Frauen sind bereit und entschlossen."

- Wann und wo also? - Kalender und Karten werden auf den Tisch gelegt.

- In der Nacht, wenn der Winter aufwacht.

- Wo?

- In ihrem Herzen.

- Alles bereit?

- Alles bereit, wie immer.

- Na dann.

Jeder macht sich an das, was ihm aufgetragen wurde. Wir gaben uns nur einen Händedruck. Mehr war nicht nötig.

***

Vor einigen Nächten, der Mond unverhüllt und farblos.....

- Es ist so weit. Sie sind, was wir anschauen. Der Teil, der folgt, wird andere Blicke betreffen. Du bist dran - sagen wir dem él-somos.

- Ich bin bereit und entschlossen - sagt der él-somos.

Todos-somos nicken schweigend, wie das so unsere Art ist.

- Wann?

- Wenn unsere Toten sprechen.

- Wo?

- In ihrem Herzen.

***

Februar 2013. Nacht. Mond im zunehmenden Viertel. Die Hand, die wir sind, schreibt.

"Compañeroas, Compañeras und Compañeros der Sechsten:

Wir möchten Euch einen der vielen él [er], die wir sind, vorstellen, unseren Compañero Subcomandante Insurgente Moises. Er passt auf unsere Tür auf und aus seinem Wort spricht auch das Wort von uns allen, Männer und Frauen, die wir sind. Wir bitten, dass ihr ihn anhört, das heißt, dass ihr ihn anschaut und so schaut ihr uns an. (...)"

(Fortsetzung folgt ...)

Aus irgendeinem Winkel irgendeiner Welt

Sup Marcos
Planet Erde

PS, das warnt und Hinweise gibt: Der Text, der folgt und der auf der Seite von Enlace Zapatista am 14. 2. erscheinen wird, jenem Tag, an dem die Zapatistinnen und Zapatisten unsere Toten ehren und grüßen, ist vor allem für unsere Compañeros, Compañeras und Compañeroas der Sechsten bestimmt. Den kompletten Text kann man nur mit einem Password lesen (wir haben mehrere Hinweise darauf gegeben und man kann es entnehmen) und wir haben es bereits per E-Mail an jene verschickt, an die wir konnten. Wenn ihr es nicht erhalten habt und die Lösung nicht erratet (ihr könnt sie finden, indem ihr diesen und den vorherigen Text "Schauen und sich mitteilen" aufmerksam lest), müsst ihr nur ein Mail an die Seite schicken, und der Absender schickt euch das Password. Wie wir bereits bei früheren Gelegenheiten mitgeteilt haben, steht es den freien Medien frei, den kompletten Text zu publizieren oder auch nicht, ganz nach ihren eigenen autonomen und libertären Kriterien. Das gleiche gilt für jede Compañera, jeden Compañero und Compañeroa der Sechsten in jedweder Geographie. Unser Bestreben besteht nur darin, euch wissen zu lassen, dass ihr es seid, an die wir uns wenden und ganz speziell an jene unter euch, die sich dazu entscheidet, sich auf die andere Seite der Brücke unseres Blickes zu stellen.

 

SIE UND WIR
VI.- Die Blicke

6.- Él-somos

Zapatistische Armee der nationalen Befreiung
Mexiko

14. Februar 2013

Für: die Anhängerinnen und Anhänger der Sexta auf der ganzen Welt
Von: Subcomandante Insurgente Moises

Die Zeit ist gekommen, und auch der Moment. Wie diese Zeiten, die alle Menschen in sich tragen, ob sie gute oder schlechte Personen sind, eine/einer wird geboren, kommt, stirbt und geht. Das sind Abschnitte. Aber es gibt eine andere Zeit, in der eine/einer entscheiden kann, wohin er gehen wird, wenn es bereits an der Zeit ist, die Zeit zu sehen, das heißt, wenn du das Leben bereits verstehst, wie das Leben sein soll, hier auf dieser Erde, dass niemand Eigentümer dessen sein kann, was der Welt gehört.

Wir wurden als Indigene geboren und wir sind Indigene, wir sind gekommen, und wir wissen, dass wir wieder gehen müssen, das ist ein Naturgesetz. Wir haben begonnen, das Leben zu beschreiten, und sie haben uns zu verstehen gegeben, dass wir Indigene nicht gut vorankommen, wir haben gesehen, was mit unseren Ur-Ur-Urgroßeltern geschehen ist, nämlich die Jahre 1521, 1810 und 1910, wir waren immer die, die sie benützt haben, die ihr Leben hingegeben haben, damit andere die Machtleiter hinaufsteigen konnten, damit sie uns dann neuerlich geringschätzigen, berauben, unterdrücken und ausbeuten.

Und wir haben eine dritte Zeit gefunden. Das ist der Ort, wo wir sind, wir gehen schon eine ganze Weile diesen Weg, wir laufen und wir lernen, wir arbeiten, wir fallen und wir richten uns wieder auf. Das ist deshalb so groß, weil man sein Band füllen muss, um aufzunehmen, um dann wiederzugeben mit weiteren Leben aus anderen Zeiten. Ja, sie haben unsere Umhängetasche mit Bändern gefüllt, obwohl einige nicht mehr dabei sind. Aber es bleiben die, die weitergehen, und so folgt, was folgt, und es fehlt, was fehlt, bis wir ans Ende kommen, und die andere Arbeit, die der Konstruktion beginnen werden, wo eine andere Geburt einer anderen Welt beginnt, wo es nicht mehr erlaubt sein wird, dass sie uns wieder kaputt machen, dort wird es nicht mehr möglich sein, dass wir, die Ureinwohner, vergessen werden, wir werden das nicht mehr erlauben, wir haben bereits gelernt. Wir wollen ein gutes Leben in Gleichheit, sowohl auf dem Land wie auch in der Stadt, wo die Bevölkerung befiehlt und der, der an der Regierung sitzt, gehorcht, und wenn er/sie das nicht tut, wird er rausgeworfen und es kommt eine andere Regierung.

Ja, wir sind Indigene, wir bearbeiten die Mutter Erde, wir können mit dem Werkzeug umgehen, um die Nahrung, die uns Mutter Erde gibt, hervorzuholen. Wir gehören verschiedenen Bevölkerungsgruppen an, wir haben verschiedene Sprachen. Meine Muttersprache ist Tzeltal, aber ich verstehe auch Tzotzil und Chol, und das Spanisch habe ich in der Organisation gelernt, von meinen Compañeras und Compañeros. Und jetzt bin ich das, was wir sind, und zusammen mit meinen Compañeros habe ich gelernt, was wir wollen, um in einer neuen Welt zu leben.

***

Ich schreibe das im Namen aller Zapatistinnen und Zapatisten, während der Sup seinen Computer kaputt gemacht hat, und ich habe gesehen, wie er ging, um ihn zu reparieren, und ich fragte ihn, was denn mit seinem Computer passiert sei und er sagte, dass der Switch eingegangen sei, er sagte ach, nichts weiter, und er trug einen Meißel und ein 5 kg-schweres Stemmeisen mit sich. Ich meinte, dass er nicht mehr reparabel ist. Er sagte zu mir, dass ich mit euch sprechen soll damit ihr den kennenlernt, der für das Aufpassen an der Tür zuständig ist, so wie auch wir euch kennenlernen, durch das, was ihr schreibt und überall sagt und was man uns erzählt und erzählt hat als Compañeras und Compañeros der Sexta, die wir sind.

Ein wenig verstehe ich auch, auf dem Computer herumzuhacken und vor langer Zeit haben sie mir einen gegeben um zu lernen. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass ich auch schreibe, aber es ist mir peinlich, hoffentlich geht es mir nicht wie dem Sup, dass ich den Computer kaputt mache, aber ich habe eine schnelle Lösung, ein Axthieb und Schluss damit, und her mit Bleistift und Heft. Und die Angelegenheit ist aus der Welt geschafft.

Und wie auch immer, ich muss euch sagen, dass das Sich-aus-dem-Fenster-Hinauslehnen, das die Aufgabe vom Sup sein wird, noch nicht ganz beschlossen ist. Das heißt, es fehlt, was fehlt, aber vorerst muss der Sup das Problem mit seinem Computer lösen.

Ja, der Sup hat die Aufgabe, aus dem Fenster zu schauen um die zu sehen, die sagen, dass sie "gut" sind, die für die einfachen Leute kämpfen und diese angeführt haben, aber es hat nichts geholfen und es gelingt ihnen nicht, sie sagen, weil die einfachen Leute nicht verstehen, sie dagegen verstehen alles, wie was zu machen ist, aber keiner folgt ihnen. Warum? Das verstehen sie nicht, und sie werden es nie verstehen, denn sie denken nur an oben, schauen nach oben, und sie wollen hinauf, weiter hinauf.

Gut, das und vieles mehr ist die Aufgabe des Sup, denn er muss auf das Fenster aufpassen, wie ein Rahmen auf das Fenster.

Er muss auch schauen und wissen, was mit denen los ist, die denen nicht folgen, die nur nach oben schauen. Warum sind sie so, was denken sie, wie denken sie, wir glauben, dass sie vielleicht so denken wie wir, die Zapatistinnen und Zpatisten, dass es schon Gesetz sein müsste, dass die Bevölkerung befiehlt und die Regierung gehorcht.

Und es ist auch seine Aufgabe, die Kritiken, Beschimpfungen und Beleidigungen entgegenzunehmen und den Spott derer, die draußen sind. Aber diese Beschimpfungen und Lügen machen ihm nichts aus, er lacht nur darüber, denn wir haben ihn dafür vorbereitet, aus Nieroster-Stahl. Und es tut ihm nicht weh, gut, manchmal tut ihm was weh, der Bauch, vor lauter Lachen über das, was sie ihm sagen.

Und er sagt zu mir, dass sie vielleicht bald auch mich verspotten werden, oder wer gerade immer sichtbar ist. Aber da kann man nichts machen, so ist es, unversehens kann ich es sein, von dem sie Karikaturen zeichnen oder den sie beschimpfen oder verspotten, weil ich Indigener bin, so wie sie ihn verspotten, weil er ist, was er ist. Aber uns interessieren nur die Leute, die kämpfen, damit die Ungerechtigkeit ein Ende nimmt, das heißt, so lange sie uns keine Kugeln und Bomben schicken, macht uns das gar nichts aus. Und wenn sie das tun, naja, da gibt es schon andere Compañeras und Compañeros bereit, für jedwede Aufgabe, und immer heißt es kämpfen. Das heißt, wir sind zu allem bereit, und wir haben keine Angst.

In diesen Jahren, sagt der Sup, verdecken sie vielen Menschen die Sicht durch das Fenster, aber man sieht auch gleich, wer uns ähnlich ist und er wollte zählen, wie viele das sind und er hat sich verzählt und so macht er es auf unsere Art, also wie wir, die Indigenen: Un chingo, ein Riesenhaufen. Wie viele sind es, fragte ich ihn. Viele Männer, viele Frauen, sagte er. Aha, sagte ich. Und das bestätigt uns, dass es viele geben wird, die so sind wie wir, und es wird der Tag kommen, da wir mit ihnen sagen werden: "Das sind wir", ohne dass es wichtig ist, ob wir Indigene oder Nicht-Indigene sind.

Und so sind wir organisiert, also die einen machen eine Sache, die anderen was anderes. Zum Beispiel ist der Supmarcos jetzt für das Fenster zuständig, ich für die Tür und andere müssen andere Aufgaben erledigen.

Und jetzt erinnern wir uns an einen Compañero, der fuer alle Zapatistinnen und Zapatisten unvergesslich ist, der SubPedro, der uns in den letzten Dezembertagen des Jahres 1993 sagte, dass wir lernen müssen, denn eines Tages werden wir an der Reihe sein. Wir werden mit Arbeitern, Landarbeitern, Jungen, Kindern, Frauen, Männern und Alten aus Mexiko und aus der ganzen Welt kämpfen. Das war die Wahrheit, und das ist die Wahrheit, obwohl er jetzt nicht mehr bei uns ist. Die Wahrheit der Wahrheit hat begonnen, wenn man für die einfachen Leute kämpft.

Also Compas, jetzt wisst ihr, dass ich für die Tür zuständig bin, dass ich auf die neue Form des Arbeitens mit den Compañeros und Compañeras achten werde, die kommen werden um zu lernen, was meine zapatistischen Compañeros und Compañeras in vielen Jahren aufgebaut haben und was wir jetzt sind.

***

Denn wir glauben und vertrauen den einfachen Leuten. Es ist an der Zeit, etwas zu unternehmen gegen das, was wir so viele Jahre gesehen und erlebt haben, gegen das Leid, das sie uns zugefügt haben, und es ist Zeit, dass wir unsere Gedanken zusammentun und lernen und arbeiten und uns organisieren. Wie gut, dass wir das bereits können, durch all die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, und das hilft uns, nicht mehr den gleichen Formen zu folgen, die uns bisher aufgezwungen wurden.

So lange wir nicht tun, was die Gemeinden wollen, solange werden uns die Gemeinden nicht folgen. Und um nicht in den gleichen Fehler zu verfallen, müssen wir nur unsere Vergangenheit betrachten. Etwas Neues schaffen, etwas das wirklich Wort und Gedanken, Entscheidung und Analyse, Vorschlag der einfachen Leute ist, das muss dann von den einfachen Leuten durchdacht und zum Schluss von ihnen entschieden werden.

So haben wir ungefähr 10 Jahre im Untergrund gearbeitet und ihr hat uns nicht gekannt. "Eines Tages werden sie uns kennen", haben wir uns gesagt und so haben wir all diese Jahre gearbeitet. Und eines Tages beschlossen wir, dass es Zeit ist, dass ihr uns kennenlernt. Jetzt ist es schon 19 Jahre her, dass ihr uns kennengelernt habt, und ihr entscheidet, ob es gut oder schlecht war, was wir machen. Meine Compañer@s sagen uns, es geht ihnen besser, seit es die autonomen Regierungen gibt. Sie, die Männer und Frauen, merken, was die wirkliche Demokratie ist, die sie mit ihren Gemeinden praktizieren, und dass es keine Demokratie ist, die nur alle 3 oder 6 Jahre praktiziert wird. Demokratie wird in jedem Dorf gelebt, in autonomen Gemeindeversammlungen und in den Versammlungen der Zonen, welche die Räte der Guten Regierungen machen, und in der Versammlung, wo alle Zonen sich treffen, die die Räte der Guten Regierungen kontrollieren, herrscht Demokratie. Das heißt, Demokratie wird täglich gelebt, in allen Instanzen der autonomen Regierung und zusammen mit den Gemeinden, Frauen und Männern. Demokratisch werden alle Fragen des Lebens behandelt, sie fühlen, dass die Demokratie ihnen gehört, denn sie diskutieren, überlegen, schlagen vor, analysieren und entscheiden am Ende über die Themen.

Sie, die Männer und Frauen, sagen und fragen: Wie werden dieses Land und diese Welt sein, wenn wir uns organisieren, zusammen mit den anderen indigenen Brüdern und Schwestern und auch mit den Brüdern und Schwestern, die keine Indigene sind? Die Antwort ist ein großes Lächeln der Freude, denn sie haben die Ergebnisse ihrer Arbeit, das, was sie machen, in ihren Händen.

Es ist nur nötig, dass wir uns organisieren, die Armen vom Land und die Armen aus der Stadt, ohne dass uns jemand befiehlt, nur wir selber, die, die wir wählen, nicht jene, die nur an die Macht kommen möchten, und wenn sie an der Macht sind, dann vergessen sie uns, und dann kommt ein anderer daher, und es sieht aus, dass jetzt wirklich alles anders wird, aber alles geht weiter im gleichen Ton. Sie werden ihre Versprechungen nicht einhalten, wir wissen es, sie wissen es, eigentlich ist es unnütz, darüber zu schreiben, aber so geht es uns in diesem Land. Es ist hoffnungslos und anstrengend und schrecklich.

Wir Armen wissen, welches Leben wir wollen und was das Beste für uns ist, aber sie lassen es nicht zu, denn sie wissen, dass wir der Ausnützung und den Ausbeutern den Garaus machen werden und ein neues Leben ohne Ausbeutung gründen werden. Es wird für uns nicht schwierig sein, denn wir wissen, wie die Änderungen aussehen müssen, denn alles, was wir erlitten haben, bedarf einer Änderung. Die Ungerechtigkeiten, die Schmerzen, die Trauer, der Missbrauch, die Ungleichheit, die miesen Manipulationen, die schlechten Gesetze, die Verfolgungen, die Folterungen, die Gefängnisse und viele andere schlechte Dinge, unter denen wir leiden. Wir wissen sehr wohl, dass wir nicht wiederholen werden, was uns den gleichen Schaden zufügen wird. Daher sagen wir Zapatistinnen und Zapatisten, dass - wenn wir uns irren - wir dann eben den Mut haben müssen, neuerlich zu korrigieren, nicht so, wie das jetzt ist, die einen bauen Scheiße, alle anderen müssen das auslöffeln, das heißt, die jetzt die Scheiße bauen, das sind die Abgeordneten, die Senatoren und die schlechten Regierungen auf der ganzen Welt, und die einfachen Leute müssen das Ganze auslöffeln.

Man muss weder sehr gelehrt sein, noch ist es nötig, ein gutes Spanisch zu sprechen, auch muss man nicht belesen sein. Wir sagen nicht, dass das unnütz ist, sondern nötig um zu arbeiten, ja, es ist nützlich, denn es hilft uns, ordentlich zu arbeiten, das heißt, es ist ein Arbeitswerkzeug, damit wir kommunizieren können. Was wir sagen wollen, ist: Wir können die Veränderung vollziehen! Es ist nicht nötig, dass jemand kommt und seine Kampagne macht, um uns zu sagen, dass er oder sie die Veränderung sein wird, so als ob wir, die Ausgebeuteten, nicht wüssten, wie eine Veränderung aussehen muss, die wir wollen. Versteht ihr mich, indigene Brüder und Schwestern und mexikanische Bevölkerung, indigene Brüder und Schwerstern auf der ganzen Welt, nicht-indigene Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt?

Also, Brüder und Schwestern, Indigene und Nicht-Indigene, Arme, macht mit beim Kampf, organisiert euch, sprecht miteinander, lasst euch nicht befehlen oder schaut sehr genau auf die, die auf Grund eurer Entscheidung befehlen dürfen, dass sie auch das machen, was ihr entscheidet, und ihr werdet sehen, die Dinge gehen ihren Lauf, ähnlich wie bei uns hier, bei den Zapatistinnen und Zapatisten.

Hört nicht auf zu kämpfen, so wie die Ausbeuter nicht aufhören werden, uns auszubeuten! Ihr müsst kämpfen, bis die Ausbeutung ihr Ende findet! Niemand wird das für uns tun, nur wir selber. Wir nehmen die Zügel in die Hand, das Steuer, und wir bringen unser Schicksal dorthin, wo wir wollen, und wir wollen, dass die Bevölkerung befiehlt. Dann ist die Bevölkerung die Demokratie, sie korrigiert sich und folgt. Nicht wie jetzt, wo 500 Abgeordnete und 228 Senatoren Scheiße verursachen und Millionen müssen unter dem todbringenden Gestank und Gift leiden, und das sind die Armen, die einfachen mexikanischen Leute.

Brüder und Schwestern, Arbeiter und Arbeiterinnen, wir wissen um euch, wir riechen nach dem selben Schweiß, weil wir für die AusbeuterInnen arbeiten. Jetzt, wo meine zapatistischen Compañer@s die Tür öffnen, wenn ihr uns verstanden habt, dann kommt herein, nehmt teil an La Sexta und lernt die autonome Regierung unserer Compañer@s des EZLN kennen! Und dasselbe gilt für unsere indigenen und nicht-indigenen Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt, wenn ihr uns verstanden habt.

Wir sind die Haupterzeuger des Reichtums derjenigen, die schon reich sind. Ya Basta! Es reicht! Wir wissen, dass es andere Ausgebeutete gibt, wir wollen uns auch mit ihnen zusammen organisieren. Kämpfen wir für die einfachen Leute Mexikos und der ganzen Welt! Diese Welt ist unsere, sie gehört nicht den Neoliberalen.

Indigene Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt, nicht-indigene Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt, ausgebeutete Gemeinden, Menschen in Amerika, Menschen in Europa, Menschen in Afrika, Menschen in Ozeanien, Menschen in Asien:

Die Neoliberalen wollen die Chefs der Welt sein, so sagen wir, das heißt, sie wollen die Welt in ihr Besitztum verwandeln wie einen Gutshof, alle kapitalistischen Länder wollen das. Ihre Vorarbeiter sind die unterentwickelten kapitalistischen Regierungen. So wird es uns ergehen, wenn wir uns nicht organisieren, wir alle, Arbeiterinnen und Arbeiter.

Wir wissen, dass es auf der Welt Ausbeutung gibt. Die Entfernung, die es zwischen den verschiedenen Ecken dieser Welt gibt, darf uns nicht entfernen, wir müssen uns annähern, unsere Gedanken vereinen, unsere Vorstellungen, und wir müssen für uns selber kämpfen.

Wo ihr seid, da gibt es Ausbeutung, ihr erleidet dasselbe wie wir.

Ihr leidet wie wir unter Unterdrückung.

Ihr werdet bestohlen wie wir, wir, die wir seit mehr als 500 Jahren beraubt werden.

Sie schätzen euch gering, wie sie uns weiterhin geringschätzen.

So geht es uns, so weit haben sie uns gebracht, und so wird es weiter gehen, wenn wir uns nicht gegenseitig an der Hand nehmen.

Es gibt genug Gründe für unsere Vereinigung und dass unsere Rebellion erwacht und dass wir uns gegen diese Bestie verteidigen, die nicht von unseren Schultern weichen will, und sie wird nie weichen, wenn wir nicht selbst dafür sorgen. Hier in unseren zapatistischen Gemeinden mit ihren autonomen Regierungen in Rebellion und der Einheit der Compañer@s müssen wir Tag und Nacht dem neoliberalen Kapitalismus gegenübertreten, und wir sind zu allem bereit, zu allem was kommt und wie es kommt.

So haben sich die zapatistischen Compañer@s organisiert. Man braucht nur Entscheidungskraft, Organisation, Arbeit, Überlegungen und das alles dann in die Praxis umsetzen und dann korrigieren und verbessern ohne Ruhepause, und wenn man ausruht, dann deshalb, um wieder neue Kraft zu tanken und weiterzuarbeiten. Die Bevölkerung befiehlt, die Regierung gehorcht.

Ja, es ist möglich, arme Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt, hier ist das Beispiel eurer indigenen zapatistischen Brüder und Schwestern aus Chiapas, Mexiko.

Es ist hoch an der Zeit, dass wir wirklich die Welt schaffen, die wir wollen, die wir denken, die Welt, die wir uns wünschen. Wir wissen, wie. Es ist schwierig, denn es gibt viele, die das nicht wollen, und das sind genau die, die uns ausbeuten. Aber wenn wir es nicht machen, dann wird unsere Zukunft noch schwieriger sein, und es wird niemals Freiheit geben, niemals.

So verstehen wir es, daher suchen wir euch, wir wollen uns finden, kennenlernen, gegenseitig und voneinander lernen.

Hoffentlich könnt ihr kommen, und wenn nicht, werden wir andere Formen suchen, um uns zu sehen und kennenzulernen.

Hier erwarten wir euch, hier an dieser Tür, die ich bewachen muss, damit ihr in die bescheidene Schule meiner Compañer@s eintreten könnt, die das Wenige, das wir gelernt haben, mit euch teilen möchten, damit wir sehen, ob es euch dient, dort, wo ihr arbeitet, wo ihr lebt. Wir sind sicher, dass die, die bereits La Sexta angehören, kommen werden oder nicht, aber wie dem auch sei, ihr werdet in die Schule gehen, wo wir erklären, wie die Freiheit für die ZapatistInnen ist, und so könnt ihr unsere Fortschritte sehen und unsere Fehler, die wir nicht verstecken, aber ganz direkt, ohne Umwege, mit den besten Lehrern die es gibt: den zapatistischen Basisgemeinden.

Sie ist bescheiden die Schule, so bescheiden, wie wir sie begonnen haben, aber jetzt bedeutet sie für die zapatistischen Compañer@s Freiheit, das zu tun, was sie wollen und wie sie sich ein besseres Leben vorstellen.

Sie wird immer besser, sie sehen die Notwendigkeit in der Praxis, da zeigt es sich, wenn verbessert werden muss, das heißt, die Praxis ist die beste Art zu arbeiten, um besser zu werden. Die Theorie gibt uns eine Idee, aber was die Form gibt, das ist die Praxis, das Wie des autonomen Regierens.

Wir haben irgendwo gehört, dass man sagt: "Wenn der Arme an den Armen glaubt, dann können wir bereits Freiheit singen". Nun, wir haben das nicht nur gehört, wir praktizieren das auch. Das sind die Früchte, die unsere Compañer@s mit euch teilen möchten. Und ja, das ist die Wahrheit, denn wenn die schlechten Regierungen ihre Bosheiten gegen uns ausführten, konnten sie nicht gegen uns an und werden nie erreichen, uns zu zerstören, denn was gebaut wurde, ist von der Bevölkerung, für die Bevölkerung und durch die Bevölkerung. Die Bevölkerung wird es verteidigen.

Es ist viel, was ich euch erzählen könnte, aber es ist nicht dasselbe, dass ihr es hört, wie wenn ihr es seht, und dass ihr schaut und dass, wenn ihr Fragen habt, diese direkt von meinen Compañeros und Compañeras der Basisgruppen beantwortet bekommt. Auch wenn es ihnen schwer fallen wird zu antworten, wegen des Spanisch, aber die beste Antwort ist die Praxis der Compañer@s, die man sieht und die das leben.

Es ist klein, was wir machen, aber es wird groß sein für die Armen von Mexiko und der Welt. So wie wir sehr groß sind, das heißt, wir sind sehr viele, die Armen in Mexiko und auf der ganzen Welt, und wir müssen die Welt schaffen, in der wir leben. Man sieht, dass es zwei verschiedene Dinge sind, wenn die einfachen Leute sich einig sind, oder wenn das eine Gruppe ist, die befiehlt, und nicht die einfachen Leute. Sie haben wirklich verstanden, was es heißt, zu vertreten, wir wissen schon, wie das in der Praxis auszuführen ist, das heißt, die 7 Prinzipien des gehorchenden Regierens.

Man sieht schon am Horizont, wie nach unserer Ansicht eine neue Welt ist, und ihr könnt das sehen und lernen und machen, dass eine andere Welt geboren wird, wie ihr sie euch vorstellt, dort, wo ihr lebt. Wir teilen die Weisheiten und werden unsere Welt schaffen, anders als sie jetzt ist.

Wir wollen uns sehen, hören, das ist sehr groß für uns, das würde uns helfen, uns zu kennen in anderen Welten und der besten Welt, die wir wollen.

Organisation ist nötig, Entscheidung ist nötig, Konsens ist nötig, kämpfen ist nötig, Widerstand ist nötig, Verteidigung ist nötig, und Arbeit ist nötig, Praxis ist nötig. Wenn noch was fehlt, dann fügt es hinzu, Compañeras und Compañeros!

Gut denn, hier sprechen wir uns ab, wie die Schule für euch sein wird, mal sehen, ob wir Platz haben werden. Es ist so, dass wir uns vorbereiten. Und dass alle Compañeras und Compañeros, die das möchten und die wir einladen, das sehen und fühlen können und auch wenn sie nicht bis hierher kommen können, denken wir schon über die Form nach, wie wir es machen werden.

Wir erwarten euch, Compañeras und Compañeros der Sexta.

Wir sind dabei, uns vorzubereiten, um euch zu empfangen, auf euch aufzupassen, uns um euch zu sorgen als die Compañer@s, die wir sind, als unsere Compañer@s, die Ihr seid. Und auch dass unser Wort an die Ohren jener gelangt, die nicht zu uns kommen können, aber wir werden zu euch kommen, mit eurer Hilfe.

Und natürlich, wir sagen euch, dass es vielleicht dauern wird, aber, wie unser Brudervolk der Mapuche sagt, ein Mal, zehn Mal, hundert Mal, tausend Mal werden wir siegen, immer werden wir siegen.

Und um zum Ende zu kommen, und dass dann der Compañero Subcomandante Insurgente Marcos weiter plaudert, denn jetzt ist wieder er dran, und wir werden uns abwechseln, er und ich, um euch alles zu erklären, also denn, jetzt werdet ihr sehen, dass, obwohl ich bereits seit vielen Jahren diese Arbeit mache, dies das erste Mal ist, dass ich dran bin, offiziell zu unterschreiben, also hier kommt es....

Aus den Bergen des Südostens von Mexiko
Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee
Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der nationalen Befreiung

Subcomandante Insurgente Moises
Mexiko, Februar 2013

PS: Ich nutze die Gelegenheit; um euch zu sagen, dass das Password für die folgenden Teile des Fensters, die dem Supmarcos zustehen, "nosotr@s" sein wird. Und Schluss, denn in der Schule des Kampfes darf man nicht vom Compa abschreiben, sondern jeder muss seinen eigenen Kampf führen, uns gegenseitig respektierend, wie das Compas tun, die wir sind.

Folgende Videos begleiten diesen Text:
http://www.youtube.com/watch?v=UBzGfWymOnM&feature=player_embedded http://www.youtube.com/watch?v=6izcABVqsBk&feature=player_embedded
http://www.youtube.com/watch?v=ZWgQniV0pcg&feature=player_embedded

 

SIE UND WIR
VII. Die Allerkleinsten
1.- Einleitung

Seit einigen Jahren, während die Politiker oben um die Beute der in Scherben gegangenen Nation stritten, während die Massenmedien über das, was unter diesem Himmel passierte, schwiegen oder gelogen haben, während die Indigenen aus der Mode gekommen waren und in den Winkel des Vergessenheit zurück kehren mussten, ihr Grund und Boden geplündert, ihre BewohnerInnen ausgebeutet, unterdrückt, beraubt und verhöhnt ...

Die indigenen zapatistischen Gemeinden

eingeschlossen von der Armee, verfolgt von der bundesstaatlichen und Gemeindepolizei, angegriffen von den Paramilitärs, welche von den diversen Regierungen aller politischen Parteien in Mexiko (PRI, PAN, PRD, PT, PVEM, MC und alle anderen Namen, die die Parasiten der politischen Klasse in Mexiko annehmen) ausgebildet und ausgestattet wurden, verfolgt von den Agenten der nationalen wie auch der ausländischen Spionagezentren, die Männer und Frauen der Basisgruppen des EZLN geschlagen, beraubt und eingesperrt....

Die indigenen zapatistischen Gemeinden,

ohne Prahlerei,

ohne einen anderen Befehl als die Pflicht,

ohne Handbücher,

ohne andere Anführer als uns selbst,

ohne andere Referenz als den Traum unserer Toten,

nur mit den Waffen der Geschichte und der Erinnerung,

nahe und weit schauend, in Kalendern und Geographien,

mit dem Leitfaden zu dienen und nicht sich zu bedienen / zu vertreten und nicht zu verdrängen / zu bauen und nicht zu zerstören / zu gehorchen und nicht zu befehlen / vorzuschlagen und nicht aufzuzwingen / zu überzeugen und nicht zu besiegen / hinunter zu steigen und nicht nach oben zu klettern.

Die zapatistischen Gemeinden, die zapatistischen Indigenen, Frauen und Männer, die Basisgruppen des ezetaelene, mit einer neuen Form, Politik zu betreiben,

machten wir,

machen wir,

werden wir machen

die Freiheit.

DIE FREIHEIT

UNSERE FREIHEIT

***

Erklärende Anmerkung:

Die Texte, die im siebenten und letzten Teil von "Sie und Wir" erscheinen werden, sind Fragmente, die wir dem "Textheft der Ersten Klasse des Kurses Die Freiheit nach den ZapatistInnen. Autonome Regierung I" und "Textheft der Ersten Klasse des Kurses Die Freiheit nach den ZapatistInnen. Autonome Regierung II" entnommen haben, spanische Ausgabe, N U R für Compas der Sechsten bestimmt (wir hoffen, dass es Versionen in den Originalsprachen geben wird, die der Nationale Indigene Kongress bestimmen wird, wie auch auf Englisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch, Griechisch, Deutsch, Baskisch, Katalanisch, Arabisch, Hebräisch, Gallizisch, Kurdisch, Aragonisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Japanisch und anderen Sprachen, je nachdem wie uns die Compas der Sechsten auf der ganzen Welt, die etwas von Übersetzungen verstehen, helfen werden). Diese Hefte sind Teil der Unterlagen für den Kurs, den die zapatistischen Basisgruppen für die Compas der Sechsten aus Mexiko und aus der ganzen Welt geben werden.

Die Urheber aller Texte sind die Männer und Frauen der zapatistischen Basisgruppen und beschreiben nicht nur einen Teil des Prozesses des Freiheitskampfes, sondern enthalten auch ihre kritischen Betrachtungen und ihre Selbstkritik über unsere Schritte. Das heißt, so sehen wir Zaptistinnen und Zapatisten die Freiheit und unseren Kampf, um diese Freiheit zu erreichen, zu praktizieren und sie zu verteidigen.

Wie bereits unser Compañero Subcomandante Insurgente Moises erklärt hat, werden unsere Compas der zapatistischen Basisgruppen das Wenige, das wir über den Kampf für die Freiheit gelernt haben mit Euch teilen, und die Compas der Sechsten werden sehen, was ihnen für ihren Kampf hilft und was nicht brauchbar ist.

Das Unterrichtsfach in der zapatistischen Schule – damit ihr es jetzt also wisst – heißt "Die Freiheit nach den ZapatistInnen", und wird direkt von den Compañeros und Compañeras der Basisgruppen des ezetaelene unterrichtet, Compas die verschiedene Aufgaben in der Regierung und in der Bewachung inne hatten und Stellen in verschiedenen Aufgabenbereichen zwecks Errichtung der zapatistischen Autonomie bekleideten.

Um in die Schule gehen zu können – abgesehen davon, dass man eine Einladung haben muss - müssen die Compas der Sechsten und die anderen speziell Eingeladenen vorher an einigen vorbereitenden, oder propädeutischen (oder wie halt das Äquivalent für Vorschule oder Kindergarten heißen mag) Kursen teilnehmen, erst dann können sie in "die erste Klasse" einsteigen. Diese Kurse werden von den Compas des Support-Teams der Comision Sexta des EZLN gehalten und haben keinen anderen Zweck, als euch die Basisinformation über die Geschichte des Neo-Zapatismus und seines Kampfes um Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit zu geben.

In den Geographien, wo es kein Support-Team gibt, werden wir für die Übermittlung der Themenbereiche Sorge tragen, damit die Eingeladenen sich vorbereiten können.

Datum und Ort, das heißt, Kalender und Geographie, wo die Kurse von den zapatistischen Basisgruppen gehalten werden, werden zum gegebenen Zeitpunkt bekannt gegeben, immer mit Rücksicht auf die Situation jeder/jedes Eingeladenen, sei dies nun eine Einzelne, ein Einzelner, eine Gruppe oder ein Kollektiv.

Alle zum Kurs Eingeladenen werden darüber informiert werden – ohne Unterschied ob sie in zapatistisches Gebiet kommen können oder nicht. Wir denken noch über die Form oder den Modus nach, bis in eure Herzen vorzudringen, ohne dass euer Kalender und eure Geopraphie wichtig wären. Also habt keine Sorge.

Vale. Salud, und da kann man nichts anderes machen, bereitet das Herz vor, und ja natürlich, auch Heft und Bleistift.

Aus den Bergen des Südostens von Mexikos,

Sup Marcos
Mexiko, Februar 2013


PS, welches über die gute Regierung unterrichtet: Dieser siebente und letzte Teil der Serie "Sie und wir" besteht wiederum aus verschiedenen Teilen und ist N U R für die Compas der Sechsten bestimmt. Zusammen mit dem Teil V (der, wie man seiner Nummerierung entnehmen kann "Die Sechste" heißt) und dem letzten Teil von "VI. Blicke 6: El Somos" , ist er Teil des persönlichen Schriftverkehrs, welchen die EZLN, durch ihre Sprecher, mit ihren Compas der Sechsten führt. In jenen Teilen und in diesem wird klar herausgehoben, wer der Empfänger ist.

Jenen, die keine Compas sind und sich lustig machen, polemisieren, diskutieren oder widersprechen, möchten wir in Erinnerung rufen, dass das Lesen und Kommentieren von fremder Korrespondenz Aktionen von Klatschmäulern und/oder Polizisten sind. Also sucht euch aus, zu welcher Kategorie ihr gehört. Im übrigen spiegeln sie mit ihren Kommentaren nur einen wertlosen Rassismus wider (sie stehen dem Fernsehen sehr kritisch gegenüber, wiederholen aber seine Klischees), haben einen erbärmlichen Schreibstil und bestätigen ihre fehlende Phantasie (die wiederum ist Konsequenz einer fehlenden Intelligenz ... sowie ihrer Lesefaulheit). Obwohl, natürlich, jetzt werden sie ihr Katzengejammer erweitern müssen, vom bisherigen "marcos nein, ezln ja", geht es zum "marcos und moises nein, ezln ja", dann kommt "CCRI-CG nein, ezln ja". Dann, falls sie die direkt von den zapatistischen Basisgruppen ausgesprochenen Worte kennenlernen (was ich eh bezweifle), werden sie sagen müssen "ezln nein, ezln auch nicht", aber dann, ja dann wird es schon zu spät sein.

Aber seid nicht traurig, wenn wir Musikvideos von Ricardo Arjona, Luis Miguel, Yustin Bibier oder Ricky Martin hochladen werden, dann könnt ihr euch angesprochen fühlen. Bis dahin wartet, aber wartet sitzend, betrachtet weiterhin den Kalender von oben (3 oder 6 Jahre vergehen schnell), bewegt euch ein wenig nach rechts (no problem, ihr seid es ja gewöhnt), und rückt ein wenig ab, nicht dass wir euch beschmutzen ...

Drauf los, Bande! Und lasst uns tanzen! Ajúa!


Höre und betrachte die Videos, die diesen Text begleiten:

"La Estrella del Desello" mit Eulalio González El Piporro.Das Lied erscheint auch in einer kürzeren Version im Film "La Nave de los Monstruos" (1959, von Rogelio A. González). Hat nichts mit dem ezetaelene zu tun, ich mache es nur aus Sturheit und um unsere Compas aus dem Norden zu grüßen, sie sollen sich nicht kränken, obwohl wir weit weg sind, werden wir sie sehen. Ajúa!

"La Despedida" mit Manu Chao und Radio Bemba, in einem zapatistischen indigenen Dorf.

"Brigadistak" mit Fermín Muguruza. Im Kampf gegen die Macht gibt es keine Grenzen!

 

SIE UND WIR
VII.- Die Allerkleinsten
2.- Wie wird es gemacht?

Anmerkung: Compas, ein anderes Mal (falls es dazu kommt) werden wir euch erklären, wie unsere EZLN organisiert ist. Jetzt wollen wir eure Aufmerksamkeit nicht vom "Austausch" ablenken. Wir wollen nur vorweg nehmen, dass ihr etwas über eine "Informationskommission" hören werdet. Diese Kommission besteht aus Compañeras und Compañeros, Kommandanten und Kommandantinnen (das CCRI oder Geheimes Indigenes Revolutions-Komitee), die sich um die Arbeiten zur Autonomie kümmern, die Räte der Guten Regierungen unterstützen und die zapatistischen Basisgruppen über alles auf dem Laufenden halten.

Nachstehend alsdann weitere Fragmente des zapatistischen "Austausches":

(...) Das ist die Art, wie wir arbeiten. Wie hier beim letzten Mal jemand sagte: Wie werden die Probleme gelöst? Ja, es hat Probleme in den Landkreisen gegeben. Probleme wegen des Bodens, Probleme mit Bedrohungen, Probleme mit dem Strom, ja, die gibt es, und ich glaube, diese Probleme gibt es in allen Dörfern, denn hier leben nicht nur wir, die wir Basisgruppen sind, schlimmer wird es noch, wenn wir in den regierungs-offiziellen Dörfern wohnen, wo die Feinde sind, wo die sind, die regieren, wo die Paramilitärs sind, daher gibt es diese Probleme. Aber wir müssen sehen, auf welche Art wir regieren, obwohl es wirklich schwierig ist, das zu erlernen, denn, wie einige andere Compañeros bereits gesagt haben, es gibt kein Lehrbuch. Es gibt nichts, wonach wir uns richten können, es gibt kein Schriftstück als Richtschnur, wir müssen uns erinnern, wie unsere Vorfahren dienten, wenn sie nicht von den offiziellen Stellen ernannt wurden, sondern von den einfachen Leuten, und sie dienten diesen Leuten, es gab dafür keine Bezahlung. Da beginnt die Korruption, der schlechte Dienst, wenn ein Gehalt ins Spiel kommt.

Daher, auf diese Weise, das Wenige, das ich in meinem Dorf war, in meinem Landkreis, als ich dienlich sein konnte, obwohl, wie ich sagte, wir weiterhin lernen müssen, wir sind nicht zu alt dafür. Wir lernen weiter von und mit allen Männern und Frauen. Ich glaube, das ist die Aufgabe der diversen Ebenen, so wie die Kommissare, die Vertreter, auch ihre Funktion haben, aber auch ihnen fehlt oft das "Wie" zur Lösung der Probleme. Lernen ist nötig, denn wir sind nicht vorbereitet, wir als Bauern haben uns nur auf die Feldarbeit konzentriert, unser Gesetz ist die Machete und die Feile und der Pozol, den wir aufs Feld mitnehmen. Ich weiß nicht, ob ich mich irre, Compañeros, aber das ist es, was ich Euch mitteilen wollte. (...)

*

(...) Wir hatten viele Meetings, haben viele Übereinkommen getroffen, nicht nur ein Mal haben wir Übereinkommen getroffen, wir haben gesehen, dass es eine schwere Aufgabe ist, sie ist nicht leicht, die Durchführung. Warum? Weil wir, wie ich bereits vor kurzem erwähnt habe, keinen Leitfaden haben, kein Buch, wo wir nachsehen können, dem wir folgen können, wir haben mit unserer Bevölkerung zusammen gearbeitet.

*

(...) Compañeros, das ist es, was wir besprechen, und ich habe dem nicht mehr viel hinzuzufügen. So wie wir über die Form gesprochen haben, wie wir die Aufgaben erledigen wollen. Oft kann es die Junta allein nicht machen, obwohl wir darüber nachdenken, unsere Gedanken dahin gehen, es muss auf Koordination basieren, mit den Räten, Komitees (CCRI), damit wir verwirklichen können, was wir uns vorstellen, so haben wir es in einigen Fällen gesehen.

Zum Beispiel, wenn wir von den Ämtern sprechen, den Verantwortlichkeiten, da sehen wir die Schwierigkeiten, die es gibt, viel Aufgaben sind es, die zu erledigen sind. Als ich die Stelle bekleidete, da haben wir gesehen, dass die Räte manchmal nicht alles schafften, die Arbeiten sind da, zum Beispiel gab es damals keine Fahrer für die Klinik, die Leute der Räte der Guten Regierung mussten Fahrer sein, sie mussten Koch sein, sie mussten das Holz holen, es gab viel Arbeit, und auch die Arbeit im Büro muss gemacht werden, wir müssen die anstehenden Fälle studieren, die Fälle, die noch nicht gelöst sind, oder Arbeiten, die für den Landkreis zu machen sind und noch unerledigt, also die Zeit ist uns immer zu kurz geworden. Jetzt sehe ich es, und auch damals merkten wir das, dass wir Unterstützung brauchten, ein anderer Fahrer, manchmal mussten wir um Mitternacht dringend einen Kranken holen, die Räte mussten das machen, sie kommen um 3 oder 4 Uhr früh zurück. Wir dachten daran, dass wir Unterstützung brauchten, aber wir konnten dieses Problem damals nicht lösen.

Ein Beispiel: In meiner Amtszeit, da hatten wir die Aufgabe festzustellen, welche Krankheiten in den Landkreisen am häufigsten vorkommen, und das konnte der Rat nicht feststellen, denn es fehlte die Information. Wir mussten die Leitung um Hilfe bitten, damit wir das machen konnten, und die Frage erging an alle Landkreise, und einige dieser Landkreise reagierten nicht, andere befragten die Bevölkerung, was die häufigsten Krankheiten sind, denn es gab Paratyphus-Epidemien, aber einige befolgten die Ratschläge nicht. Das heißt, die Arbeit kann erledigt werden, wenn alles gut funktioniert, es ist wie eine Maschine. Wenn bei einer Maschine ein Kolben nicht funktioniert, oder bei einem Auto ein Zylinder defekt ist, dann schafft das Auto die Steigung nicht, dann hat es keine Kraft. Dasselbe passiert mit unserer Autorität, obwohl der Rat nachdenkt und vorschlägt, wird das dann oft, sehr oft in der Versammlung nicht bewilligt, und dann bleiben die Dinge unerledigt.

Aber es ist nötig. Ich habe in diesem Jahr gesehen, dass es viel Arbeit gab, weil ein Fahrer fehlte. Jetzt sehe ich, dass bereits Fahrer abwechselnd für die Kliniken eingesetzt werden, neben seiner/ihrer Arbeit, er/sie arbeitet in dieser Zeit nicht im Rat, sondern wäscht das Auto, prüft die Reifen und kümmert sich um das Benzin.

Es wird immer etwas besser, und ich glaube, langsam wird es immer besser werden, wenn wir darüber nachdenken und schauen, was nötig ist, was laufend zu machen ist, denn die Arbeit in der Zone oder im Landkreis wird immer mehr. Langsam nehmen mehr Compañeras teil, und die Arbeit wird gemacht. Wir sehen, dass die Koordination zwischen allen sehr wichtig ist, die gegenseitige Rücksichtnahme, um die Vorschläge und neuen Ideen, wie wir arbeiten sollen, zur Durchführung zu bringen.

Das Wichtigste ist, den Kontakt zu den Gemeinden nicht zu verlieren. Denn in dieser Zeit der Arbeit habe ich gehört, dass es Dinge gäbe, die man mit Hilfe der Analyse der Bevölkerung gemacht hat, und jetzt könne man das auch tun, ohne dass man die Basis befragt. Man könne einige Worte ändern, ohne dass die Basis davon wissen müsse. Das ist aber ein Problem, denn wir haben den Menschen erklärt, wir haben sie unterrichtet, und wenn wir sie plötzlich nicht mehr beachten, dann reden und diskutieren sie.

Das kann Ablehnung auslösen, oder sie sprechen schlecht über die Autoritäten, und oft muss man der Bevölkerung gegenüber Erklärungen abgeben, und wie wir heute sagen, der Rat muss sich klar an die sieben Prinzipienhalten.

[Er nimmt Bezug auf die 7 Prinzipien des "gehorchend Regierens", den Leitfaden der Räte der Guten Regierung, die wie folgt lauten: Dienen und nicht sich bedienen, vertreten und nicht niedertreten, aufbauen und nicht zerstören, gehorchen und nicht befehlen, vorschlagen und nicht aufdrängen, überzeugen und nicht besiegen, hinuntergehen und nicht hinaufklettern].

Es ist nötig, die Bevölkerung zu überzeugen und nicht mit Gewalt aufzudrängen, was die Autorität will, sie müssen den Grund erklären, warum gewisse Regeln und Abkommen geändert gehören, das muss der Basis erklärt werden, denn wenn ich Autorität bin und nicht fähig bin zu erklären, also ich weiß nicht. Aber kommt das bis zur Bevölkerung durch, dieser Punkt? Es kann zur Ablehnung kommen, obwohl das Volk es versteht, aber mit den Erklärungen muss man versuchen, zu überzeugen und nicht zu siegen, weil man die Macht hat, damit die Menschen nicht mutlos werden, nicht wütend werden. Das ist, worüber ich ein wenig sprechen wollte, denn daher kommen Streitigkeiten und dann werden die Menschen entmutigt, deshalb sage ich das, denn so sehe ich das Problem.

Immer mit der Bevölkerung, wir müssen ganz dicht an ihrer Seite stehen.

Es gibt auch Menschen, die wollen etwas machen, ohne dass die Mehrheit dafür ist, auch diesen Menschen müssen wir erklären, dass es so nicht geht, bei uns ist genau so ein Fall vorgekommen. Es gibt Leute, die kommen ins Büro und sie fangen sogar zu schreien an gegen die Autoritäten, aber wir können das nicht akzeptieren, denn alles hängt von der Mehrheit ab. Das muss ganz klar herausgestrichen werden, aber wir müssen erklären, versuchen zu überzeugen, die Gründe darlegen, warum etwas so gemacht wird. Das ist meine Meinung, Compañeros, und das versuche ich über die 7 Prinzipien zu erklären, das ist es, was ich verstanden habe, was ich ein wenig gelernt habe. Ich habe nicht viel gelernt, denn ich habe nur drei Jahre gearbeitet, und allmählich habe ich gemerkt, wenn es darauf ankommt, dann ist die Arbeit nicht leicht, denn wir kamen alle ganz neu hinzu, ohne Unterstützung, aber jetzt ist es nicht mehr so, es gibt Compañeros, die noch ein Jahr bleiben, um die neuen Autoritäten zu begleiten und das ist natürlich eine Hilfe.

Aber als wir begonnen haben, da war das nicht so. Nur mit Hilfe des Komitees [CCRI], sie waren wirklich da, das war unsere Unterstützung und langsam haben wir die Dinge mitbekommen. Ich habe ein wenig verstanden, und dieses Wenige kann ich Euch erklären, Compañeros. (...)

Wie wurden sie gewählt?

Sie wurden in der Versammlung gewählt, das ist ein Beispiel, wie wir jetzt funktionieren. In jedem Landkreis wurde eine Versammlung der gesamten Basis einberufen, und da wurde in direkter Wahl die Personengruppe gewählt, die die Autonomie-Arbeiten machen sollte.

Welche Arbeiten waren zu erledigen? Welche Arbeiten müssen diese Compañeros machen?

Wir hatten praktisch keine Vorkenntnisse, ja, vielleicht, einige, aber die Mehrheit hatte keine Vorkenntnisse. Was werden wir tun? Wir werden autonom arbeiten, wir werden uns selbst verwalten, die Fragen, die auftauchten waren das "Wie" und "Was werden wir machen?" Also, wir wussten es wirklich nicht. Das wird nicht gehen, dachten wir, niemand wusste die Antwort, aber im Lauf der Zeit, als diese Autoritäten bereits eingesetzt waren, da kamen die Probleme ans Licht. Und Probleme gab es wirklich in all unseren Dörfern, in den Landkreisen.

Was sind die Probleme, mit denen sich die Autoritäten in jener Zeit konfrontiert sahen?

Das Hauptproblem war in jenen Tagen der Alkohol, Familienprobleme, Konflikte zwischen Nachbarn und Probleme im Zusammenhang mit der Landwirtschaft.

Was hat dann diese Gruppe von Compañeros gemacht, wenn sie mit einem Problem konfrontiert wurden?

Sie haben diskutiert, zuerst kommt der Kläger, und dann wird er angehört, wenn sie ihn angehört haben, dann wird die Gegenpartei geladen, das heißt, beide Seiten werden angehört. Das heißt, was diese Gruppe von Compañeros machte, war zuhören, der Bruder, der ein Problem hat, hat zuerst erzählt, was sein Problem ist, und es wurde gehört, wer recht hat. Wenn sie gesehen haben, dass der Kläger recht hat, dann muss mit dem anderen Bruder, der der Verursacher dieses Problems ist, gesprochen werden.

Was die Autoritäten damals machten, war, dass sie Vorschläge machten, das heißt, sie versuchten, die zwei Parteien zu überzeugen, dass sie zu einer friedlichen Lösung kommen mögen, ohne viele Umschweife.

Das haben die Autoritäten gemacht, ebenso bei anderen Problemen, bei der Landwirtschaftsfrage haben sie es so gemacht, dass sie die Brüder auch überzeugt haben, dass sie nicht um ein Stück Boden streiten sollen, wenn sie wirklich dem Bruder sein Land wegnehmen, dann muss auch der überzeugt werden, der das Land nimmt, dass das nicht geht, denn es ist so wie es ist. (...)

*

(...) Ja schon, aber meine Frage ist die, wenn eine Vorschrift gemacht werden muss: Wer schlägt vor? Wo wird darüber nachgedacht, wie diese Vorschrift sein sollte? Wer ist es, der sagt: "Ich schlage folgendes vor?" Woher kommen die Einfälle? Und dann, wie machen sie es, damit die Stimme der Basis eingebracht wird, denn wenn das schon bei den Räten ist, übernehmen sie die Verantwortung oder muss es noch von den Compañeros der Informationskommission unterstützt werden? Oder wer ist es, der sagt, dass hier eine Vorschrift gemacht werden muss?

Antwort eines anderen Compañero: Dass es eine Initiative nur von den Compañeros Autorität gäbe, dass die Initiative für eine Vorschrift ergeht, nur von Compañeros, die in Funktion der Autorität tätig sind, das gibt es noch nicht. Es geschieht zwischen Compañeras und Compañeros.

Nein, Compa, meine Frage betrifft den Rat der Guten Regierung, nicht uns als Compañeras. Es geht um den Rat der Guten Regierung, und es ist nur ein Beispiel, es geht nicht speziell um Vorschriften oder Gesetze. Wenn sie sehen, dass eine Aktion nötig ist, oder wenn sie ein Problem orten, ich habe das von der Vorschrift nur als Beispiel erwähnt, denn das verlangt eine Beziehung, denn die Junta de Buen Gobierno wird kein Gesetz aufzwingen, daher möchten wir, dass ihr uns erzählt, wie das funktioniert. Denn hier geht es um Demokratie, das möchten wir verstehen, denn wie ihr uns gesagt habt, werden die Führungskräfte der Insurgentes [1] nicht immer anwesend sein und auch – so haben wir es verstanden – wird das Informationskomitee, das heißt das CCRI [Geheimes Indigenes Revolutions-Komitee], nicht immer da sein. Daher, wie macht ihr es als Junta de Buen Gobierno, dass eine Sache, die nötig ist, zu funktionieren beginnt, sei das nun ein Gesetz, sei das die Lösung eines Problems, irgendeine Angelegenheit, die weiter gebracht werden muss, ein Projekt, was immer. Wie verständigen sich Junta de Buen Gobierno, MAREZ [Autonome zapatistische Landkreise in Rebellion], die Autoritäten und die Basis?

Zusammenfassend gesagt, wie macht man Demokratie?

(...)

*

(Fortsetzung folgt ...)

Ich bezeuge das.


Aus den Bergen des Südostens von Mexiko

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, Februar 2013

 

Hört und seht die Videos, die diesen Text begleiten:

Alfredo Zitarrosa, Meister – vielleicht ungewollt – einer Generation, Morgenländer [2], der noch mit Coplas, Vidalitas und Milongas [3] kämpft. Hier singt er "Adagio en mi pais", und unter "Pais = Land" versteht er jeden Winkel in den vielen Welten, die im Überfluss vorhanden sind.

Arturo Meza mit dem Song "La Rebeldía de la Luz". In einer Strophe des Liedes erwähnt Maestro Meza alle Indígenas, die in Mexiko leben und kämpfen.

Daniel Viglietti, unser Bruder und Compa, er liest die Erzählung "Die Geschichte über den Lärm und über das Schweigen" , die versucht – ohne Erfolg – das Schweigen und die Blicke der ZapatistInnen zu erklären.

 

Fußnoten der ÜbersetzerInnen:
[1]: Als Insurgentes wird der Kern der Guerilla-Armee der EZLN bezeichnet, die dauerhaft in den Bergen mobilisierten Guerrilla-Kämpferinnen und -Kämpfer.
[2]: Urugayer.
[3]: Dies sind verschiedene Typen volkstümliche, lateinamerikanischer Lieder.

 

SIE UND WIR
VII.- Die Allerkleinsten

3.- Die Compañeras. Der sehr lange Weg der Zapatistinnen.

ANMERKUNG: Es folgen einige Ausschnitte des Austausches der zapatistischen Frauen, die Teil des Textheftes "Partizipation der zapatistischen Frauen in der autonomen Regierung" sind. In diesen Ausschnitten sprechen die Frauen darüber, wie sie ihre eigene Geschichte des Kampfes als Frauen sehen, und räumen bei dieser Gelegenheit mit einigen der sexistischen, rassistischen und antizapatistischen Ideen auf, die es im gesamten politischen Spektrum über die Frauen, indigenen Frauen und Zapatistinnen gibt.

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Guten Tag an alle Frauen und Männer. Mein Name ist Guadalupe, mein Dorf heißt Galilea und befindet sich in der Region Monterrey; wie ihr gehört habt, gibt es auch Regionen ohne autonomen Landkreis; ich komme aus einer Region ohne autonomen Landkreis. Ich bin Bildungspromotorin und vertrete das Caracol II "Widerstand und Rebellion für die Menschheit" aus dem Hochland von Chiapas. Zu Beginn möchte ich euch eine kleine Einleitung geben, damit wir in das Thema eintauchen können.

Wir wissen, dass die Frauen von Beginn des Lebens an eine sehr wichtige Rolle in der Gesellschaft, in den Dörfern, in den Stämmen gespielt haben. Die Frauen haben früher anders gelebt als wir heute, sie wurden respektiert, sie waren für den Erhalt der Familie nicht wegzudenken, sie wurden respektiert, weil sie das Leben schenken, so wie wir heute die Mutter Erde respektieren, die uns das Leben schenkt. In jener Zeit spielte die Frau eine wichtige Rolle, aber im Verlauf der Geschichte und mit der Einführung des Privateigentums änderte sich das.

Mit dem Privateigentum wurde die Frau zurückgedrängt, geriet in den Hintergrund, und es begann das, was wir als "Patriarchat" bezeichnen: Die Frauen wurden ihrer Rechte beraubt, das Land wurde geraubt. Es war also mit der Einführung des Privateigentums, dass die Männer zu befehlen begannen. Wir wissen, dass mit der Einführung des Privateigentums drei schlimme Dinge einhergingen, nämlich die Ausbeutung aller, der Männer wie der Frauen, aber mehr der Frauen, denn auch die Frauen werden durch dieses neoliberale System ausgebeutet. Wir wissen auch, dass damit die Unterdrückung der Frauen durch die Männer begann, weil sie Frauen waren, und als Frauen leiden wir heute außerdem unter der Diskriminierung, weil wir Indígenas sind. Wir haben also diese drei großen Leiden, es gibt noch mehr, aber von denen sprechen wir jetzt nicht.

Angesichts so vieler fehlender Rechte als Frauen sahen wir in der Organisation die Notwendigkeit, für die Gleichheit der Rechte zwischen Männern und Frauen zu kämpfen, so wie es in unserem Revolutionären Frauengesetz [1] festgeschrieben wurde. Wir wissen, dass wir hier im Hochland vielleicht nicht so viel erreicht haben, aber wir haben kleine Fortschritte erzielt, die langsam sind, wir kommen vorwärts, Compañeras und Compañeros.

Hier werden wir euch erzählen, wie wir im Hochland auf verschiedenen Ebenen in den verschiedenen Gebieten vorangekommen sind, an den verschiedenen Orten, an denen wir arbeiten. Wir werden euch auch darüber berichten, wie wir das revolutionäre Frauengesetz betrachtet und analysiert haben; bevor wir hergekommen sind, haben wir zwischen Männern und Frauen analysiert, wie es uns hinsichtlich all der Punkte des Revolutionären Frauengesetzes ergeht, und darüber wollen wir erzählen. Denn es ist sehr wichtig, dass nicht nur wir Frauen uns an dieser Analyse beteiligen, sondern auch die Männer müssen sich einbringen, um zu hören, was wir denken, was wir sagen. Denn wenn wir von einem revolutionären Kampf sprechen, dann sind es nicht nur die Männer und auch nicht nur die Frauen, die diesen revolutionären Kampf führen, sondern es ist eine Aufgabe von allen, es ist eine Aufgabe von allen Menschen, und dazu gehören Jungen, Mädchen, Männer, Frauen, junge Männer und junge Frauen, erwachsene Männer und Frauen, alte Männer und Frauen. Wir alle haben einen Platz in diesem Kampf und müssen uns deshalb an dieser Analyse und den anstehenden Aufgaben beteiligen. (…)

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(…) Compañeros, compañeras, ich heiße Eloísa und komme aus dem Dorf Alemania, Landkreis San Pedro Michoacán, ich war Mitglied des Rates der Guten Regierung des Caracol I "Mutter der Caracoles. Meer unserer Träume". Es soll ein wenig über das Thema der Compañeras gesprochen werden, und meine Aufgabe ist es, ein wenig darüber zu erzählen, wie die Partizipation der Compañeras vor 1994 aussah, und ein wenig darüber, wie wir uns nach 1994 weiterentwickelt haben.

In unserer Zone haben wir darüber gesprochen, dass wir als Compañeras von Anfang an nicht beteiligt waren, als Compañeras kannten wir früher diese Idee nicht, dass wir uns beteiligen könnten. Unsere Compañeras von ganz früher hatten den Gedanken oder die Idee, dass wir als Frauen nur für den Haushalt gut waren und um auf die Kinder aufzupassen, das Essen zuzubereiten; vielleicht liegt das an der Ignoranz des Kapitalismus selbst, dass wir so etwas im Kopf hatten. Aber auch wir als Frauen fühlten diese Angst, die Dinge außerhalb des Hauses nicht tun zu können, und unsere Compañeros gaben uns auch nicht diesen Raum.

Gleichermaßen hatten wir nicht diese Freiheit, teilzunehmen, zu sprechen, weil man meinte, die Männer wären mehr als wir. Als wir noch unter der Herrschaft unserer Väter standen, gaben uns unsere Väter diese Freiheit nicht, aus dem Haus zu gehen, denn früher gab es viel Machismo. Vielleicht wollten die Compañeros das gar nicht so machen, sondern vertraten lediglich die Ideen, die uns der Kapitalismus und das System in den Kopf gesetzt hatten. Auch, weil der Compañero nicht daran gewöhnt ist, Dinge im Haushalt zu erledigen, auf die Kinder aufzupassen, die Wäsche zu waschen, und deshalb ist es für den Compañero schwer, solche Aufgaben zu übernehmen. Es fällt ihm schwer, auf die Kinder aufzupassen, damit die Compañera aus dem Haus gehen kann, um ihre Arbeit zu erledigen.

Wie ich schon gesagt habe, lebten wir Compañeras unter der Herrschaft unserer Väter oder leben noch mit unseren Vätern, denn wir haben Respekt von unseren Vätern, und wenn sie uns eine Aufgabe übertragen, dann gehen wir dorthin, wo wir sie erledigen können. Wenn unsere Väter uns aber manchmal sagen, dass wir nicht gehen können, dann respektieren wir das, manchmal haben wir auch im Kopf, dass wir unsere Eltern respektieren. Manchmal schicken uns also unsere Väter nicht, und es ist auch schon vorgekommen, dass sie meinen, wenn sie uns als Töchter aus dem Haus schicken, dass wir dann nicht die Arbeit erledigen, die wir erledigen sollen, sondern andere Dinge tun und unseren Vätern Probleme bereiten, denn die Väter sind es, die unsere Probleme, die wir als Frauen haben, für uns regeln. Manchmal ist das auch die Idee unserer Väter und der Ehemänner der Frauen, die schon verheiratet sind, das heißt, manchmal haben auch die Compañeros diese Idee. (…)

-*-

Compañeros und Compañeras, einen guten Tag an alle, die heute hier anwesend sind. Ich heiße Andrea, mein Dorf ist San Manuel, mein Landkreis ist Francisco Gómez vom Caracol III "La Garrucha". Wir sind als Compañeras der Zone von Garrucha hergekommen, um das vorzustellen, was wir ausdrücken können, denn wir bringen nicht so viele Worte mit, weil dort die meisten Tzeltal sprechen.

Ich möchte zunächst damit beginnen, dass die Compañeras vor 1994 viel zu leiden hatten. Es gab Erniedrigungen, Missbrauch, Vergewaltigungen, aber die Regierung interessierte das nicht, ihre Arbeit besteht allein darin, uns als Frauen zu zerstören. Es war ihr gleich, ob eine Frau krank wurde oder um Hilfe oder Schutz bittet, das ist ihr egal.

Aber wir als Frauen können das jetzt nicht mehr zulassen, wir müssen vorankommen. In jenen Zeiten haben wir gelitten, so haben es uns die Compañeras berichtet. In jenen Zeiten, von denen ich sprach, gab es viele Erniedrigungen, das, was die schlechte Regierung tat, und auch die Grundbesitzer, was taten sie in dieser Zeit? Sie nahmen die Compañeras nicht ernst.

Was taten diese Grundbesitzer? Sie hielten die Compañeros als Knechte, die Compañeras standen sehr früh auf und begannen zu arbeiten, und auf diese Weise arbeiteten die armen Frauen dann noch gemeinsam mit den Männern weiter. Es gab viel Sklaverei, aber, Compañeros, jetzt wollen wir das nicht mehr, und so ist es zu unserer Partizipation als Compañeras gekommen. In jener Zeit gab es keine Partizipation, sie hielten uns wie Blinde, wir konnten nicht sprechen. Aber jetzt wollen wir, dass unsere Autonomie funktioniert, wir wollen endlich als Frauen daran teilhaben, und wir werden nicht mehr zulassen, dass wir zurückbleiben. Wir werden weiter vorangehen, damit die schlechte Regierung sieht, dass wir uns nicht mehr ausbeuten lassen, wie sie es mit unseren Vorfahren getan hat. Das wollen wir nicht mehr.

Von da an bis zum Jahr 1994 sprach sich dann herum, dass es bereits unser Frauengesetz gab. Wie gut, Compañeros, dass es das schon gab, dass wir bereits mitgemacht haben. Von diesem Jahr an gab es Demonstrationen, und man hat gesehen, dass die Compañeras aus dem Haus gegangen sind, beispielsweise bei der Consulta Nacional, der landesweiten Befragung, sind die Frauen mit dabei gewesen, sie haben daran teilgenommen. Auch ich war damals dabei, ich war 14 Jahre alt und habe an der Consulta Nacional teilgenommen. Ich wusste nicht, wie man das macht und wie man spricht, aber so, wie ich es konnte, habe ich mitgemacht, Compañeros.

Ihr habt schon gekämpft, ihr habt schon demonstriert, und die Regierung hat schon gemerkt, dass sich auch die Frauen nicht mehr unterkriegen lassen und weitermachen. Und jetzt, wie ich schon gesagt habe, wollen wir, dass unsere Autonomie funktioniert und unsere Rechte als Frauen durchgesetzt werden; was wir jetzt tun werden, ist, etwas aufzubauen, die Arbeit zu leisten, so wie es heißt, dass es jetzt unsere Pflicht ist, weiterzumachen.

So kommt es, dass wir jetzt hier stehen, ich weiß nicht, ob eine der Compañeras, die nach mir spricht, die Frage beantworten kann, wer dieses revolutionäre Gesetz gemacht hat. Wenn jemand das beantworten möchte, kann er das tun, denn jemand hat dafür gekämpft und jemand hat uns Frauen verteidigt. Wer hat für uns gekämpft, Compañeras? Es war Comandanta Ramona, die für uns diese Anstrengung unternommen hat. Sie konnte weder lesen noch schreiben und sprach auch nicht Spanisch. Und warum strengen wir uns dann nicht so an, Compañeras? Diese Compañera ist ein Beispiel für uns, weil sie diese Mühen auf sich genommen hat. Sie ist das Beispiel, dem wir folgen werden, um mehr Aufgaben zu erledigen und zu zeigen, was wir in unserer Organisation wissen.

-*-

Ich vertrete die Compañeras, die zum Thema der Frauen teilnehmen werden, insgesamt 5 Compañeras werden teilnehmen. Guten Tag an alle. Mein Name ist Claudia, und ich komme vom Caracol IV, aus Morelia. Ich gehöre zur Unterstützungsbasis aus dem Dorf Alemania, Region Independencia, autonomer Landkreis 17 de Noviembre. Ich werde zunächst etwas vorlesen, bevor wir zu den einzelnen Unterthemen kommen, bringe ich eine Einleitung mit. Ich werde etwas Geschriebenes vorlesen, denn wenn ich einfach so nur rede und hier vorn stehe, vergesse ich, was ich sagen möchte.

Vor langer Zeit litten wir unter Misshandlung und Diskriminierung, unter Ungleichheit zu Hause und in der Gemeinde. Immer litten wir, und man sagte uns, wir seien Objekte, wir seien zu nichts nütze, denn so lehrten es uns unsere Großmütter. Sie brachten uns nur bei, wie man den Haushalt führt, das Land bearbeitet, auf das Kind aufpasst, die Tiere hütet und dem Ehemann dient.

Nie bekamen wir die Möglichkeit, zur Schule zu gehen, und deswegen können wir weder lesen noch schreiben und noch viel weniger Spanisch sprechen. Sie sagten uns, dass eine Frau nicht das Recht habe, teilzuhaben oder sich zu beschweren. Wir wussten nicht, wie wir uns verteidigen konnten, und wir wussten auch nicht, dass wir das Recht dazu hatten. So wurden unsere Großmütter von ihren Herren, den Landbesitzern, erzogen.

Einige von uns denken jetzt noch so, dass sie nur zu Hause arbeiten könnten, denn so hat sich unser Leiden immer weiter fortgesetzt bis zum heutigen Tag. Aber nach dem Dezember 1994 bildeten sich die autonomen Landkreise heraus und damit begannen wir, teilzuhaben und zu lernen, wie wir Aufgaben übernehmen konnten, dank unserer Organisation, die uns einen Raum zur Partizipation als Compañeras eingeräumt hat, aber auch dank unserer Compañeros, unserer Eltern, die verstanden haben, dass wir sehr wohl das Recht haben, Aufgaben zu erledigen. (…)

-*-

Compañera Ana. Wieder sind wir aus der Zona Norte an der Reihe und hier sind auch schon die Teilnehmerinnen, die über die Themen sprechen werden, die dort in unserem Caracol analysiert wurden. Ich werde mit einer Einleitung beginnen.

Vor vielen Jahren bestand zwischen Männern und Frauen Gleichheit, weil es keinen gab, der wichtiger war als der andere. Nach und nach begann die Ungleichheit mit der Arbeitsteilung, als es die Männer waren, die auf das Feld gingen, um ihre Nahrungsmittel anzubauen, die auf die Jagd gingen, um die Ernährung der Familie zu ergänzen, und die Frauen blieben zu Hause und erledigten die Hausarbeit, nähten, webten Kleidung und stellten Utensilien für die Küche wie Tontöpfe, -becher und -teller her. Später gab es eine weitere Arbeitsteilung, als die Viehzucht begann. Das Vieh begann als Geld zu dienen, weil seine Produkte zum Austausch genutzt wurden. Mit der Zeit wurde dies zur wichtigsten Aktivität, vor allem, als sich die Bourgeoisie herausbildete, die sich allein dem Kauf und Verkauf widmete, um Gewinne anzuhäufen. All diese Arbeit wurde von Männern gemacht, und deswegen sind es die Männer, die in der Familie etwas zu sagen haben, denn es war allein der Mann, der Geld für die Ausgaben der Familie heranschaffte, und die Arbeit der Frauen wurde als unwichtig angesehen, deshalb galten sie als minderwertig, schwach und arbeitsunfähig.

So war der Brauch, die Art zu leben, die die Spanier brachten, als sie kamen, um uns zu erobern, wie wir schon gesagt haben, die Mönche, die uns in ihren Gebräuchen und Kenntnissen unterrichteten. Sie brachten uns bei, dass die Frau dem Mann zu dienen und immer auf ihn zu hören hatte, wenn er etwas befahl, und dass die Frauen ihre Köpfe mit einem Schleier zu bedecken hatten, wenn sie zur Kirche gingen, und nicht mehr überall hinschauen durften, weil sie sonst die Männer zur Sünde verleiteten, deshalb gestattete die Kirche den Frauen nicht, zur Schule zu gehen, und noch viel weniger, Aufgaben zu übernehmen.

Wir, die Indígenas, nahmen die Art, wie die Spanier ihre Frauen behandelten, als eine Kultur an, und deshalb entstand in den Gemeinden die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, die bis heute anhält, wie in diesen Beispielen:

Den Frauen ist es nicht erlaubt, zur Schule zu gehen, und wenn ein Mädchen lernen will, wurde das von den Menschen in der Gemeinde kritisiert. Die Mädchen durften nicht mit den Jungen spielen und nicht einmal ihre Spielsachen anfassen. Die einzige Arbeit, die die Frauen machen sollten, war in der Küche und die Kinder großzuziehen. Die unverheirateten Mädchen hatten nicht die Freiheit, aus dem Haus zu gehen und in der Gemeinde oder in der Stadt spazieren zu gehen, sie wurden zu Hause eingesperrt, und wenn sie heirateten, wurden sie gegen Alkohol und andere Waren eingetauscht, ohne dass die Frau sagen konnte, ob sie einverstanden war oder nicht, denn sie hatte nicht das Recht, ihren Partner frei zu wählen. Wenn die Frauen einmal verheiratet waren, durften sie nicht allein aus dem Haus gehen und nicht mit anderen sprechen, vor allem nicht mit Männern. Es gab Misshandlungen von Frauen durch ihre Ehemänner, und keiner sorgte für Gerechtigkeit; solche Misshandlungen wurden vor allem von Männern verübt, wenn sie betrunken waren. So mussten die Frauen ihr ganzes Leben lang Missbrauch ertragen und leiden.

Außerdem brachten die Mütter ihren Töchtern bei, dass sie ihren Brüdern das Essen servieren mussten, damit sie später gut mit ihrem Ehemann zusammenleben konnten und nicht misshandelt würden, denn man glaubte, ein Grund für Misshandlungen sei es, dass die Frau ihrem Mann nicht richtig diente und nicht immer das tat, was der Mann befahl.

Aber auch unsere Großväter und Großmütter hatten ihre guten Bräuche, die bis heute praktiziert werden, deshalb gibt es wenig Sorgen, wenn jemand krank wird, denn sie kannten die Heilpflanzen und wussten viel darüber, wie man gesund bleiben kann. Sie sorgten sich nicht, wenn kein Geld da war, denn sie bauten alles selbst an, was sie zum Essen brauchten, deshalb waren die Frauen früher stark und fleißig, weil sie ihre eigene Kleidung selbst herstellten, Calhidra, auch wenn sie ihr Recht nicht kannten, aber sie konnten vorankommen. (…)

-*-

(Fortsetzung folgt …)

Ich bezeuge das.

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens,

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, Februar 2013

 

Seht und hört die Videos zu diesem Text:

Und weil es um Frauen geht, hier Violeta Parra mit dem Lied "Arauco tiene una pena". 50 Jahre nach dieser Stimme leisten die Mapuche weiter Widerstand und verwandeln diesen Schmerz in Wut.

Audio und Bilder vom Treffen "La Comandanta Ramona y las zapatistas" ("Comandanta Ramona und die Zapatistinnen"), das im Dezember 2007 stattfand. Darin erinnert unsere Compañera Susana an Comandanta Ramona, die im Januar 2006 starb.

Botschaft der zapatistischen Compañeras an die Compañeras auf der ganzen Welt vom Dezember 2006. Bei 2:22 sagt die Compañera: "Wir brauchen keine Experten, die uns sagen, wie wir leben sollen".

 

Anmerkung der ÜbersetzerInnen:
[1]: Diese Gesetze wurden von den Frauen innerhalb der zapatistischen Bewegung und Gemeinden vor dem Aufstand erkämpft und traten 1993 in Kraft, 1996 wurden sie überarbeitet und erweitert. Darin werden den Frauen Gleichberechtigung innerhalb der politischen und militärischen Strukturen und die Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Körper zugesichert. Außerdem wird der Drogenkonsum in zapatistischen Gemeinden verboten und (interfamiliäre) Gewalt gegen Frauen unter Strafe gestellt.

 

SIE UND WIR
VII.- Die Allerkleinsten
4.- Die Compañeras: Ein Amt übernehmen.

Es gibt nichts, das so subversiv und respektlos ist wie eine Gruppe
von Frauen von unten, die sagen, sich sagen: "wir".
Don Durito de La Lacandona

Anmerkung: Es folgen einige weitere Ausschnitte des Austausches der zapatistischen Compañeras, aber jetzt geht es um ihre derzeitigen Aufgaben und Probleme bezüglich ihrer Funktionen in der Leitung, der Rechtsprechung und der Verwaltung von Ressourcen, und auch um einige Gedanken zur heiklen Angelegenheit der "Gleichheit der Geschlechter" bei der Schaffung einer Welt, die tolerant sein soll, in der alle teilhaben können, einer Welt, in der "niemand mehr ist, niemand weniger ist".

-*-

Ja, solche Fälle wurden bei uns geregelt. Es gab einen Fall, von dem ich euch erzählen werde und von dem auch eine Compañera schon gesprochen hat. Es gab einmal einen Fall, mit dem fast nur wir zwei zu tun hatten, wir kamen als Rat, als Junta, zusammen, und wir beiden Frauen leiteten gemeinsam ein Team, und es geschah, dass sich eine Frau bei uns beschwerte, die sagte, sie würde von ihrem Ehemann misshandelt. Es ist unglaublich und war für uns sehr unschön. Die Compañera sagte: "Ich möchte mich von meinem Mann trennen."

Aber dieser ehemalige Compa hatte in der Zwischenzeit schon zwei Ehefrauen.
Wir schauten uns die Sache an. Wir sprachen mit den Kindern der ersten Ehefrau und mit denen der zweiten, und so begannen wir zu erkennen, wie wir die Angelegenheit regeln konnten. Es war sehr schwierig für uns, deswegen zog sich die Sache ein wenig hin.

Zunächst dachten wir, der Mann würde die Compañera schlagen. Aber nein, dieser böse Mann hängte die Compañera an den Füßen auf und schlug sie dann, und das tat er auch mit zwei seiner Kinder. Es war unsere Aufgabe, diese Angelegenheit zu klären. Welche Lösung fanden wir?
Die Compañera wollte sich trennen, also teilten wir die Güter auf, die erste Ehefrau und ihre Kinder bekamen sie, weil der Mann der Schuldige war, und die zweite Ehefrau konnten wir auch nicht leer ausgehen lassen, weil ihr Kind auch schon groß war, der Mann bekam keinen Teil, den bekam sein Kind, und so musste der Mann das verstehen. Wir teilten all seine Güter auf, und so lösten wir die Angelegenheit, wir gaben dieser Compañera Recht, die sich bei uns beschwert hatte. (…)

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Yolanda: Machen wir damit weiter, was ich zu sagen habe. Es geht ein wenig um das Gesetz [1]. Es ist bekannt, dass dieses Gesetz aufgrund der Situation entstand, in der die Frauen lebten. Aus diesem Grund wurde das Gesetz eingeführt, weil es früher viel Leiden gab, wie wir schon gehört haben, aber das will ich nicht wiederholen. Dieses Gesetz wurde aufgeschrieben und liegt in den fünf Caracoles vor. (…)

Aber wir sehen, dass es sehr wichtig ist, dass wir uns intensiv mit diesem Gesetz beschäftigen, denn wenn wir nicht wirklich verstehen, was darin steht, haben wir ein wenig in dieser Zone analysiert, dann kann das gleiche geschehen,was früher schon passiert ist, nämlich dass sich die Situation für die Frau, die die Geberin des Lebens ist, dann wieder verändert, wie wir das schon gehört haben. Wenn wir dieses Gesetz, das wir als Zapatistas haben, wieder schlecht verstehen, wird das erneut geschehen.

Als dieses Gesetz entstand, ging es nicht darum, dass die Frauen nun befehlen könnten, und es ging nicht darum, dass sie Macht über ihren Ehemann, ihren Compañero, ausüben könnten, darum ging es nicht. Deshalb muss dieses Gesetz gut analysiert werden, damit wir nichts konstruieren, also, sozusagen, die gleiche Geschichte fortführen, die wir jetzt schon haben, und zwar, dass die Compañeros, die Machos sind, befehlen. Aber auch, wenn wir dies nun falsch interpretieren, wird das gleiche geschehen: die Compañeras befehlen und die armen Compañeros bleiben dabei auf der Strecke, aber das ist nicht so gewollt.

Es geht vielmehr um den Aufbau der Menschlichkeit, der damit bezweckt wird. Eine andere Welt ist es, was wir wollen. Alles, was wir tun, ist wie ein Kampf, Männer wie Frauen, denn wie wir schon gehört haben, es ist nicht allein ein Kampf der Frauen und auch nicht ein Kampf der Männer. Wenn wir also von einer Revolution sprechen wollen, dann gehen wir gemeinsam, es geht um alle, Männer und Frauen, und so wird der Kampf geführt.

Es kann nicht sein, dass die Compañeros sagen, wir kämpfen hier, wir machen die Revolution, und nur die Compañeros übernehmen alle Aufgaben und die Compañeras bleiben zuhause. Das ist dann kein Kampf für alle. Was wir wollen, ist für alle, für Männer und Frauen zusammen, das ist es, was wir wollen.

Aber wir sagen deutlich, dass im ersten Gesetz, um das es geht, noch immer eine kleine Tücke steckt. Denn, um ganz ehrlich zu sein, ist es für uns Compañeras immer noch sehr schwer, eine Funktion oder Aufgabe zu übernehmen, welcher Art auch immer.
(…)

-*-

Ihr habt erwähnt, dass es eine Ehren- und Justizkommission gibt. Worin besteht deren Arbeit und welche Rolle spielen die Compañeras darin?

Was Fragen der Ehre und Gerechtigkeit von Compañeras angeht, wechseln wir uns, wie im Landkreis, ab. Es gibt zwei weibliche und zwei männliche Räte, zwei Kommissionsmitglieder, die Männer sind und zwei, die Frauen sind, und wenn beispielsweise eine Compañera ein Problem hat, erzählt sie es der Compañera in der Ehren- und Justizkommission. Und diese stimmt sich dann mit den männlichen Kommissionsmitgliedern ab, damit es der Compañera nicht unangenehm sein muss mit dem Compa.
So arbeitet die Ehren- und Justizkommission.

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Als weiteres Beispiel haben wir auf der Ebene der Zone eine Arbeit, die insbesondere für die Compañeras Frauen ist. Es handelt sich um eine Initiative von ihnen, eine Mischung aus Laden und Kantine, den sie gegründet haben, also da gibt es einen kleinen Raum, wo die Leute essen können, und ein kleines Lebensmittelgeschäft. Sie starteten mit 15.000 Pesos, liehen sich 15.000 Pesos, und es entstand ihre Idee, das zu tun. Die Initiative ging von den Frauen der Region aus, von Verantwortlichen vor Ort und in Koordination mit dem Rat, weil wir sie mit Tischen, Geschirr und allem, was ihnen in ihrer Kantine von Nutzen sein konnte, unterstützt haben. Es gab eine Koordination, aber die Idee, die Arbeit und die Organisation, wie die Initiative geführt wird, das organisieren diese Compañeras.

Sie begannen mit 15.000 Pesos, sie haben ihre Leiterinnen, und auf der Ebene der Zone organisieren die Compañeras der Region Schichten, wann sie das kochen und im Verkauf an der Reihe sind. Und sie informierten uns, dass sie in ihrem ersten Geschäft einen Gewinn von 40.000 Pesos verzeichnen konnten. Mit diesen 40.000 Pesos konnten sie ihr Darlehen abzahlen, die 15.000 Pesos, und für sie blieb der Rest, 25.000 Pesos.

Sie begannen, darüber nachzudenken, dass noch einiges fehlte. Der Rat unterstützte sie, wie ich schon sagte, mit Geschirr, mit Tischen, aber sie überlegten, dass sie mit dem Gewinn das Geschäft verbessern konnten, also nutzten sie diesen Gewinn, um sich besser einzurichten. Jetzt arbeiten sie in dieser Form, sie haben ihre Leitung, unter den Compañeras wechseln sie sich mit der Arbeit ab und wechseln die Leitung jährlich. Was sie dort im Verkauf umsetzen, ist, dass die Bevölkerung die Herrschaft übernimmt, und sie haben uns mitgeteilt, dass sie zwischen ihrer letzten Abrechnung und heute 56.176 Pesos in bar eingenommen haben.

All das sind Arbeiten, die wir auf der Ebene der Zone verrichten. Dabei geht es nicht darum, den Gewinn aufzuteilen, also nicht darum, diese kleinen Geldbeträge aufzubrauchen, die zusammenkommen, sondern es geht darum, dass wir uns vorbereiten auf jeglichen Bedarf nach Dingen, die uns im Kampf helfen, der uns als Zone entstehen kann..

(…)

Es ist bekannt, dass es in der Zone Selva Tzeltal Compañeras gibt, die "Comisariadas" sind, dass es "Agentas" [2] gibt. Wie macht Ihr das, damit es diese Compañeras Comisariadas und Agentas gibt, erzähl uns davon, unterrichte uns darüber, wie das ist.
Sind diese Compañeras lokale Amtsinhaberinnen? Wie machen sie das? Wie arbeiten die Compañeras? Denn es gibt Compañeros, die Comisariados und Agentes sind, weil wir das hier wollen, und wir wollen hier miteinander das Wissen darüber teilen, wie wir uns helfen, wie wir uns vorbereiten. In diesem Fall geht es speziell um die Compañeras, wie arbeiten die Compañeras als Amtsinhaberinnen der Bevölkerung? Was tun die Compañeras in ihrer Gemeinde, als Comisariada, als Agentas?

Als Agentas kontrollieren sie beispielsweise in meiner Siedlung die Menschen, bei einigen Problemen überwachen sie auch, beispielsweise wenn es kleinere Probleme mit Leuten gibt, wenn Tiere Schaden anrichten, dann ist die Agenta diejenige, die dafür zuständig ist, diese Art von Problemen zu lösen. Außerdem führen sie Versammlungen durch, um Beratungen anzubieten, damit es keine Probleme mit alkoholischen Getränken oder Drogenabhängigkeit gibt. Bei jeder Versammlung leisten die Frauen also diesen Beitrag der Beratung, damit es nicht zu diesen schlimmen Problemen kommt. Auch die Comisariadas führen Versammlungen durch, um über das Land zu sprechen, über die Betreuung der Grenzen untereinander, wie chemische Dünger anzuwenden sind. All das, was wir zuvor als Regeln festgelegt haben, wird von den Comisariadas und Agentas in den Dörfern kontrolliert.

Die Frage ist, wenn die Compañeras, die nun Agentas sind, um Probleme in den Gemeinden zu lösen, können sie diese allein lösen oder mit Unterstützung der Compañeros?

In meiner Gemeinde fragen die Compañeras manchmal nach der Unterstützung einer lokalen Amtsinhabers, etwa eines "Responsables" [3], um ihn zu hören, wenn sie manchmal nicht gut an den Versammlungen teilnehmen kann, bittet sie um einen Rat oder etwas Ähnliches. Das geschieht oft, aber es gibt auch Momente, in denen niemand da ist, und dann arbeiten sie allein. In meiner Gemeinde gibt es beispielsweise eine Compañera Agenta und es gibt auch ihre Vertreterin, und die beiden haben Probleme allein gelöst, weil sie schon gesehen haben, wie es einmal oder zweimal gemacht wurde, und jetzt folgen sie diesem Beispiel und sorgen für die Lösung.
(…)

Sind von den 60 Mitgliedern die Hälfte Compañeras und die Hälfte Compañeros?

Ja, Compañero, wir sind Hälfte-Hälfte, niemand ist mehr, niemand ist weniger.
(…)

-*-

(Fortsetzung folgt…)

Ich bezeuge das.
Aus den Bergen des mexikanischen Südostens,

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, Februar 2013


"Tierra y Libertad" mit der Gruppe "FUGA". Das Lied beginnt mit einem Ausschnitt der Worte der EZLN, als sie im mexikanischen Kongress die Erfüllung der Vereinbarungen von San Andrés fordert, als eine zapatistische indigene Frau unser Wort erhob. Die Gruppe FUGA setzt sich zusammen aus Tania, Leo, Kiko, Oscar und Rafa. Das Lied stammt von der Platte "Rola la lucha zapatista"

Mapuche-Frauen im Widerstand gegen die plündernden Minenunternehmen.

Zapatistische Frauen, die ein Amt im Rat der Guten Regierung in La Realidad ausüben. Chiapas, 2008 .


Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

[1]: Gemeint sind die "Revolutionären Frauengesetze". Diese Gesetze wurden von den Frauen innerhalb der zapatistischen Bewegung und Gemeinden vor dem Aufstand erkämpft und traten 1993 in Kraft, 1996 wurden sie überarbeitet und erweitert. In ihnen werden den Frauen Gleichberechtigung innerhalb der politischen und militärischen Strukturen und die Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Köper zugesichert. Außerdem wird der Drogenkonsum in zapatistischen Gemeinden verboten und (interfamiliäre) Gewalt gegen Frauen unter Strafe gestellt.

[2]: Beides sind Ämter im zapatistischen Selbstverwaltungssystem, deren Aufgaben weiter unten im Text beschrieben werden.

[3]: Ein weiteres Amt in den zapatistischen Selbstverwaltungsstrukturen.

Sie und wir.
VII. Die Allerkleinsten
5.- Die Bezahlung

Anmerkung: Die Bezahlung, das Geld, die Moneten, der Zaster, money, die Wirtschaft, die Finanzen, etc. Die Frage bezüglich des Wirtschaftens ist nicht nur, woher die Mittel kommen (die krankhafte Neugier einiger wird in der kleinen Schule befriedigt werden, keine Sorge) sondern auch, wie sie verwendet werden (bekommen die AmtsträgerInnen ein Gehalt? Gibt es kein "Händchen" zur Erlangung persönliche Vorteile? etc.) und vor allem, wie wir Rechenschaft darüber ablegen. Moment! Haben die Zapatistinnen und Zapatisten ein Banksystem?! Gut, weiterhin schockiert sein, denn, wie es immer heißt, darauf spezialisieren sich die Zapatistinnen und Zapatisten, nämlich darauf, die guten Gewissen zu beunruhigen. Es folgen Fragmente des Austausches über das Wirtschaften der Juntas de Buen Gobierno [1].

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Also bis jetzt hat es keine Unterstützung in Form von Geld gegeben [für die AmtsträgerInnen der Räte der Guten Regierungen], und so konnten wir feststellen, dass das Geld weder die Arbeiten an der Autonomie noch die Aufgaben des Regierens ausführen kann. Dort merken wir das selber, denn niemand arbeitet für Geld. Aber okay, natürlich sagen wir euch, dass einige in ihrem Dorf Unterstützung bei der Arbeit erhalten, in Form von diversen Grundnahrungsmitteln, wie das eben vom Dorf vereinbart wurde, aber niemals Geld. Und so haben wir diese 9 Jahre in der Junta de Buen Gobierno gearbeitet. (…)

Wie gelangen die Mitglieder der Junta zu ihrem Caracol?

Wenn es ein Verkehrsmittel gibt, dann damit, wenn nicht, dann gehen sie zu Fuß. Gut, das Fahrtgeld wird von den mageren Mitteln bezahlt, die der Junta zur Verfügung stehen, das ist das Einzige, die Fahrtkosten die man erhält, sonst nichts. Wenn die Fahrt 20 Pesos kostet, dann 20 Pesos für Anreise und Abreise.

Die Compañeros und Compañeras, die diese Posten bekleiden, machen das – wie bereits erwähnt –, aus ihrem Bewusstsein, freiwillig, aber diese Compañeros leben auch in Dörfern, wo andere Compañeros wohnen, das heißt, es gibt auch kommunale Arbeiten zu verrichten, organisatorische Arbeiten, um den Widerstand zu organisieren. Daher haben diese Compañeros, einige von ihnen, das Recht, für ihre Arbeit freigestellt zu werden, das heißt, sie müssen nicht an diesen kollektiven und kommunalen Arbeiten teilnehmen.

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Innerhalb der autonomen Regierung gibt es auch die verschiedenen Arbeitsbereiche, wie Erziehung, Handel, Gesundheit, Kommunikation, Rechtswesen, Landwirtschaft, Transport, Projekte, Betreuung der Besucher, BANPAZ (Banco Popular Autónomo Zapatista, Autonome Zapatistische Volksbank), BANAMAZ (Banco Autónomo de Mujeres Zapatistas, Autonome Bank der zapatistischen Frauen) und Verwaltung. Das sind die Arbeitsbereiche, die in der autonomen Regierung anfallen. Zu Beginn, als die Juntas de Buen Gobierno begonnen haben, als sie noch wenige waren, hatte jeder Compañero drei oder vier Bereiche, denn sie waren wenige. In der zweiten Periode der Junta waren es bereits zwölf Compañeros, die Arbeiten, die die Compañeros ausführen mussten, wurden ausgewogener, es waren zwei oder drei Bereiche pro Compañero.

In dieser dritten Periode der Junta de Buen Gobierno, also jetzt sind wir bereits 24, die Arbeit ist besser aufgeteilt. In den unterschiedlichen Arbeitsbereichen gibt es ein Gleichgewicht zwischen Compañeros und Compañeras, wir sind zwei Gruppen in der Junta, wir bilden die Junta de Buen Gobierno, wir sind 24 Personen und machen unseren Dienst zwei Wochen pro Monat. In den unterschiedlichen Bereichen gibt es zwei Compañeros und zwei Compañeras, so funktioniert die Junta de Buen Gobierno, die Bereiche, die wir abdecken. Das ist alles Compañeros. Jetzt kommt der nächste Compañero.(…)

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In den Dörfern sprachen wir mit den Compañeros, wir kennen nämlich die Zone ein wenig, es gibt einen gemeinschaftlichen Anbau von Bohnen, Mais, es gibt Viehzucht in der Gemeinschaft, Geschäfte und Hühnerzucht im Gemeinschaftsbetrieb. Es gibt kleine Geschäfte, das sind keine Geschäfte, die ständig offen sind, manchmal gibt es eine kleine Veranstaltung und dann kommen die Compañeros mit ihrem Geschäft. Die Compañera erzählte uns, dass sie in einem Dorf ihrer Region mit einer kleinen Hühnerzucht begannen, Freilandhühner, und hin und wieder schlachten sie ein Huhn, oder zwei, und sie machen Tamales [2], diese Tamales haben sie verkauft und Stück für Stück haben sie ein wenig Geld zusammen gebracht und dann konnten sie mit diesem Geld eine Nixtamal-Mühle [3] kaufen, so haben sie sich ihre Arbeitsplätze geschaffen.

Ein anderer Compañero kennt ein anderes Dorf, die haben eine andere Möglichkeit. Es ist ein Zentrum, wo viele Leute aus anderen Gemeinden hin kommen. Die Compañeras haben sich organisiert und machen Tortillas, aber nicht, dass sie eine Maschine kauften, eine von denen, die wir in den Städten sehen und wo die Tortillas vom Fließband kommen. Die Compañeras haben ihre kleine Presse und machen damit die Tortillas, oder mit der Hand und dann verkaufen sie die Tortillas an die Leute, und das ist dann bereits ihr Kollektivbetrieb.

So werden auch viele andere Sachen in den Dörfern organisiert. Und wozu ist das gut? Nun damit der Compañero aus diesem Dorf, wenn er Erziehungsbeauftragter oder Gesundheitsbeauftragter ist und wegfahren muss, um seine Arbeit zu machen, damit sie ihm sein Fahrtgeld geben können oder sonst etwas, was er für seine Arbeit braucht.(…)

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Hier im Caracol II in Oventic, hierher kommen Besucher aus anderen Ländern, nationale und internationale Besucher. Viele kommen nur, um das Caracol zu besuchen, kennenzulernen, aber einige Personen, die kommen, bringen eine kleine Spende mit, um die Leuten zu unterstützen. Diese Spende wird von der Junta entgegengenommen,und die Comisión de Vigilancia [4] stellt eine Rechnung aus, die auch den Compañeros des CCRI [5] zugestellt wird. Das Original bleibt in der Junta, eine Kopie bekommt der Spender. Die Spenden werden gesammelt und die Junta verwaltet diese Zuwendungen. Dieses Geld wird für diverse Ausgaben im Caracol ausgegeben, aber es handelt sich um kleine Spenden, nicht viel, je nachdem wie viel gespendet wird, vierzig, fünfzig oder hundert Pesos, je nachdem. Aber nicht nur die Junta weiß, wie das Geld ausgegeben wird, monatlich erstellt die Junta ihren Bericht, zu jedem Monatsende legen wir diesen Bericht vor.

Alle 28 Mitglieder sind präsent, wir sind für den Bericht zuständig, und auch einige Compañeros der CCRI nehmen teil, damit wir gemeinsam sehen, wie die der Junta zur Verfügung stehenden Mittel ausgegeben werden, hier im Zentrum des Caracol oder wie die Junta de Buen Gobierno das bestimmt.

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Eine andere Aufgabe der autonomen Regierung ist die Verwaltung alle Eingänge und Ausgänge mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Die ökonomischen Mittel, die es in jeder Instanz der Regierung gibt, alle Güter und jedwedes Material, das es gibt, all das ist für die gesamte Bevölkerung, wie ich bereits vor kurzem erklärte, die Spenden, die solidarische Compañeros geben, kann die Junta nicht so verwalten wie es ihnen gerade passt.

Jede Regierungsinstanz in den Landkreisen, in der Junta, gibt monatlich ihre Berichte, und die Berichte, die wir machen, die machen wir sehr genau, wenn es auch nur 50 Pesos sind, wird aufgeschrieben, wofür das war, es wird klar informiert, wofür dieses 50 Pesos ausgegeben wurden, so machen wir unseren Bericht, wie ich bereits vor kurzem sagte, das machen nicht nur einige Mitglieder, sondern die 28 Mitglieder, die wir sind, wir versammeln uns alle, und da sind auch die Compañeros des CCRI, so arbeiten wir hier im Zentrum des Caracol.(…)

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Gut, auch das Fonds-Komitee, denn hier in unserer Zone haben wir einen kleinen Fonds, aber wie die Compañera sagte, gibt es drei Frauenbereiche, zum Beispiel die Bereiche der Heilkräutersachverständigen, der Knochenheilerinnen und der Hebammen. In diesem Arbeitsbereich wurde ein Projekt erarbeitet, aber es ist nicht speziell nur für die Heilkräutersachverständigen, die KnochenheilerInnen und die Hebammen, sondern in der zentralen Klinik, das heißt, im Gesundheitsbereich, und dort wurden die drei Bereiche integriert. In diesem Projekt wurde ein Kostenvoranschlag gemacht, der die Verpflegung betrifft. Die Verpflegung kostet 50 Pesos pro Tag, aber der Kurs dauert drei Tage, das heißt, die Verpflegung für einen Kurs kostet 150 Pesos, hinzu kommen noch die Transportkosten, das wurde auch veranschlagt, es kommt auf die Entfernung an, wie viel die Compañeras dafür ausgeben. Also bei diesem Kostenvoranschlag, in diesem Projekt in der gesamten Zone, haben alle regionalen AmtsträgerInnen, autonomen Räte, das analysiert und festgestellt, dass es wichtig ist, einen Fonds zu gründen.

Das Abkommen, das wir trafen war, dass die Ausgaben für die Verpflegung nicht komplett verbraucht werden, sondern nur ein kleiner Teil oder 10 Pesos ist die Beteiligung jeder Compañera, aber nachdem es drei Tage sind, werden bei jedem Kurs 30 Pesos verbraucht, daher bleibt noch was übrig, der Rest, je nach Übereinkommen der Generalversammlung der AmtsträgerInnen wird als Fonds der Zone aufbewahrt, nicht in der Region sondern in der Zone. Ebenso beim Transport, das Übereinkommen lautete, dass nur 50% ausgegeben werden, 50% wird von der Bevölkerung beigetragen, also bleiben 50% für den Fonds der Zone.

Aber warum haben wir das so gemacht? Weil wir hier in unserer Zone gesehen haben, dass die Menschen immer weniger finanzielle Ressourcen haben, wenn sie gebraucht werden, daher wurde beschlossen, diese Reste, die bleiben, als Fonds aufzubewahren. So wurde die Hilfe, der Fonds der Zone, gegründet, und deshalb wurde das Fonds-Komitee gegründet, das Rücklagen-Komitee. Ich weiß nicht, ob ich Ihre Fragen beantwortet habe.(…)

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Wer bestätigt, dass der Rechnungsbericht und der Gesamtbericht richtig ist, dass es kein Händchen gibt, das dort hineingreift?

Also zu unserer Zeit, als wir alle, die Junta, zusammen arbeiteten, gab es niemand, der den Bericht überprüft hätte, nur das gesamte Team der Junta. Aber von jeder Schicht [6], die wir die Berichte der Ausgaben machten, wird eine Kopie an die Information weitergegeben. Auch alle Einkäufe, die planen wir mit der Information, der Kauf von Lebensmitteln zum Beispiel, oder mit einigen Komitees. Alle zusammen entscheiden wir, zusammen mit dem Informationsbüro und auch unter Anwesenheit der Comisión de Vigilancia, der Überwachungskommission. Die drei Büros versammeln sich, dann treffen wir die Übereinkunft, ob etwas gekauft wird oder ob es ein Komitee geben wird, das seine Ausgaben selbst macht und dann zum Abschluss die Junta über die Ausgaben informiert, die gemacht wurden. In jeder Schicht werden die Abrechnungen gemacht, denn wenn der Turnus beginnt, werden ein Sekretär und ein Kassenführer gewählt, wer für das Geld zuständig ist, wer für die Kontrolle, wir kontrollieren nicht alle zusammen. Er / sie ist verantwortlich für einen Betrag, zum Beispiel 10.000 Pesos, ein Compañero ist beauftragt, 10 Tage lang zu verwalten, und dieser Compañero ist für die finanzielle Kontrolle verantwortlich, die Ausgaben, der Sekretär und der Kassenführer. Am Ende sehen wir dann, wie viel ausgegeben wurde, und wenn einem Compañero hundert oder zweihundert Pesos fehlen, dann sind das seine Schulden, denn er war 10 Tage für die Verwaltung zuständig. Das haben wir in jedem Turnus so gemacht, wir haben geschaut, ob die Abrechnung stimmt, wir haben nicht bis zum Ende gewartet, jede Schicht hat die zehntausend Pesos überprüft, die in den 10 Tagen verwaltet werden mussten. Aber die Einkäufe wurden immer auf Grund eines Übereinkommens der drei Büros gemacht.

Die Frage ist folgende, wie weiß man, dass diese Compañeros die Wahrheit sagen, damit nichts fehlt. Was sind ihre Beweise?

Compañeros, die Antwort auf diese Frage lautet: die Quittungen, der Geldeingang. Wenn es eine bestimmte Menge gibt, sagen wir es gibt 50.000 Pesos, ein Eingang während einer Zeit, also der Compa, der seinen Turnus beginnt, wie bereits der Compañero sagte, diese 50.000 Pesos muss er 10 Tage lang verwalten, wenn also dreitausend oder viertausend Pesos verbraucht wurden, muss er mittels Quittungen beweisen, wofür es verbraucht wurde, oder Beglaubigungen, dass es keine Ausgaben gab, aber dass es für Essen ausgegeben wurde, und dann geht die Rechnung auf. Wenn wirklich alles stimmt, dann sind das nicht nur der Verwalter oder der für die Ausgaben Zuständige, sondern auch die Überwachungskommission und die Information prüfen das, denn auch sie haben ihre Liste mit den Beträgen, die verwaltet werden.

Und wenn es keine Quittung gibt, wie erfolgt dann der Beweis?

Alles Geld, das einen Eingang darstellt, muss mit einer Quittung belegt werden, denn wenn ein solidarischer Bruder kommt und seine Spende gibt, erfordert das eine Quittung, denn er muss diese seinem Kollektiv oder seiner Organisation übergeben oder sagen, wie viel er gegeben hat. Dann bleibt die Kopie davon in der Junta und eine in der Information, daher gibt es keine Fehler denn es geht um Geldeingänge. Und die Ausgänge, das macht die Junta mit dem Komitee, das die Abrechnung übernommen hat.

(Fortsetzung folgt…)

Ich bezeuge das.

Aus den Bergen des Südostens von Mexiko,

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, März 2013


"Zapatista" von der Gruppe Louis Lingg and the Bombs, aus Paris, Frankreich. Anarcho-Punkrock. Das Stück befindet sich auf dem Album "Long Live The Anarchist Revolutionairies". Der Name kommt von Louis Ling, geboren in Deutschland, Ende des 19. Jhds. (1885) in die USA emigriert, als er zum Tod am Galgen verurteilt wurde, sagte Louis den Vertretern der kapitalistischen Gesetze: "Ich verachte Euch, ich verachte Eure Befehle, Eure Gesetze, Eure Macht, Eure Autorität, HÄNGT MICH! ". Allen anarchistischen Compas der Sexta gewidmet.

Die Gruppe Zamandoque Tarahum, aus Chicago, Illinois, USA, mit einem Rock-Stück mit dem Titel "Zapatista".

Aus Südafrika, die Bewegung der BewohnerInnen der Kartonhäuser (Abahlali BaseMojondolo), die für Land und würdige Wohnungen kämpft, grüßt die zapatistischen indigenen Gemeinden über unsere Compas des Movimiento por Justicia del Barrio, aus dem anderen New York, USA. Widerstand und Rebellion vereinen Mexiko-Vereinigte Staaten-Südafrika unten und links.


Anmerkungen der Übersetzer_innen:

[1]: Die fünf "Räte der Guten Regierung" wurden von den Zapatistas 2003 eingeführt und bestehen aus basisdemokratisch gewählten, rotierenden AmtsträgerInnen. Sie sind für die Koordination der zapatistischen Selbstverwaltung innerhalb einer der fünf autonomen zapatistischen Zonen zuständig. Sitz einer "Junta" ist das "Caracol" (Schneckenhaus).

[2]: Traditionelles lateinamerikanisches Gericht aus gefüllter Maismasse.

[3]: Mühle zum Mahlen von Mais.

[4]: Deutsch etwa "Aufsichts-" oder "Überwachungskommission".

[5]: Das "Comité Clandestino Revolucionario Indígena - Comandancia General del EZLN", "Geheimes Revolutionäres Indigenes Komitee – Generalkommandantur der EZLN" ist das höchste Gremium der EZLN.

[6]: Die Mitglieder der Junta sind in Schichten eingeteilt, die jeweils abwechselnd für eine gewisse Zeit (z. B. 2 Wochen oder 10 Tage) die Geschäfte der Junta übernehmen und dann wieder in ihre Dörfer zurückkehren, um dort ihrer Selbstversorgung als Kleinbäuer_innen und anderer Aufgaben nachzugehen. In den Juntas rotieren so turnusweise zwei oder drei Schichten.



Sie und wir.
VII.- Die Allerkleinsten
6. – Der Widerstand

Anmerkung: Die nachstehenden Fragmente berichten vom Widerstand der zap....Moment! Gibt es eine zapatistische Luftwaffe? Das Gesundheitssystem ist besser als das der schlechten Regierung? In diesen fast 20 Jahren haben die zapatistischen Gemeinden mit Einfallsreichtum, Kreativität und Intelligenz allen Varianten der Aufstandsbekämpfung widerstanden. Der sogenannte "Kreuzzug gegen den Hunger" [1] der priistischen [2] Handlanger ist nichts anders als eine Neuauflage der Täuschung, dass die Indigenen Almosen verlangen und nicht Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Diese Kampagne der Aufstandsbekämpfung kommt nicht allein, sie wird von der Medienkampagne begleitet (die gleiche, die im heutigen Venezuela ihre Berufung zum Staatsstreich gegen die Bevölkerung bekräftigt, eine Bevölkerung, die es verstehen wird, ihr Leiden in Stärke zu verwandeln), die gesamte politische Klasse ist beteiligt (in dem, was "Pakt gegen Mexiko" [3] heißen müsste) und natürlich, einer neuen militärischen und politischen Eskalation: Im zapatistischen Gebiet werden die paramilitärischen Gruppen mutiger (mit Erlaubnis der bundesstaatlichen Regierung), die staatlichen Truppen verstärken ihre provozierenden Patrouillen, um "die zapatistische Führung zu aufzuspüren", die Geheimdienste werden wiederbelebt und das System der Rechtssprechung beweist erneut seine Dummheit (siehe den Fall Cassez) indem sie dem Professor Alberto Pathistán Gomez die Freiheit verweigern und ihn dafür verurteilen, dass er es wagt, im Mexiko des 21. Jahrhunderts Indigener zu sein. Aber der Professor widersteht, ganz zu schweigen von den zapatistischen Gemeinden ...

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Guten Tag Compañeros, guten Tag Compañeras. Ich heiße Ana und gehöre dem aktuellen Rat der Guten Regierung an, jenem der vierten Generation von 2011 bis 2014, im Caracol I in La Realidad. Ich werde ein wenig über den ideologischen Widerstand sprechen, dieses Thema werden wir zu zweit abhandeln, ich und der Compañero. Ich werde über die Ideologie der schlechten Regierung sprechen. Die schlechte Regierung verwendet alle Medien, um die Bevölkerung zu kontrollieren und falsch zu informieren, zum Beispiel das Fernsehen, Radio, Daily Soaps, Handys, Zeitungen, Zeitschriften, ja sogar den Sport. Über Fernsehen und Radio wird viel Werbung verbreitet, um die Menschen abzulenken, die Daily Soaps dienen dazu, die Menschen zu verderben und damit wir glauben, auch uns wird es so ergehen wie der Hauptdarstellerin in dieser Seifenoper. In der Schulbildung ist das ideologische System der schlechten Regierung so, dass es mit den Nicht-Zapatistas so verfährt, dass ihre Kinder täglich mit einer schönen Uniform in die Schule gehen, ob sie lesen und schreiben lernen, das ist nicht wichtig, nur der Schein ist wichtig und dass die Kinder nett aussehen. Sie geben ihnen auch Stipendien, damit sie zur Schule gehen können, aber am Ende sind die einzigen, die daraus Nutzen ziehen die Firmen, die die Schulmaterialien oder die Uniformen verkaufen.
Wie widerstehen wir in unserem Caracol all diesen Übeln der Ideologie der Regierung? Unsere wichtigste Waffe zur Verteidigung ist die autonome Erziehung. Dort in unserem Caracol wird den Bildungsbeauftragten die wahre Geschichte gelehrt, die Geschichte, die uns einfache Leute betrifft, damit diese dann an die Kinder weitergegeben wird, und auch unsere Forderungen werden bekannt gemacht. Wir haben auch begonnen, politische Gespräche mit unseren Jugendlichen zu führen, damit sie wach sind und nicht so leicht von der Ideologie der schlechten Regierung getäuscht werden. Wir führen auch Gespräche mit der Bevölkerung über die dreizehn Forderungen [4]. Das ist das Wenige, was ich Euch erklären wollte und jetzt kommt der Compañero dran.
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Da sind auch noch die Programme, die Projekte der Regierung. Die Regierung beginnt mit Projekten, damit unsere Brüder [5] was von diesen Projekten bekommen und damit sie glauben, das ist was Gutes, und wenn sie was bekommen, vergessen sie ihre Arbeit. Und dann sind unsere Brüder nicht mehr selbstständig, sondern sind von der schlechten Regierung abhängig.
Was machen wir, um dem zu widerstehen? Wir organisieren uns und machen Gemeinschaftsarbeit, wie schon einige Compas gesagt haben, wir machen Gemeinschaftsarbeiten im Dorf, in der Region, in den Bezirken und auch in den Zonen. Diese Arbeiten machen wir, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, verschiedenste Arbeiten, das machen wir, um Widerstand zu leisten und nicht auf die Projekte der schlechten Regierung hereinzufallen, und wir machen unsere eigene Arbeit, damit wir selbstständig sind und nicht von der schlechten Regierung abhängig.


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Es gibt ein großes Krankenhaus in einer Ortschaft, sie heißt Guadalupe Tepeyac, und jetzt bauen sie ganz in der Nähe, eine halbe Stunde Weges entfernt, oder vielleicht eine Stunde, im Zentrum von La Realidad ein anderes Krankenhaus, eine Kinderklinik. Aber was passiert in diesem Krankenhaus in Guadalupe Tepeyac? Da jegliche Ausrüstung vorhanden ist, kommen viele Menschen aus verschiedenen Dörfern und Bezirken. Und was passiert? Wenn sie zum Beispiel eine Ultraschallaufnahme machen müssen oder eine Laboruntersuchung und weil die Ärzte dort wissen, dass auch unser Krankenhaus das Schulkrankenhaus ´Los Sin Rostro de San Pedro´ in der Nähe ist, und die im Regierungskrankenhaus die Untersuchungen nicht machen können, weil sie kein geschultes Personal haben, sie haben die Ausstattung, aber niemand, der die Ausstattung bedienen kann, was sie daher machen ist, dass sie die erste Untersuchung machen und dann schicken sie die Leute in unser Krankenhaus, ins zapatistische Schulkrankenhaus. Damit ihr seht, wie weit wir gekommen sind, Compañeros, die Untersuchung wird gemacht und natürlich gibt es auch Regeln in diesem Krankenhaus, einen Betrag von jedem Patienten zu kassieren, um die Untersuchung zu machen.
Und die Leute merken, dass sie im offiziellen Krankenhaus nicht erhalten, was viele erwarten, die Lösung ihres Problems, und so kommen sie in unser Krankenhaus, und obwohl es einfach ist wie wir sagen, aber hier wird den Menschen gesagt, was los ist, wenn der Ultraschall fertig ist und dasselbe gilt für Laboruntersuchungen. Dort im Krankenhaus von Guadalupe gibt es einen Laboranten, und es gibt viele Dinge, die der Laborant nicht machen kann und sie schicken die Leute in unser Schul-Krankenhaus. Wir haben dort einen Compañero, der geschult wurde, und er hat auch schon einige andere Compañeros ausgebildet, er macht unterschiedliche Untersuchungen. Aber nicht nur das, der Vorteil, den er hat und den das andere offizielle Krankenhaus nicht bietet, ist der, dass der im offiziellen Krankenhaus nur die Laborstudie oder den Ultraschall macht und sonst nichts, dann schickt er den Patienten zu einem anderen Arzt, damit ihm dieser eine Behandlung verschreibt, unser Compañero dagegen macht die Laboruntersuchung, er stellt das Rezept aus, er sagt, welche Behandlung die richtige ist, denn er hat große Kenntnisse im Laborbereich erworben.

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Um ein wenig darüber zu sprechen, was es mit den
Landstädten [6] auf sich hat [die unter dem Applaus der Medien, von der "linken" korrupten Regierung von Juan Sabines Guerrero errichtet wurden]. Am Anfang haben sie Häuser gebaut. Nach dem, was uns die Compañeros erzählen, ist das Baumaterial Sperrholz, dieses ganz dünne, nicht so wie die Holzplatten, die wir hier verwenden. Jetzt ist es so weit, dass die Bauten aufgeblasen sind wie ein Luftballon, wenn der Wind stark weht und wenn es heiß ist und vom Regen, denn alle Materialien, mit denen die Häuser gebaut wurden, sind bereits kaputt. So ist das. Also, aus einigen Gemeinden aus diesem Bezirk sind die Familien in diese Stadt gezogen, sie waren dort, und laut Pressemeldungen gibt es eine Küche mit den Massen 3 x 3, sehr klein, und ein Zimmerchen und einen Wohnraum daneben. Aber da kann man gar nichts tun, denn wenn sie dort ihre Feuerstelle machen, wie sollen sie das denn machen? Das geht nicht.

Im Moment funktioniert nichts mehr, die Familien zogen hin, aber wir haben gehört, dass sie in ihre Dörfer zurückkehren mussten. Einige Familien sind zwar noch dort, aber unter sehr prekären Bedingungen. Man sagt, dass sie auf dem Hügel oberhalb der Bauten Wassertanks errichtet haben, aber diese funktionieren nicht, Compañeros, sie funktionieren nicht. Man sagt, dass es eine Bank gibt, um sein Geld anzulegen, ich weiß nicht, ob es die Weltbank ist oder eine staatliche oder eine von der Gemeinde, ich weiß es nicht, aber sie funktioniert nicht. Es sind nur Gerüste vorhanden und sie zerfallen. Es ist nicht so, wie sie sagen "Landstadt", ein schöner Name, aber in Wirklichkeit gibt es nichts. Daher ist es so, wie die Compañeros sagten: Warum sollen wir an Projekte und andere Dinge glauben? Das sind alles Lügen. (…)

Wie die Compañeros sagten, ist das ein Teil des Krieges des Feindes, daher, wenn sich einige Compañeros dieser Zone von diesen Ideen überzeugen ließen und dann dorthin gegangen sind, war es nicht so, dass sie ein Leben mit mehr Würde haben werden. So war es an vielen Orten, die, die aus der Organisation ausscheiden oder die auf der Seite der Parteien sind, aber die Basisgemeinden haben ein besseres Leben gehabt. Die Landstädte sind also eine reine Lüge, was sie gesagt haben und was tatsächlich gemacht wurde.

Um die ideologische Manipulation zu verstehen, welche die schlechte Regierung in Santiago El Pinar [7] ausübt, ein Beispiel. Den Frauen wurde versprochen, dass sie ihnen Legeställe für Hühner einrichten, und wie ihr wisst, müssen diese Legehühner mit Futter versorgt werden. Als sie ihnen das gaben, erhielten sie viele Hühner, damit diese Eier kacken, also alles wunderschön am Anfang, denn die Hühner haben viele Eier gelegt, aber die Regierung hat keinen Markt gesucht, wo die Eier verkauft werden konnten. Die Hühner legten viele Eier und was machen wir jetzt? Konkurrenz mit den großen Lebensmittelläden, wo viele Eier verkauft werden, ist nicht möglich.
Also, so erzählten uns unsere Brüder, was sie gemacht haben, war eine Aufteilung, sie teilten die Hühner auf, aber die Regierung lieferte kein Futter mehr, die Hühner wurden blass und immer blässer und hörten auf, Eier zu legen. Und die Frauen sagten: "Was machen wir jetzt? Wir müssen zusammenlegen. Aber wie soll ich, wenn ich die Eier schon gegessen habe? Woher soll ich Geld nehmen?"
Und die Hühner sind gestorben. Was die schlechte Regierung versprochen hat, war ein Misserfolg. Das Ganze hat nur dazu gedient, dass bei der Übergabe die Fotografen anwesend waren und die Übergabe filmten und alle sagten, wie schön das ist und was weiß ich, was noch. Aber das war nur für ein Monat, zwei Monate, im dritten Monat war alles zu Ende.

So ist es, dass abgesehen von anderen Problemen, das Problem besteht, wie der Compañero bereits sagte, dass die Häuser unbrauchbar sind, weil sie sich aufblähen, wie man sagt, wie ein Frosch. Die Frauen sind es gewöhnt, die Tortilla auf der Feuerstelle oder auf einem offenen Feuer am Boden zuzubereiten, aber auf einem Erdboden, hier allerdings ist der Boden aus Sperrholz und darauf kann man kein Feuer anzünden. Und der Gaszylinder, also wer den Umgang mit Gas nicht kennt, der hat nicht einmal für ein Monat Gas, und dort liegen die Gasbehälter herum, es gibt einen Herd und der ist für nichts nütze.
Dann, wie Ihr wisst, ist das Leben der indigenen Bauern so, dass sie hinter dem Haus ihr Gemüsegärtchen haben, Zuckerrohr, Ananas, Bananen und was es noch so alles gibt, wie das eben unsere Lebensweise ist, aber dort gibt es gar nichts, nur das Haus und sonst nichts. Sie wissen nicht was tun, aber sie wohnen jetzt weit weg vom Ort, wo ihr Boden ist, und sie müssen dort hin gehen zum Arbeiten, aber das ist neuerlich eine Ausgabe, das hin und zurück fahren.

Die Politik der schlechten Regierung besteht darin, dem Gemeinschaftsleben den Garaus zu machen, entweder du verlässt deine Erde oder du verkaufst sie, nun und wenn du sie verkaufst, dann bist du der Beschissene. Es ist eine Politik der Ungerechtigkeit, dazu da, um das Elend zu vergrößern. All die Millionen, die sie von der UNO erhalten, den Vereinten Nationen, steckt die schlechte Regierung ein, egal ob es sich um die bundesstaatliche, staatliche oder die Landkreisregierungen handelt und mit dem Geld organisieren sie jene, die für die Probleme in den Gemeinden verantwortlich sind, Probleme die vor allem uns betreffen, uns die wir den Basisgemeinden angehören.
Es ist die Fortsetzung jener Politik über die so viel gesprochen wurde, jetzt wollen sie nicht mehr, dass man darüber spricht, in den Medien sagt man nicht mehr, was der Plan Puebla-Panama ist. Jetzt gibt es einen anderen Namen, denn der Plan Puebla-Panama wurde von vielen Seiten angegriffen, aber es ist dasselbe, nur der Name wurde geändert und dient dazu, das Gemeinschaftsleben zu zerstören, um das Gemeingut, das noch besteht, auszurotten.
(…)

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So ähnlich ist es, wie wir die Arbeiten des Widerstandes ausführen, denn wir sprechen über den Widerstand. Die Arbeit der Compañeros besteht darin, dass sie ihr Feld oder ihre Kaffeepflanzungen bearbeiten oder Rindvieh haben. Manchmal verkaufen sie ein Tier, und es bleibt ein wenig Geld. Die schlechte Regierung versucht, uns mit ihren Projekten der "Pisos Firmes" [8] und der Verbesserung der Häuser anzugreifen, das, was unsere Brüder akzeptieren, die Priistsas oder Parteianhänger sind.

Aber es ist so, dass die sich schon daran gewöhnt haben, Geld zu bekommen, man kann sagen, ihr Blick ist schon mehr auf die schlechte Regierung gerichtet, damit mehr Geld kommt über diese Projekte, wie uns einige Compañeros aus La Garrucha erzählten, dasselbe passiert auch im Caracol von Morelia. Manchmal verkaufen diese Brüder das Wellblech, das sie von einem Regierungsprojekt erhalten haben, die Regierung glaubt, dass ihre Partei dann besser dastehen wird, aber das Gegenteil ist der Fall - und das ist der Lohn der Arbeit der Compañeros im Widerstand -, denn die Parteiangehörigen kommen her, um zu verkaufen.

Ein Beispiel: Eine Wellblechplatte kostet beim Eisenwarenhändler 180 Pesos, aber sie verkaufen sie für 100 Pesos, ja sogar für 80 Pesos. Dann bekommen sie die Blockziegel für den Hausbau, die kosten beim Eisenwarenhändler 5, 6 oder 7 Pesos und sie verkaufen sie für 3 oder sogar 2 Pesos. Und die Compañeros, wir, die wir im Widerstand sind, wir sind nicht daran gewöhnt, den Lohn unserer Arbeit zu vergeuden, sie sind es, die kaufen, und vielleicht werdet ihr eines Tages in einem neu gegründeten Dorf sehen, dass das Wellblech farbig [9] ist, aber das wurde wirklich durch die Arbeit der Compañeros angeschafft. Genau so ist es auch dort.

Aber auch die Regierung hat bemerkt, wohin ihre Projekte gehen. Sie tun es nicht, damit die Parteiangehörigen, die Priistas, Vorteile haben, sondern sie nützen es gegen die Zapatistas, dort werden ihre Hausprojekte gemacht, aber nicht nur, dass sie das Material zur Verfügung stellen, es kommt auch schon der Maurer. Wenn das Material kommt, steht der Maurer schon bereit, denn sie haben bemerkt, dass die Zapatisten ihre Häuser verbessern, daher machen sie das mit den anderen, es gibt viele Formen der schlechten Regierung seit 1994 und bis heute, wie sie manipulieren.

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Gut Compas, nochmals erklären wir, was der militärische Widerstand ist, wie das zum Beispiel schon die Compañera erklärt hat. Es ist meine Aufgabe, zu erklären, was 1999 im Ejido Amador Hernandez, Gemeinde General Emiliano Zapata geschah.
Zu jener Zeit am 11. August kam das Militär, und wir Compañeras und Compañeros haben gegen das Eindringen der Militärs Widerstand geleistet. Nachdem sie das Gemeindegebiet besetzen wollten, gingen sie zuerst in den Tanzsaal. Die Compañeras traten ihnen direkt gegenüber, sie vertrieben sie aus dem Ortsgebiet und sie mussten außerhalb des Dorfes lagern. Aber das Ganze ging weiter, wir machten eine Protestaktion. Alle nahmen teil, alle aus der Zone, die zum Caracol La Realidad gehören. Auch die Zivilgesellschaft nahm an dieser Widerstandsaktion teil, und der Widerstand konnte durchgehalten werden, denn es war Zeit des ´chaquiste´, die Zeit des Schlammes, wie das so ist, wenn Regenzeit ist. Wir sind nicht auf ihre Provokationen eingegangen, wir sind ihnen nicht militärisch gegenübergetreten, sondern friedlich.

In dieser Protestaktion haben wir Tanzveranstaltungen gemacht, wir haben vor den Militärs getanzt. Und wir haben religiöse Zeremonien abgehalten, die Compas hatten ein ganzes Programm und plötzlich haben wir ihnen auch eine politische Rede gehalten.
Was hat das Militär gemacht? Es schien, als ob wir sie überzeugt hätten, denn wir machten unsere Protestaktion direkt vor ihnen, also hat das Militärkommando Lautsprecher aufgestellt, damit sie unsere Worte nicht hören konnten und sie zogen sich ein kleines Stück weiter zurück.

Was ist dann passiert? Da haben sich die Compañeros wieder etwas einfallen lassen, sie haben von Papierfliegern gehört, auf diese schrieben sie, warum wir dieses Protestcamp machen, und wir warfen diese Papierflugzeuge den Militärs zu, die sie aufhoben. Das war die erste zapatistische Luftwaffe, damals in Amador Hernandez, aber sie besteht nur aus Papier. (…)

All das, Compas, ist bei diesem militärischen Widerstand geschehen und wie wir mit den Soldaten herumgerempelt haben, die Compañeros und Compañeras auf einer Seite, gegenüber die Militärs in zwei Reihen, und da war ein Compa der.... ein kleingewachsener Compa, als uns die Militärs mit ihren Schildern stießen und sie hatten diese Schlagstöcke und sie schlugen und stießen uns, und der besagte Compa, also der stieg einem Soldaten auf die Zehen und sie stiegen auch ihm auf die Zehen. Da war ein anderer Soldat, ein großer und der begann zu lachen, weil unser Compa dem anderen auf die Zehen trat und dieser tat dasselbe. Der Soldat lachte also und der kleine Compa sagte zu diesem Scheißkerl von Soldaten: "Worüber lachst du denn, du Zwerg?" und das obwohl der Soldat viel größer war und unser Compa viel kleiner. (…)

-*-

Das war es, was ich gesehen habe und was wir sehen. Das Ergebnis, das ist da. Nicht vergeblich haben wir Tostadas gegessen, um anzufangen, und die Tostadas geben Kraft und Weisheit. Dort wurde viel praktiziert, was man Kollektivismus nennt.
Entschuldigt das Schimpfwort, Compañeras, aber wir haben von den Compañeros aus jedem Dorf, aus jedem Bezirk viel gelernt, um den verdammten Soldaten gegenüber zu treten, die in unsere Ortschaften eingedrungen sind, die uns bedroht haben. Da haben die Compañeras gelernt, sich zu verteidigen, ich weiß nicht, mit Schlägen mussten sie die Soldaten vertreiben, mit Gewalt, mit Steinen, mit Gebrüll und mit Verfluchungen haben sie es gemacht. So haben sich die Compañeras organisiert, ich habe es gesehen und habe es gut in Erinnerung, die Compañeras haben es geschafft, den Soldaten gegenüberzutreten, und sie haben bewiesen, dass sie es können, die Compañeras.
(…)

-*-

Die Amtsträger_innen begannen auch, sich abzuwechseln und über unsere Bedürfnisse, die wir in jedem Dorf, Region, oder Zentrum oder Landkreis artikulierten, Bescheid zu wissen. So haben wir gearbeitet, langsam sind wir vorangekommen. Nach der Gründung beginnen wir zu erschaffen, dann beginnen wir die Arbeit mit der Krankenvorsorge und der Erziehung, dann, wie die Compañera bereits sagte, haben wir schon eine Klinik in der Gemeinde, sie heißt ´Compañera Maria Luisa´ [Kampfpseudonym von Deni Prieto Stock, gefallen im Kampf am 14.2.1974 in Nepantla, im Bundesstaat Mexiko] und im Ejido San Jeronimo Tulija heißt die Klinik ´Compañera Murcia Elisa Irina Saenz Garza´, eine Compañera die kämpfte und im Kampf gefallen ist, im Rancho El Chilar (im lakandonischen Urwald, Chiapas, Mexiko im Februar 1974), dort, ganz nahe wo wir sind, an der Grenze, dort starb sie und deshalb haben wir der Klinik diesen Namen gegeben.


Dení Prieto Stock und Elisa Irina Sáenz Garza "Murcia"

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(Fortsetzung folgt…)

Ich bezeuge das.
Aus den Bergen des Südostens von Mexiko,

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexico, März 2013


TOP SECRET: Übung der zapatistischen Luftwaffe (FAZ, Abkürzung auf Spanisch) an irgendeinem Ort in den Bergen des Südostens von Mexiko.

Ein weiterer Beweis des kriegerischen Geistes, der den zapatistischen Mädchen und Jungen eingebläut wird: Hier lesen sie gerade ´Der einfallsreiche Edelmann Don Quijote de La Mancha´ eines gewissen Miguel de Cervantes Saavedra, bei ihm handelt es sich sicherlich um einen ausländischen, sowjetischen Militärberater... Die UdSSR gibt es nicht mehr? Habe ich es Ihnen nicht gesagt, ein weiterer Beweis, dass diese Indigenen hoffnungslos altmodisch sind. Sie lesen Bücher! Sicherlich machen sie das, weil sie Umstürzler sind, denn bei Peña Nieto ist Bücher lesen ein Delikt. [10]

Gesang des Schmerzes und der Wut einer Mapuche-Mutter, als sie ihren Sohn verloren hat, der von den chilenischen Carabinieri ermordet wurde.

Lied für die Caracoles der EZLN, von Erick de Jesús. Zu Beginn des Videos Worte der zapatistischen Frauen.

Anmerkungen der Übersetzer_innen:

[1]: Dieser Plan (in Spanisch: "Cruzada Nacional contra el Hambre") wurde am 21. Januar 2013 vom neuen mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto in Las Magaritas / Chiapas verkündet. Mehr dazu hier: http://amerika21.de/2013/01/76187/sozialprogramm-ezln

[2]: Die PRI ist die regierende und das politische Systems Mexikos seit mehr als 80 Jahren in weiten Teilen dominierende Partei.

[3]: Der sogenannte "Pakt für Mexiko" ("Pacto por México") wurde eine Tag nach der Amtsübernahme des neuen mexikanischen Präsidenten Peña Nieto, am 1. Dezember 2012, von diesem und den Vorsitzenden aller großen mexikanischen Parteien unterschrieben. In dem 34-seitigen Dokument erklären sie, bestimmte "Reformen" in vielen verschiedenen Politikbereichen auf den Weg bringen zu wollen.

[4]: Das sind das Recht auf eine Unterkunft, auf Land, auf Arbeit, auf Ernährung, auf Gesundheit, auf Bildung, auf Information, auf die eigene Kultur, auf Unabhängigkeit, auf Demokratie, auf Gerechtigkeit, auf Freiheit und auf Frieden.

[5]: Die Zapatistas bezeichnen die indigenen und kleinbäuerlichen Anhänger_innen der Regierung als ihre "Brüder und Schwestern" - Mitglieder und Sympathisant_innen der Bewegung werden als "Compañeros", "Compañeras" und "Compañeroas" bezeichnet.

[6]: Die sogenannten "ciudades rurales sustensables" ("Nachhaltige Landstädte") sind Kleinstädte, die aktuell in vielen Regionen in Chiapas geplant oder gebaut werden und teilweise bereits fertiggestellt sind. Sie sind auf dem Reißbrett entworfene Entwicklungsprojekte im Rahmen der UN "Millenium Development Goals". Die verstreut in kleinen Ortschaften lebenden Menschen der Umgebung sollen in diese Städte umziehen – dies geschieht oft unter Druck oder falschen Versprechungen. Angebliches Ziel ist es, ihnen dort besseren Zugang zu Grundversorgung und wirtschaftlicher Entwicklung zu geben. Kritiker_innen merken aber an, das hierdurch die auf kleinbäuerliche Selbstversorgung und indigene Kultur basierende Lebensweise der Menschen zerstört wird und sie zu kontrollierbaren und abhängigen Billiglohn-Arbeiter_innen gemacht werden. Dazu passt, dass viele Unternehmen Teile dieser Städte mitfinanzieren und im Gegenzug Monopole erhalten. Für mehr Infos vgl. den Schwerpunkt-Artikel des Menschenrechtszentrums SiPaz .

[7]: In Santiago El Pinar wurde eine ciudad rural errichtet.

[8]: Das Regierungsprogramm "Piso Firme" ("Fester Boden") besteht darin, dass den Menschen standardisierte und am Reißbrett entworfene Häuser mit Zementböden gebaut werden. Auch wenn ein fester Boden für viele eine gewisse Verbesserung ihrer Lebensbedingungen darstellt, die Häuser entsprechen oft nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung und die Regierung verfolgt mit diesem Projekt vor allem strategische Ziele: Die Registrierung der Bevölkerung und außerdem die Aufwertung in UN-Entwicklungsstatistiken, für die der Prozentsatz an Häusern mit festen Böden ein wichtiger Indikator ist.

[9]: Als Zeichen dafür, dass es aus einem der Regierungsprojekte stammt.

[10]: Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto konnte, als er bei einem Wahlkampfauftritt auf der Buchmesse in Guadalajara gefragt wurde, was die drei Bücher seien, die ihn am meisten geprägt hätten, zunächst keine nennen, nannte dann die Bibel und anschließend verwechselte er Autoren und Werke.



SIE UND WIR
VII.- Die Allerkleinsten
7. und letzte- Zweifel, Schatten und eine Zusammenfassung in einem Wort

Die Zweifel

Wenn Sie nach dem Lesen der Auszüge der Worte der Compañeras und Compañeros der EZLN noch behaupten, dass die zapatistischen Indigenen vom verkommenen Geist des SupMarcos (und jetzt auch des Subcomandante Insurgente Moisés) manipuliert sind und sich seit 1994 nichts im zapatistischen Gebiet verändert hat, dann sind Sie ein hoffnungsloser Fall.

Wir empfehlen Ihnen nicht, dass Sie den Fernseher abschalten oder dass Sie aufhören, die gebetsmühlenartigen Litaneien zu wiederholen, die die Intellektuellen gewöhnlich unter ihren Glaubensgetreuen verteilen, denn dann würde Ihr Geist leer. Glauben Sie weiterhin, dass das neue Telekommunikationsgesetz die Informationsverbreitung demokratisieren wird, dass es die Qualität der Programme verbessern wird, dass der Handy-Telefonservice verbessert werden wird.

Aber wenn Sie so denken, dann wären Sie nicht einmal bis zu diesem Teil der Sage ´Sie und Wir´ gekommen, das heißt, es ist eine Mutmaßung, sagen wir, dass Sie eine Person sind, die sich rühmt, einen mittleren intellektuellen Koeffizienten zu haben und progressiv zu sein. Mit diesen Charakteristiken ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie den methodischen Zweifel gegenüber allem praktizieren, das heißt es wäre logisch anzunehmen, daß Sie bezweifeln, was Sie hier gelesen haben. Und zweifeln ist nichts Verwerfliches, es ist eine der gesündesten (und eine der vergessensten) intellektuellen Übungen der Menschheit. Noch mehr, wenn es sich um eine Bewegung handelt wie die zapatistische oder neo-zapatistische, über die so viel gesagt wurde (das meiste sogar ohne dass man sich dem genähert hätte, was wir sind).

Lassen wir eine Tatsache bei Seite, die sogar von den großen Massenmedien beobachtet wurde: Zehntausende zapatistische Indigene nahmen gleichzeitig 5 Bezirkshauptstädte des südöstlichen mexikanischen Bundesstaates Chiapas ein.

Obwohl, beginnend mit den Zweifeln, wenn sich in den indigenen zapatistischen Gemeinden nichts verändert hat, warum wachsen sie dann? Haben nicht alle gesagt, dass das etwas aus der Vergangenheit ist, dass die Fehler der ezetaelene (ok, ok, ok, des Marcos) sie die Existenz gekostet haben ("die mediale", aber das haben sie ja nicht gesagt)? Hat sich nicht die zapatistische Führung aufgelöst? Ist die EZLN nicht verschwunden und blieb davon nicht nur die sture Erinnerung jener, außerhalb von Chiapas, die fühlen und wissen, dass der Kampf nicht den Schwankungen der Mode unterworfen ist?

Okay, vermeiden wir diese Tatsache (die ezetaelene wuchs exponentiell in den Zeiten, in denen sie nicht modern war) und geben wir den Versuch auf, diese Zweifel aufzuwerfen (die nur dazu dienen, dass Ihre Kommentare in den Artikeln der nationalen Presse editiert würden oder man Sie "für immer und ewig" verbietet).

Kehren wir zum methodischen Zweifel zurück.

Und wenn diese Worte, die auf diesen Seiten wie von zapatistischen indigenen Männern und Frauen geklungen haben, in Wirklichkeit das Werk des Marcos sind?

Das heißt, wenn Marcos vorgab dass es Andere waren, die diese Worte sprachen und fühlten?

Und wenn diese autonomen Schulen in Wirklichkeit gar nicht existieren?

Und wenn die Krankenhäuser, die Kliniken, die Rechenschaftspflicht, und die indigenen Frauen mit Ämtern, und der Boden, der bearbeitet wird, und die zapatistische Luftwaffe [1] und....?

Ehrlich: Und wenn nichts, was diese indigenen Frauen und Männer sagen, wirklich existiert?

Zusammenfassend: Und wenn alles nur eine Riesenlüge ist, erfunden von Marcos (und Moises, denn so weit sind wir schon), um mit Phantasiegebilden die Linken (schmutzig, hässlich, schlecht, frech - vergesst das nicht) zu trösten, die nie fehlen und die immer einige wenige sind, wenige, sehr wenige, eine verachtenswerte Minderheit? Und wenn der SupMarcos das alles erfunden hat?

Wäre es nicht gut, diese Zweifel und Ihre gesunde Skepsis mit der Realität zu konfrontieren?

Und wenn es möglich wäre, dass Sie persönlich diese Schulen, diese Kliniken und Krankenhäuser, diese Projekte, diese Frauen und Männer sehen?

Und wenn Sie persönlich diese mexikanischen Männer und Frauen, Indigene, Zapatistas hören könnten, die sich anstrengen, um mit Ihnen Spanisch zu sprechen, und Ihnen erklären und ihre Geschichte erzählen, nicht um Sie zu überzeugen oder zu rekrutieren, nur deshalb, damit Sie verstehen, dass die Welt groß ist und viele Welten in ihrem Inneren hat?

Und wenn Sie sich nur auf das Schauen und Hören konzentrieren könnten, ohne zu sprechen, ohne zu urteilen?

Würden Sie diese Herausforderung annehmen oder würden Sie im Zufluchtsort der Skepsis bleiben, diese feste und wunderbare Burg für die Gründe, um nicht aktiv zu werden?

Würden Sie um eine Einladung bitten und würden Sie die Einladung annehmen?

Würden Sie in eine Schule gehen, in der die Professorinnen und Professoren Indigene sind, deren Muttersprache als "Dialekt" bezeichnet wird?

Würden Sie Ihren Drang im Zaum halten, sie als anthropologische, psychologische, rechtliche, esoterische, historische Objekte zu studieren, über sie eine Reportage zu schreiben, sie zu interviewen, ihnen Ihre Meinung zu sagen, Ihnen Ratschläge zu geben, Befehle zu erteilen?

Würden Sie sie ansehen, das heißt, anhören?

-*-

Die Schatten

Auf einer Seite dieses Licht, das jetzt scheint, beobachtet man die ungleichmäßige Form des Schattens, der es möglich machte, nicht. Denn ein anderes Paradox des Zapatismus ist, dass nicht das Licht die Schatten erzeugt, sondern aus diesen wird das Licht geboren.
Frauen und Männer aus entfernten und nahen Orten des gesamten Planeten machten es möglich, nicht nur das, was gezeigt werden wird, sie bereicherten auch mit ihrem Blick den Weg dieser Männer und Frauen, Indigene und Zapatistas, die jetzt neuerlich die Fahne eines würdigen Lebens erheben.
Einzelpersonen, Männer und Frauen, Gruppen, Kollektive, Organisationen jedweder Art und verschiedener Ebenen trugen dazu bei, dass dieser kleine Schritt der Allerkleinsten Wirklichkeit werden konnte.
Von den 5 Kontinenten kamen die Blicke, die, von unten und links, Respekt und Unterstützung anboten. Und mit diesen zwei Dingen wurden nicht nur Schulen und Krankenhäuser errichtet, auch das indigene zapatistische Herz erhob sich, welches so in alle Winkel der Welt schaute, durch diese brüderlichen und schwesterlichen Fenster.
Falls es einen kosmopolitischen Ort in Mexiko gibt, ist das vielleicht der zapatistische Boden.
Angesichts solcher Unterstützung gebührt nicht weniger als eine Anstrengung gleichen Ausmaßes.
Ich glaube, wir glauben, dass alle diese Menschen in Mexiko und auf der ganzen Welt diese kleine Freude, die heute mit indigenem Antlitz in den Bergen des mexikanischen Südostens wandelt, teilen können und müssen, als ob es ihre eigene wäre.
Wir wissen, ich weiß, dass Ihr es nicht erwartet, nicht fordert, nicht danach fragt, aber wie immer, wir schicken Euch eine feste Umarmung, so ist es, wie sich die Zapatistinnen und Zapatisten unter Compañeros bedanken (und ganz speziell umarmen wir jene, die es verstanden haben, niemand zu sein). Vielleicht, ohne dass Ihr es Euch vorgenommen habt, wart Ihr und seid Ihr für alle von uns die beste Schule. Und es ist unnötig zu erwähnen, dass wir nicht aufhören werden, uns anzustrengen um zu erreichen, dass Ihr, ohne Rücksicht auf Euren Kalender und Eure Geographie, auf die Frage, ob es sich lohnt, immer mit Ja antworten könnt.
An alle Frauen (ich bedauere es aus dem Tiefsten meiner machistischen Essenz, aber die Frauen sind die quantitative und qualitative Mehrheit), an alle Männer: Danke.

(…)

Und gut, es gibt Schatten und Schatten.
Und die anonymsten und unmerklichsten sind die Frauen und Männer kleiner Größe und mit einer Haut, die der Farbe der Erde gleicht. Sie haben alles aufgegeben, was sie hatten, auch wenn das nur wenig war, und sie haben sich in Kriegerinnen und Krieger verwandelt. Im Stillen und in der Dunkelheit haben sie dazu beigetragen und tragen sie dazu bei, wie sonst niemand, dass das alles möglich werde.
Und jetzt spreche ich von den Insurgentas und Insurgentes [2], meinen Compañeras und Compañeros.
Sie kommen und gehen, leben, kämpfen und sterben im Stillen, ohne Lärm zu machen, ohne dass irgendjemand, ausgenommen wir selber, darüber Bescheid weiß. Sie haben weder ein Antlitz noch ein eigenes Leben. Ihre Namen, ihre Geschichten, werden vielleicht nur dann in jemandes Erinnerung auftauchen, wenn von vielen Kalendern die Blätter abgerissen wurden. Dann, vielleicht an einem Feuer, während der Kaffee in einer alten Zinn-Teekanne kocht und das Feuer der Worte entzündet wird, wird jemand oder etwas sein/ihr Andenken grüßen.
Und wie dem auch sei, es wird nicht wichtig sein, denn worum es sich handelte, worum es sich handelt, worum es sich immer gehandelt hat, ist dazu beizutragen, jene Worte zu erbauen, mit denen die Geschichten gewöhnlich beginnen, die Anekdoten, die Erzählungen, die wirklichen und die erdichteten, die der Zapatistinnen und Zapatisten. So wie begann, was jetzt Wirklichkeit ist, das heißt mit einem:


"Es wird einmal sein…"
Vale. Salud und dass nie und nimmer das Gehör und der Blick fehlen mögen.
(Fortsetzung folgt nicht mehr)

Im Namen der Frauen, Männer, Kinder, Alten, Insurgentas und Insurgentes der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee

aus den Bergen des Südostens von Mexiko,

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, März 2013


PS, WELCHES VORWEG NIMMT: Es werden weitere Schriften herauskommen, freut Euch nicht zu früh. Sie werden vor allem von Compañero Subcomandante Insurgente Moises geschrieben werden, bezüglich der kleinen Schule, Termine, Orte, Einladungen, Einschreibungen, Vorbereitungskurse, Regeln, Schulstufen, Schulkleidung, Schulutensilien, Benotungen, Beratungen, wo man die bereits beantworteten Prüfungen erhalten kann usw. Aber wenn Ihr fragt, wie viele Stufen es gibt und wie lange man braucht, um den Abschluss zu machen, dann sagen wir Euch, dass wir, Männer und Frauen mehr als 500 Jahre brauchten und wir haben noch immer nicht ausgelernt.

PS, WELCHES RATSCHLÄGE ZUR TEILNAHME AN DER KLEINEN SCHULE GIBT – Eduardo Galeano, ein Weiser in der schwierigen Kunst des Sehens und Hörens schrieb in seinem Buch ´Die Kinder der Tage´ im März-Kalender folgendes:
"Carlos und Gudrun Lenkersdorf wurden in Deutschland geboren und haben dort gelebt. 1973 kamen diese berühmten Professoren nach Mexiko. Und sie betraten die Welt der Maya, ein Tojolobal-Dorf und sie stellten sich folgendermaßen vor:

- Wir kommen um zu lernen.

Die Indigenen schwiegen.
Nach einiger Zeit erklärte einer das Schweigen:

- Es ist das erste Mal, dass jemand so etwas sagt.

Und Gudrun und Carlos blieben Jahr um Jahr dort und lernten.
Von der Maya-Sprache lernten sie, dass es keine Hierarchie gibt, die das Subjekt vom Objekt trennt, denn ich trinke das Wasser, das mich trinkt und ich werde von dem angeschaut, was ich anschaue und sie lernten folgenden Gruß:

- Ich bin du.

- Du bist ich."

Befolgt die Ratschläge von Don Galeano. Denn wenn man zu schauen und zu hören versteht, dann lernt man.

PS, WELCHES ETWAS ÜBER KALENDER UND GEOGRAPHIEN ERKLÄRT: Unsere Toten sagen, dass wir fähig sein müssen, alles anzuschauen und anzuhören, aber im Süden wird es immer einen besonderen Reichtum geben. Wie jene gemerkt haben, die die Videos sehen konnten (es sind noch viele übrig, mal sehen ob es dafür eine andere Gelegenheit gibt), die den Schreiben "Sie und Wir" beigefügt waren, versuchen wir, verschiedene Kalender und Geographien zu zeichnen, aber es gab eine Hartnäckigkeit in unserem verehrten Süden von Lateinamerika. Nicht nur wegen Argentinien und Uruguay, weise und rebellische Länder, sondern auch weil – unserer Ansicht nach – im Volk der Mapuche nicht nur Schmerz und Wut wohnt, sondern auch Standhaftigkeit im Kampf und eine tiefe Weisheit, für den, der schauen und hören kann. Wenn es einen Platz auf der Welt gibt, wo wir unsere Brücken hin bauen sollen, dann ist es das Gebiet der Mapuche. Für dieses Volk, und für alle Verschwundenen und Gefangenen dieses leidenden Kontinents bleibt die Erinnerung aufrecht. Denn ich weiß nicht, ob von der anderen Seite dieser Worte, aber von dieser Seite heißt es: Kein Vergeben, kein Vergessen!

PS SYNTHESE: Ja, wir wissen es, diese Herausforderung war nicht leicht. Es kommen große Gefährdungen, Schläge aller Arten und von allen Seiten. So war unser Weg und so wird er immer sein. Schreckliche und wundervolle Dinge bilden unsere Geschichte. Und so wird es sein. Aber wenn man uns fragt, wie wir alles in einem Wort zusammen fassen können: die Schmerzen, die schlaflosen Nächte, die Toten, die uns schmerzen, die Opfer, das ständige Schwimmen gegen den Strom, die Einsamkeiten, das Fehlen, die Verfolgungen, und vor allem dieses Beharren darauf, uns derer zu erinnern, die uns vorangegangen sind und die nicht mehr sind, dann ist das etwas, was alle Farben von unten und links vereint, ohne dass Kalender und Geographie von Bedeutung wären. Und mehr als ein Wort, ist es ein Schrei:
Freiheit....! Freiheit.....! FREIHEIT!

Vale. Nochmals.
Der Sup packt den Computer ein und geht weiter, er geht immer weiter.


Ein Gedicht von Mario Benedetti (der auf die Frage antwortet warum wir trotz allem singen), vertont von Alberto Favero. Hier interpretiert von Silvana Garre, Juan Carlos Baglietto, Nito Mestre. Kein Vergeben, kein Vergessen!

Camila Moreno interpretiert "De la tierra", gewidmet dem Mapuche-Kämpfer, Jaime Mendoza Collio, der hinterrücks von Carabineros ermordet wurde.

Mercedes Sosa, die Unsere, die von Allen, die Immerwährende, sie singt "Corazón Libre" von Rafael Amor. Die Botschaft ist schrecklich und wunderbar: sich niemals ergeben.


Anmerkungen der Übersetzer_innen:

[1]: Die Zapatistische Luftwaffe flog ihren ersten und bisher letzten Einsatz am 3. Januar 2000. Dabei wurde ein Feldlager der mexikanischen Armee mit Papierfliegern beworfen.

[2]: Das sind die Kämpfer_innen der EZLN-Guerilla, die sich beständig, bewaffnet in den Bergen aufhalten.

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Übersetzung: KaRa (Teil 1 - 4), Dana (Teil 5), RedmyCZ, Christine Hödl & ¡Alerta!, MaMa, Ca & KaRa (Teil 6 & 7); geringfügige Überarbeitung: pf